Mimoto's Reiseforum

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Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 27. Mai 2011, 16:48 
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das geht wohl ohne anmeldung: http://www.diva-di-bologna.de/index.php ... t&p=120791
musst dich durch ein paar seiten durchwühlen.

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Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 27. Mai 2011, 18:43 
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Beiträge: 6090
Wohnort: Laudenbach/Grossherzogtum Baden
@ Ryna
thx für den Link

@ Michael
einfach nur Chapeau :!:
Was ein Bericht von der Tour
Ich hab mir das, begleitet von nem Zäpfle, auf einem Rutsch gegeben.
Herrlich formuliert und geschrieben ... echt der Wahnsinn.

Wieso in dem Forum da fast keiner drauf reagiert - mir vollkommen unverständlich :twisted:

Grüssle
Jojo

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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 28. Mai 2011, 21:06 
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Registriert: Dienstag 24. Mai 2011, 09:50
Beiträge: 163
Wohnort: Mainz - Gustavsburg
"SUSA,
6700 Einwohner.
Der malerisch am Fuß des Mont Cenis gelegene Susa, von den Kelten gegründet, war für die Römer ein bedeutender Grenzort.
Reste aus dieser Zeit sind neben der Porta del Castello ein Triumphbogen für Kaiser Augustus (8 v.Chr.), Teile der Stadtmauern,
der doppeltorigen Porta Savoia und derTerme Graziane. Sehenswürdig auch die Kathedrale San Giusto aus dem 11.Jh. mit einem
wuchtigen romanischen Glockenturm und die Kirche San Francesco (1247), vor allem aber das malerische Viertel Borgo dei
Nobili. Durch das Susa-Tal lässt sich auch wunderbar wandern.
Information bei der Organisation Susa-Tal: Piazza Garambois, 10056 Oulx; Tel. 02 21 83 17 86, 02 81 83 18 80
Ca. 53km westlich von Turin"

Merian Piemont. Turin


Schönes Blabla, nicht? Zumindest wenn man nicht weiß wohin.
Jetzt gilt es erst einmal eine Bleibe zu finden.
So klappern wir also einige Hotels ab, wählerisch können wir nicht sein.
Und siehe da, wir haben Erfolg. Etwas verfallen ist es ja, dieser morbide Charme des Alten. Fenster mit Blick auf die Straße.
So werden dem großen Ehebett, das aus der Verfilmung des "Leoparden" wohl übrig geblieben ist, ein paar kleine Kinderbetten
hinzu gestellt. Nele rümpft die Nase, schließlich ist sie ja schon groß. Elf eben.
In diesem musealen Ambiente ragt eine in den Raum hinein gebaute Dusch-, Wasch- Klokabine aus Edelstahl hervor. So etwas habe ich noch nie gesehen!
Aufregend, echt.
Das dem Hotel angegliederte Restaurant war hervorragend, italienische Küche vom feinsten. Billig war die Bude nicht...
Die Kräder standen überdacht im Hinterhof bei einer ganzen Menge Artgenossen.
Nach dem Duschen ging die ganze Familie aus. Gleich neben dem Hotel befand sich ein Motorradzubehör-Fachgeschäft.
Da lagen so verlockend aussehende Angebote in der Auslage, da mussten wir einfach rein. So etwas gibt es hier nicht.
Eine Milliarde Artikel aller Art, vom Blinker über Koffer und Tankrucksäcke, Helme und Stiefel, fanden auf engsten Raum Platz.
Beherrscht wurde das Chaos von einer etwas moppeligen jungen Dame, die wie ein Derwisch von Kunde zu Kunde eilte und
selbstverständlich, unentwegt plapperte. Sie wand sich uns höflich lächelnd zu. Wir machten ihr mit Händen und Füßen klar
das wir eine Regenhose für unsere kleine Jelena haben möchten.
Sie musterte unsere Lütte, warf ihre Haare in den Nacken fuchtelte mit ihren Armen und stammelte laut:
" Per la piccola pupa? No, no, no!" Sie schüttelte den Kopf, lief noch einmal zu irgendeinem Haufen mit Hosen, drehte sich um.
"No, no." das war’s. Jelena sollte keine Hose bekommen, hatte aber einen neuen Namen. Das "piccola" haben wir erst weg gelassen
als sie 19 war.
Jetzt sollte der geneigte Leser wohl glauben, dass wir nach diesem Erlebnis gemerkt hätten, das sich hier doch eine
Geschäftsidee verwirklichen lässt: Motorradbekleidung für Kinder. Das wir diesbezüglich aktiv geworden und dabei reich aus
der Sache hervorgegangen sind. Mit Verlaub: Da sind wir zu doof!
Wir haben uns nicht dahinter geklemmt und sind arm geblieben.
Wussten sie dass ICH 1985 den Rucksack für Biker erfunden habe? Sehen sie, ich habe schon einmal eine Geschäftsidee
"versenkt".
Am nächsten Morgen wurden wir durch Krach geweckt. Laute Fanfarenmusik tönte über die Straße.
Wir stürmten ans Fenster. Gut dass keiner rausgefallen ist. Direkt vor uns entfaltete sich ein tolles Spektakel.
Fahnenträger im Mittelalterornat warfen ihre Banner in die Luft, Ritter zu Pferde, Gildeangehörige, Falkner hoch zu Ross.
Mit Schwert und Schild bewaffnete Fußsoldaten, Spießer, Damen mit Hofstaat.
Alles, was sie sich zum Thema "Mittelalter" denken können, marschierte auf. Wir wären nicht in Italien wenn das Ganze nicht von
herumflitzenden Rollern und Motorrädern garniert worden wäre. Ausgelassene Menschenmassen flanierten mit.
Es schien, als sei halb Turin hier. Das Fest hatte begonnen, und wir waren dabei!
Ich weiß, dass Ihr mich jetzt beneidet, recht habt Ihr damit. Leidet nur!
Stundenlang zogen wir am diesen Tag durch das Städtchen, überall war etwas zu sehen.
Natürlich genossen wir auch hier einen Cappuccino, dort ein Gelati. Beim Bummeln abseits des Trubels sah ich auf einmal
ganz zufällig ein verwittertes Schild. Die Farbe blätterte schon ab, trotzdem war es noch klar zu entziffern:
"Colle delle Finestre".
Hier geht es also zu meinem Traumpass. Er führt in südlicher Richtung aus dem Tal heraus zur Testa dell' Asietta
einem verwegenen Weg auf dem Kamm der Berge. Das kannte ich noch nicht....


Gruß, Michael ;)

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"Schöner ist es anderswo, hier ist man ja sowieso." -Wilhelm Busch-


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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 28. Mai 2011, 21:13 
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Registriert: Dienstag 24. Mai 2011, 09:50
Beiträge: 163
Wohnort: Mainz - Gustavsburg
Ja, die Endurofahrer unter Euch werden mir gleich in die Parade fahren!
Zumindest die, die einen "Denzel" haben.
Von Susa aus kann ein Erdferkel phantastische Ausritte zu alten Militäranlagen machen. Savoyen war doch mächtig
umkämpft, im 18. und 19.Jahrhundert mischten sogar die Österreicher mit.
Die von mir erwähnte Testa dell' Assieta führt sogar über ein Schlachtfeld des Jahres 1747.
Damals griffen die Truppen des französischen Königs die Österreicher an, die von Waldenser - Milizen unterstützt wurden.
Überwachsene Stellungen sind heute noch zu sehen.

So, und nun zu einem weiteren Bericht über die denkwürdige Reise im Jahre 1996.
Wo waren wir stehen geblieben?
Ach ja, "Susa!"
Am nächsten Morgen zogen meine beiden Läusemäuse Hand in Hand zu dieser wunderbaren Bäckerei, in der es auch dieses
großartige italienische Naschwerk gibt.
Schon allein die Auslage lässt einen den Nährwert dieser Kalorienbomben vergessen.
Wie wurden die Kinder empfangen! Alle strahlten sie an, höflich wurde ihnen das Leckerste vom Leckersten gegeben.
Jeder Aufenthalt muss einmal enden. So auch dieser. Ich muss leider den geneigten Leser enttäuschen, wir sind nicht
den Colle delle Finestre gefahren. Martina und ich haben lange darüber gesprochen, den Ausschlag gab dann die Aussagen
mehrerer Einheimischer die uns abrieten es zu wagen.
Das erledigte ich 2002, Solo. Auf der Kuh natürlich, die Multi gab es noch nicht.
Im Nachhinein muss ich gestehen, dass die Entscheidung richtig war. Bepackt bis zum Anschlag und den Kindern
wäre es zu gewagt gewesen. Wie ich im ersten Teil meines Berichtes schon schrieb:"Kein Risiko!"

Nächstes Ziel war die herrliche Stadt Briancon auf der anderen Seite einer sinnlosen Grenze.
Briancon, eine der höchstgelegenen Städte Europas!
Briancon, gesegnet mit einer großartigen Altstadt. Briancon, das Tor zu den großartigsten Pässen der Alpen!
Willst Du in die Seealpen? Alle Wege führen über Briancon.
Direkt zu erreichen über Grenoble und dem Tal der Romanche.
Wir allerdings fuhren nach Bardoneccia, weil das Tom Tom Michael falsch programmiert war. Wir hätten in Oulx
abbiegen müssen. Nun standen wir an der Auffahrt zum Sommeillier.
Das war falsch.
Gottlob führt von da aus ein Pässchen der 3. Ordnung rüber ins Französische. Der Col de I' Echelle.
Mit dem sich anschließenden Valle de la Claree geht es durch eine Traumlandschaft ohne viel Verkehr.
Besser als der Col de Montgenevre, zu dem wir eigentlich wollten.
So tuckerten wir bei bestem Wetter die letzten Meter vor Briancon, da riss der Kupplungszug der BMW.
Wir befanden uns in le Posier direkt an einer dieser typischen Bars, die ihre Tische unter Sonnenschirmen platzieren
und mit kühlen Getränken locken. Die Mädels genossen ihr Getränk, wärend ich einen neuen Kupplungszug montierte.
Der kluge Kuhreiter hat so etwas immer im Tankrucksack.
Weiter geht’s, schließlich wollen wir jetzt nach Süden. Briancon, rein in den Kreisel und ab zum Col d' Izoard.
Ich werde auf die Schilderung der folgenden fahrerischen Hochgenüsse verzichten, sie sind unbeschreiblich.
Es nützt Euch ja auch nicht viel, wenn ich Euch noch heißer mache, als Ihr ohnehin schon seid.
Kurzum, dass Casse de Deserte, zwei Kilometer hinter dem Passgipfel entführt der braven Fahrer in eine andere Welt.
"Geröllalpen" nannte ich sie, als ich 1985 mit Walter wie Ihr wisst, das erste Mal in den Süden dieses Gebirges fuhr.
Vergesst die alpine Landschaft der Schweiz oder Österreichs. Hier ist alle anders.
Der Izoard endet am Queras und führt weiter nach Guillestre.
Ein schöner Ort! Sehr sehenswert. Wir futtern da und vergeuden unsere Zeit. Immer noch lacht der Himmel, die Regenhose
für die piccola Pupa ist vergessen.
Wieder klettern wir auf die Maschinen, wir sind schon so routiniert, dass es schon im Unterbewusstsein verankert scheint.
Zum Col de Vars!
Wie im Fluge nehmen wir diesen unspektakulären Paß. Auch er weißt mittlerweile diese Krebsgeschwüre von Touristenburgen auf.
Er endet im Tal der Ubaye - und damit im Paradies.....
Das erste Mal geht es durch Barcelonnette, über diesen Ort später, das Tal hinunter.
Ziel ist der Lac de Serre Poncon. Zu oft haben die Kinder uns in den Ohren gelegen, dass sie baden wollten.
Jetzt auf einmal fehlt uns aber die Zeit, die wir Guillestre vergeudet haben.
Wir kehren um, Martina ist am Ende ihrer Kräfte, und fahren zu einem Campingplatz an der Straße nach Barcelonette zurück.
Steil führt der Zugangsweg hinunter zum Platz. Wir bekommen noch eine dieser von Büschen umsäumten Parzellen.
Den Helm endlich vom Kopf hört man das Wasser der Ubaye rauschen, die keine 30m unterhalb vorbeifließt.
Erschöpft und müde wie wir waren, hatten wir nicht den geringsten Schimmer, dass nun der schönste Teil unseres
Urlaubs beginnen sollte.


Michael ;)

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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 28. Mai 2011, 21:17 
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Registriert: Dienstag 24. Mai 2011, 09:50
Beiträge: 163
Wohnort: Mainz - Gustavsburg
Ort des Geschehens : Campingplatz "Riou Clar" an der Ubaye, 7 km vor Barcelonnette.
Schon am Abend unserer Ankunft fiel uns auf, wie verschwenderisch dieser Campingplatz ausgestatten war.
Großzügige Waschräume und zahlreiche Duschen, alle blitzblank, - Waschmaschine und überdachter Trockenraum.
Restaurant mit Bar, Pol in XXL - ideal für die Kinder, da die Ubaye ein wilder Gebirgsbach ist in dem sie glatt ertrinken würden.
Da das Gelände stark abschüssig ist, wurden die Campingflächen aufgeschoben und ergaben so die beschriebenen
umpflanzten Parzellen. Zur nächsten Parzelle wurde ordentlich Platz gelassen, der von Pinien bestanden war.
Eine Parzelle vor uns, vom Eingang aus gezählt, hatten sich zwei Familien aus Bourges nieder gelassen.
Dank der Kinder beider Seiten entwickelte sich ein herzliches Verhältnis zu diesen Familien.
Wir hockten fast jeden Abend zusammen und die Gören waren unzertrennlich.
Deutsch - französische Freundschaft auf hohem Niveau. Sehr leckerem Niveau zudem.......
So von unseren Gören befreit, konnten wir es uns erlauben, mal ohne Sozia und Gepäck auszureiten.

Ausgangspunkt war also die Stadt Barcelonnette, falls Ihr, verehrte Leser, mal Eure Nasen in die Landkarte stecken wollt.
Für schlauen Frankreichfahrer, die den Michelin "Strassen- und Reiseatlas" zur Hand haben, ist das ganz einfach: Seite 155.
Der hat einen Spiralrücken und passt perfekt in einen der Kofferdeckel der BMW - Kisten.
Die schicken, aber zerklüfteten Koffer der Multistrada sind leider nicht kompatibel. Da werde ich mir in Zukunft was einfallen
lassen müssen.
Von Barcelonnette aus hat man den Schlüssel zu drei famosen Parallelpässen, die von Nord nach Süd führen und sogar
miteinander verbunden sind. Einmal in der Mitte der Strecken, einmal am Ende der Strecken. Da lässt sich einiges
abradeln!
Einmal, im Osten, ist da der Col de la Bonette, der höchste Pass der Alpen (2860m). Zu ihm gelangt man, in dem man
von Barcelonnette aus nach Jausiers fährt und dort zur Paßstraße einbiegt. Tanken nicht vergessen!
Zwischen Jausiers und dem Ende des Passes bei St.Sauveur-sur-Tinee sind es geschlagene 63 Kilometer.
Vom Ort Barcelonnette aus geht es zu den beiden anderen Juwelen von Pässen.
Im der Mitte ist da der absolute Favorit von Martina, der Col de la Cayolle (2326m) und "links" also westlich der
Col d' Allos (2247m).
Also, ich beschreibe das Ganze noch einmal, auch für die Begriffstutzigsten:
Westen:Allos, Mitte:Cayolle, Osten:Bonette. Alles klar?
Unser erster Ausritt galt dem Cayolle, das hatte sich Martina gewünscht. Schon 1987 war sie von diesem Pass begeistert.
Kaum hat man die Brücke über die Ubaye passiert, nimmt einen eine schmale Schlucht auf, die "Gorges du Bachelard".
Sie führt, wie der Name verrät, am einen Gebirgsbach entlang, der diese Schlucht in unvorstellbaren Zeiträumen gegraben
hat, dem Bachelard. Jetzt weiß auch der Unbeleckte was "Gorges" heißt: "Schlucht."
Kleinstorte weisen darauf, das wir die Schlucht verlassen, das Gelände wird weitläufiger. Die "Geröllalpen" entfalten ihre
unbeschreibliche Schönheit. Wechselkurven beanspruchen den Fahrer und warnen davor zulange die Landschaft
zu betrachten. Mein Tipp: Anhalten!
Wir fahren über den Bach, um uns in Serpentinen zu schwingen. Gerade haben wir uns an den Schatten des rechts
hervorragenden Berges gewöhnt, müssen wir scharf bremsen.
Ein Schäfer treibt mit der Hilfe seiner Hunde eine Herde Schafe über die Straße.
Es heißt geduldig zu sein. Weiter geht’s, schon taucht rechts das Passhaus auf, ein Refuge.
Wir kehren ein, um unsere Bestellung in deutsch machen zu können. Ein junger Mann aus Köln, der Geschichte auf der Uni
von Nizza studiert, verdient sich hier oben ein paar Franc dazu. Klein ist die Welt!
Die Einrichtung des Hauses ist wohl so um die 100 Jahre alt. Strom gibt es keinen, typisch französisch kommt das Feuer
aus Gasflaschen. Übernachten geht übrigens auch, davon aber später, wir werden nicht das letzte mal dort gewesen sein.
Über die Paßhöhe und schon ist die eben noch gesehene Perspektive eine Andere. Das Tal des Var liegt vor einem und führt
nach St Martin-de-Entraunes. Kurz vor dem Ort passieren wir das alte Haus mit dem kleinen Campingplatz, auf dem Martina und ich
1987 als einzige und letzte Gäste einkehrten. Eine liebenswerte alte Dame unterhielt dieses Etablissement.
Jetzt ärgere ich mich, dort nicht angehalten zu haben. Heute ist sie bestimmt schon tot.
St. Martin-de-Entraunes. Fährt man weiter gerade aus, landet man in Guillaumes und kann weiter zum Canyon du Verdon.
Biegt man aber rechts ab, fährt man über den Col des Camps nach Colmars an der Paßstraße zum Allos.
Dieser Verbindungspass ist einer der schönsten den ich je gefahren bin! Der Straßenbelag ist typisch "Caussee deformee"
und verlangt einem alles ab. In die Abfahrt nach Colmars sind, fast nicht sichtbar, quer über die Straße tiefe Betonrinnen
eingelassen. Sie dienen der Regenwasserabfuhr. Wer hier zu schnell unterwegs ist…
1987 stellte ich die Gummikuh auf dem kleinen Parkplatz an der Paßhöhe ab, Martina und ich spazierten in die bizarre Welt
der Geröllalpen. Totale Stille, das golden schimmernde Gras wog im Wind, als auf dem Weg uns eine Schafherde entgegen
kam. Talwärts war die Erde erodiert, so dass sich pechschwarze Erde auftat: Eine Symphonie der Farben.
Der Schäfer tauchte auf, an seiner Seite eine junge Frau. Er hatte dunkles Haar und trug ein kleines, blondes Mädchen auf
den Schultern. Sie war groß und schlank, ihr Haar war blond.
Wir gingen uns, umgeben von Schafen, entgegen und schauten uns verblüfft an. Unsere Nele, zwei Jahre alt und blond
war zuhause geblieben, sah dem Kind auf den Schultern des Mannes verblüffend ähnlich. Er hätte mein Bruder sein können
sie eine Schwester Martinas. An diesem herrlichen Tag auf dem Col des Camps waren Martina und ich sehr lange schweigsam.


Und Morgen lesen sie: Eine Familie besteigt den Mont Pelat (3051m) in Motorradklamotten.
Bis dann...

Euer Michael

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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 28. Mai 2011, 21:22 
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Beiträge: 163
Wohnort: Mainz - Gustavsburg
Ja, der Col de Camps.....
Dieses mal war er jedoch nicht der Mittelpunkt unserer Aktivitäten, denn wir fuhren ihn durch die beschriebenen Betonrillen
hinunter nach Colmars, dass wie ein Schwalbennest über dem Verdon thront. Hier scheint man in das Mittelalter
zurück gekehrt zu sein. Vauban, der Festungsbaumeister des Sonnenkönigs, errichtete beide Forts, die über Grabenwehre
mit der Stadt verbunden wurden und baute die Stadttore aus.
Laut Michelin-Reiseführer 2003 hat der Ort 376 Einwohner*.
Wir fahren weiter zum Col d' Allos hinauf. Die Abfahrt in Richtung Barcelonnette ist wunderschön und verwöhnt mit phantastischen
Ausblicken. Kurz vor Barcelonnette vereinen sich die beiden Paßstraßen Cayolle/Allos wieder.
In der Stadt kaufen wir ein, damit unsere Gören nicht Hungers leiden müsse. Kurz danach verlassen wir wieder die D900 um
zu unseren Campingplatz einzubiegen.
Den nächsten Tag nutzen wir Vier um an den Lac de Serre-Poncon zu fahren. Die Sonne strahlt aus einem blauen Himmel,
so dass das Wasser dieses Stausees dunkelblau mit gleißenden Weiß vor uns auftaucht. Wir verlassen die langweilige D900
um auf die D954 zu fahren. "Chaussee deformee" eben. Viel schöner. Wir umrunden den See, in dem die Ubaye und die Durance
verschwinden und nur noch die Durance heraus kommt. Er ist gesprenkelt von kleinen bunten Schlauchbooten und Luftmatratzen.
Hundertschaften genießen das wunderbare Wetter um zu baden. Die Landschaft ist wie immer außergewöhnlich schön.
Ein Besuch des Kraftwerkes an der Staumauer rundet diesen Besuch ab. Was fangen wir mit diesem angebrochenen Tag noch an?
Nach Barcelonnette! Der Metropole im Tal der Ubaye. 2976 Einwohner*. Immerhin eine KTM-Vertretung!
Wir bummeln über den Markt, essen Eis und genießen die Sonne.
Mir fehlt etwas. 1987 war ich mit Martina auf dem höchsten Berg dieser Gegend, dem Mont Pelat, genau zwischen
dem Col d'Allos und dem Col de la Cayolle gelegen. 3051m hoch. Wir sind damals mit der BMW vom Ort Allos aus zum Lac d'Allos
gefahren. Da ist ein Parkplatz. Kaum hat man ihn verlassen, taucht man wieder in diese Stille ein, die sofort die ratternden
Gedanken beruhigt. Der See, 2229m hoch, ist noch ein Relikt der letzten Eiszeit.
Mir mangelt es an der Fähigkeit diese grandiose Landschaft zu beschreiben, in der dieser See mit seinem türkis-blauem Wasser
liegt. Ein Rausch der Farben. Der Aufstieg zum Pelat war von hier aus in zwei Stunden bewältigt.
Zurück 1996.
Nach der Rückkehr zu unserem Campingplatz, so beim Weinchen, machte ich meinen Mädels den Vorschlag, doch morgen
mal auf den Mont Pelat zu klettern. Ist eine leichte Bergwanderung, die könnte man ja vom Cayolle aus in Angriff nehmen.
Cayolle! Ihnen ist ja wohl klar, dass ich damit Martina ködern wollte, lieber Leser.
Wir stellen die Kräder am Refuge ab und wandern los. Piccola Pupa ist sofort hellauf begeistert, Nele würde auch ungefragt mitmachen.
Es hängt an Martina. Es hängt aber nicht lange, sie findet die Idee gut.
Leider schmeckte der Rote im Kreise unserer Franzosen zu gut, um etwas früher in den Schlafsack zu klettern.
Spät setzten sich deswegen am folgenden Tag zwei Motorräder in Bewegung.
Clever wie wir nun man sind, überquerten wir die Ubaye schon weit vor Barcelonnette, um über die D109 zum Einstieg
zur Passstraße zu kommen. Wieder die Bachelard, hinauf auf den Col de la Cayolle. Viel ist auf dem Parkplatz vor dem alten
Refuge nicht los, der Kölner Student begrüßt uns herzlich, um dann doch sehr nachdenklich zu werden.
"Ihr seid verdammt spät!" So sein Kommentar.
So watscheln wir vier Gestalten los. Turnschuhe, Motorradstiefel und Jacken, ich noch eine Jeansjacke und Hose im Rucksack.
Ein bisschen Obst und die obligatorischen Sigg-Flaschen. Martina hat die Kameratasche dabei.
Das zieht sich aber, noch nach einer halben Stunde sehen wir das Refuge, vor dem unser besorgter Kölner steht und zu uns
schaut. Wir biegen zum Petit Cayolle ein und sehen uns einem großen Schneefeld gegenüber.
Der Weg führt in Richtung See, also weg vom Berg. Die Zeit verrinnt, die Stimmung ist prächtig. Ab und zu ein Foto, so tippeln wir
unverzagt weiter. Erst kurz vor dem Ufer des Sees biegt der Pfad rechts ab, endlich auch das erste Schild "Mont Pelat".
Quer über ein steil abschüssiges Geröllfeld geht es nun bergauf. Das Pfeifen der zahlreich umher huschenden Murmeltiere
durchbricht die Stille. Nach etlichen Stunden geht es einen sehr schmalen Grad entlang und endlich ist der Berg zu sehen.
Wenn hier einer abschmiert......
Das Wasser war längst getrunken, das Obst stark reduziert und wir waren völlig verschwitzt. Gnadenlos brannte die Sonne
auf die Geröllwüste herab. Es wurde immer steiler! Ratlosigkeit machte sich breit. Sollen wir umkehren?
Piccola Pupa hält eine flammende Rede. Sieben Jahre alt und ein Kopf größer als ein Dackel, erklärt sie uns, dass wir das
schaffen würden.
Also kraxelten wir weiter. Zum Schluss auf allen Vieren. Endlich waren wir oben, aber ist es hier eng! War das 1987 auch so?
Das Gefühl, als rase die Erde unter einem dahin, gesellt sich hinzu. Wir halten uns an den Händen und richten uns auf.
Was für eine Aussicht! Es müssen so hundert Kilometer sein. Überall Berge, unten, in südlicher Richtung funkelt der Lac d'Allos
im Sonnenlicht. Sogar die Pupa schweigt.
Noch heute habe ich die Bilder vor Augen - und das nach dreizehn Jahren.
Lange dürfen wir nicht bleiben, ein Blick auf die Uhr lässt mich erschrecken. Wir werden wohl in die Dunkelheit geraten.
Runter geht es mit den Beinen nach unten auf allen Vieren. Erfahrungsgemäß ist der Abstieg schwerer.
Über den Grad zum Geröllfeld. Kilometer für Kilometer, rasant vergeht die Zeit. Der untere Teil des Geröllfeldes ist schon
in den Schatten getaucht, schnell sinkt die Sonne. Kälte kommt auf, ich kriege in meiner kurzen Hose einen Oberschenkelkrampf.
Die Jeansjacke und eine lange Hose sind zu meinem Glück im Rucksack verstaut. Die Kinderchen ziehen ihre Motorradjacken an
Martina klappert mit den Zähnen. Weiter steigen wir ab, endlich sind wir am See. Nach links hinauf zum Petit Cayolle.
Langsam rutschen wir über das Schneefeld, endlich biegt der Weg nach rechts: Da ist das Refuge!
Den ausgespülten Pfad hinunter, doch was war das? Da bewegt sich doch was?
Direkt am Pfad hatten Murmeltiere ihren Bau angelegt, aus ihm spähten Jungtiere. Sie kannten keine Angst, zwanzig Zentimeter
vor unseren Beinen blickten sie uns neugierig an. Langsam die Kamera, gut das richtige Zoomobjektiv. Einschalten, fokussieren.
Verdammt, eine halbe Sekunde Belichtungszeit bei Blende 4,5. das 36. Foto. Der "Schuss" muss sitzen.
Einatmen, langsam raus mit der Luft. „Klick“. Der Hebel der Spiegelreflex lässt sich noch einmal spannen. Es war das letzte Foto
auf dem Film.
Wir gehen die letzen Meter zum Refuge. Öffnen die Tür, es war 20:00 Uhr durch.
Unser Kölner schaut sich zu uns um.
"Gottseidank! In zehn Minuten hätte ich den Rettungshubschrauber gerufen."

Morgen geht es weiter……

Gruß, Michael ;)

*Michelin Reise-Verlag. Der grüne Reiseführer "Französische Alpen"; ISBN 2-06-000255-9
Ob diese Nummer noch stimmt, entzieht sich meiner Kenntnis. Michelin akutalisiert den Reiseführer bei Bedarf.
Ich kenne nichts Besseres....

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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 28. Mai 2011, 21:27 
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Registriert: Dienstag 24. Mai 2011, 09:50
Beiträge: 163
Wohnort: Mainz - Gustavsburg
Was war die warme Stube des Refuge auf dem Cayolle gemütlich!
Ruck zuck hatten wir uns der dicken Jacken entledigt und Platz genommen.
Es ist schon von Vorteil, wenn man die Speisekarte ins Deutsche übersetzt bekommt. Viel stand eh nicht drauf, schließlich gilt es
ja, alles den Pass hinauf schleppen zu müssen.
Wir vier Helden des Berges waren hungrig wie die Wölfe.
Und wurden nicht enttäuscht: Es war vorzüglich! Reichlich war es auch, was in Frankreich nicht selbstverständlich ist.
Ich nehme an, dass war der deutsche Einfluss unseres jungen Kölners.
Pappsatt, vom herrlichen Roten etwas schläfrig, mussten wir uns nun damit auseinander setzen wie es weiter geht.
Wir bekamen sofort ein Zimmer im Refuge angeboten und waren geneigt dieses auch zu nehmen.
Was sollten aber "unsere" Franzosen auf dem Campingplatz denken? Sie wussten ja, dass wir auf den Pelat wollten
und würden sich sicher Sorgen machen.
Also fassten wir den Beschluss den Cayolle hinunter, in das Tal der Ubaye zu fahren.
Die Gören plünnten sich noch an, als Martina sich mir zuwand und flüssterte:" Die Pupa ist völlig platt,
die schläft mir bestimmt wieder ein."
Sie machte sich eben Sorgen um ihre Brut, so wie dass eben jedes Weibchen tut.
Ich gebe zu, auch ich machte mir Sorgen, eben so wie dass jedes Männchen tut.
Wir bestiegen unsere Kräder, die Besatzung des Refuge winkte uns nach, als ob wir zu einer Reise ohne Wiederkehr
starten würden und dass obwohl wir Morgen wieder kommen würden, da wir noch die Zeche bezahlen müssen.
Seltsam....
Die Scheinwerfer tasteten sich die Straße hinunter, zum Glück schien der Mond hell, und erfassten die ersten Kehren.
Als ob es nichts sei, glitt die KLE mit Martina am Lenker harmonisch durch alle Kurven. Was für eine Fahrerin!
Ich durfte mich also getrost entspannen, da ich doch jeden zweiten Blick nach hinten starrte und permanent in
die Rückspiegel schaute, immer hoffend den Scheinwerfer der KLE darin zu erspähen.
Er erschien immer darin. Die einzige Sorge die blieb, war die, dass die Pupa wieder in das Reich der Träume hinüber
glitt. Unmittelbar nach einer Spitzkehre vor dem Gorges du Bachelard drehten ich mich wieder einmal um, um zu sehen dass Martina
diese Kurve mit unglaublicher Lässigkeit durchfuhr und um zu hören, dass sie lauthals sang.
Martina und die piccola Pupa sangen die ganze Strecke, was die Stimmbänder hergaben.
Von "Wir lagen vor Madagaskar" bis "Dat du min Levsten büst."
Barcelonnette. Die D900. Gesang überall. Endlich bogen wir zu unserem Campingplatz ab, wir waren wohlbehalten zurück.
Noch den steilen Feldweg zu unserer Parzelle, an unseren französischen Freunden vorbei.
Hell und bunt erleuchtet waren ihre Zelte mit dem großen Tisch davor, an dem alle saßen.
Sie starrten auf die beiden Motorräder, die die Stille unterbrachen und ich hatte nichts anderes zu tun, die
linke Hand zu ballen, sie empor zu recken und laut "Mont Pelat!" zu rufen.
Da brachen sie in lautes Gelächter aus und klatschten. Was für ein Empfang!
Sie, verehrter Leser können sich sicher vorstellen, dass wir noch viel zu erzählen hatten....

Den nächsten Tag vergammelten wir, galt es doch die Strapazen zu verkraften.
Martina hatte einen Anlass ihren geliebten Cayolle hinauf zu brausen, die Franc zum Refuge transportierend.
Kaum zurück wurde sie, wieder in unserem Kreis, Augenzeuge eines Wasserhandballduells der Extraklasse.
Unsere Große, Nele, war Mitglied eines deutsch/französischen Teams. Deutsch wurde das Team wegen ihr.
Gegner waren eine Reihe holländischer Jungs, alles drahtige Kerle. Wie auch vom Fußball bekannt, zogen diese ein wunderbares
Kombinationsspiel auf und führten unter dem Jubel ihrer Eltern bald, zugegebener Maßen, hoch verdient.
Ratlosigkeit machte sich bei den Kameraden Nele’s breit, auch sie schaute fragend zu uns hin.
"Geh' ran, Große! Lass' dich nicht unterkriegen! Ihr könnt das!"
Zugegeben, mein Zuruf war nicht sehr ritterlich, aber er zeigte Wirkung. Auch die Eltern der kleinen nassen Franzosen
begannen ihre Kinder anzufeuern. Die Gören berappelten sich, so dass nach einem umkämpfen Match als Ergebnis
ein glückliches Unentschieden stand.
Der Abend brach an. Wir, unsere Franzosen und wir, sowie die Eltern der holländischen Wasserhandballer, saßen
zusammen auf der Terrasse des Restaurants. Lampignons spendeten ihr Licht, die Tische voller Getränke - der
übliche Budenzauber am Abend also, Ihr versteht?
Eine Tombola war angesagt, der französische Ententrainer plapperte unentwegt, was mich persönlich nicht störte,
da ich kein Wort verstand. Endlich kam die Auslosung. Der erste Preis war eine Raftingtour auf der Ubaye.
Spannung kam auf, als eine junge Angestellte in die Lostrommel griff.
Der Ententrainer hatte seine Schwierigkeiten den Namen der Siegerin auszurufen: Jelena Laura !
Die piccola Pupa strahlte über das ganze Gesicht.

Und Morgen lesen sie:
Rafting auf der Ubaye. Die Pupa in wilden Fluten.
Auf zur Pässetour! Der La Bonette ruft!

Michael ;)

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"Schöner ist es anderswo, hier ist man ja sowieso." -Wilhelm Busch-


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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 28. Mai 2011, 21:31 
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Registriert: Dienstag 24. Mai 2011, 09:50
Beiträge: 163
Wohnort: Mainz - Gustavsburg
So stand nun also fest, dass die Gewinnerin der Raftingtour auf der Ubaye ein siebenjähriges Mädchen war:
Unsere piccola Pupa.
Etwas ratlos waren die Organisatoren dieses doch nicht ganz ungefährlichen Events, als sie Jelena in Augenschein nahmen.
Rafting mit Kleinkindern ist eigentlich tabu.
Der Hauptpreis umfasste natürlich die ganze Familie der Gewinnerin. So hielten wir Kriegsrat mit den beiden jungen Leuten,
eine hübsche Dame und einem sportlichen Herrn, die die Tour mit uns machen sollten. Die Sprache der wir uns bedienten,
war eine Mischung aus Englisch und Französisch, unterstützt mit Händen und Füßen.
Die piccola Pupa überzeugte die Beiden, dass es überhaupt kein Risiko darstellte, sie mit in das Schlauchboot zu nehmen.
An dieser Überzeugungskraft hat sie bis heute, da sie Politikwissenschaften und Philosophie studiert, nichts eingebüsst.
So wurde also beschlossen, dass wir uns am nächsten Morgen am Gerätehaus einzufinden hatten, zwecks Einkleidung.
In der folgenden Nacht schlief unsere Kleine vor lauter Aufregung kaum. Nele erklärte ihr so um 2 Uhr, dass sie nerven würde
und endlich die Klappe halten soll.
Der große Tag brach endlich an. Das Frühstück wurde in Rekordzeit eingenommen, sehr pünktlich erschienen wir am Gerätehaus.
Es bereitete unseren beiden Expeditionsleitern doch einige Mühe, einen passenden Neoprenanzug für die Kleine zu finden.
Der Gefundene warf eine Menge Falten. Aber sie war eingekleidet.
Dann kletterten wir in einen Bus und ab ging eine verwegene Fahrt zu der Stelle an der die Boote lagen.
Unsere Bärenführer führten noch einige Trockenübungen mit uns durch, auf welchen Befehl wir zu paddeln hätten, auf welchen
Befehl wir ganz doll zu paddeln hätten, wann wir die Knochen samt Paddel innenbords zu parken hätten, wann die Kinder in die
Mitte des Bootes zu hüpfen hatten.
Ein halbwegs intelligenter Mensch sieht was er zu tun hat, geht er davon aus, dass man eine solch mörderische Fahrt in der
Regel überlebt. Motorradfahren ist langweilig dagegen.
Die Ubaye sieht von der Straße wesentlich harmloser aus, als sie ist.
Kaum waren wir gestartet, prasselten auch schon die Kommandos auf uns nieder! Und DAS war der Hauptpreis?
Paddeln, schneller paddeln - Verdammt, ich hab' mir fast den Daumen gebrochen.
Hoch die Paddel, rein ins Boot, schnell raus, wieder paddeln. In Sekunden waren wir nass von der Gischt!
Es ist erstaunlich wie schnell man lernen kann. Läuft doch gut. Rein, Kinder ins Boot!
Mann, war das knapp! Paddeln, schneller! Warum hat den keiner die Felsen aus dem Flussbett geschafft?
Endlich wird die Ubaye etwas zahmer, er folgt das Kinderprogramm. Auf einen Felsen klettern und in das reißende Wasser
springen. Wir machen es alle. Die Kinder quietschen! Ich will ja nicht lästern, aber die Ubaye ist mir lieber als der Thunfischsee.
Wieder ins Boot. Viel zu schnell endet die rasende Fahrt, gefühlte zehn Minuten, real waren wir fast eine Stunde unterwegs.
Wieder am Ufer, der Kamikaze-Bus wartet schon, klatschen wir uns ab! In Zukunft dürfen auch Kinder auf der Ubaye
Rafting machen....
So verwegen war die Rückfahrt mit dem Buss nun auch wieder nicht. Alles relativ.

Am nächsten Tag erklärten Nele und Jelena uns sanft durch die Blume, dass sie auf dem Campingplatz bleiben möchten.
Nebenan standen die Gören unserer Franzosen uns schauten zu uns. Aha, die Kleinen haben ein Programm.
Erlaubnis erteilt.
Ich erklärte meiner Süßen, dass dies unsere große Chance sei, die ultimative Pässerundfahrt zu starten.

Kurz danach verließen wir den Campingplatz in Richtung.... na, kommen sie drauf?
Ja! Richtig! Barcelonnette. War Ihnen klar, nicht wahr?
Durch den Ort, nach Jausiers, zur altbekannten Tanke. Rechts ab, an der Villa vorbei. Nichts verändert sich da....
1985,87,96,2002. Da steht die Zeit und immer kommen die Erinnerungen, fährt man diese magischen Wege.
Selbst im Straßenatlas von Michelin, immer noch Seite 155, steht nicht der Name des kleinen Baches den wir entlang fahren
und der sich abenteuerlich tief sein Bett gegraben hat. Lang ist diese Passstraße, ich schrieb es schon - und unbeschreiblich
schön. Ich liebe den Col de la Bonette! Er ist für mich auf jeder Fahrt in die französischen Alpen der absolute Höhepunkt.
Spitzkehren vom Feinsten, abgelöst von langgezogenen Kurven durch eine sich immer wieder verändernde grandiose Landschaft:
Die "Geröllalpen" in ihrer schönsten Form! Kurz vor dem Restefond dieser kleine See.... da hab ich mich 2002 fast auf die Nase
gelegt, viel zu schnell... es läuft gerade wieder der Film vor meinem magischen Auge.... die alte Kaserne mit den Stallungen....
da, endlich, der höchste Pass der Alpen! Der KLE geht ab 5000 Rpm ganz schön die Luft aus. Vor dem Gedenkstein stellen wir unsere
Kräder ab. Rauf auf den Hügel mit dem Panoramatisch. Was geht hier immer ein Wind! Da, im Westen, da muss der Cayolle sein,
siehst du die Berge? Davor muss die Paßstraße sein. Völlig irritierend ist der Blick nach Osten, nach Italien.
"Bin ich hier noch in Europa?" So fragte ich Walter 1985. "Eher in den Anden!" war die Antwort. "Stimmt!"
Runter, auf die Mühlen.
Martina und ich fahren weiter. Die Abfahrt führt nach St.Sauveur, über dreißig Kilometer, immer an der Tinee entlang.
Wer will, kann hier über den Col de la Lombarde ins Italienische......
Wir biegen rechts ab, Richtung Beuil. Hier hat man wieder einmal die Qual der Wahl: Weiter nach Westen oder den
Georges Supres du Cians. Hier muss ich passen, den bin ich auch noch nie gefahren!
In Valberg biegen wir zu einem genialen kleinen Parallelpaß ab. Eine Kurvenorgie ohne Gleichen.
Bei Guillaumes stoßen wir wieder auf die Straße - zum? - na, was ist? CAYOLLE! Richtig!
Links geht es zum Georges de Daluis. Weißes Flussbett, blaues Wasser, rote Felsen, enge Schlucht: So schwingt man Kurve
auf Kurve - ein fahrerischer Hochgenuss!
Kurz die N202, rechts Annot. Wir fahren den Allos hinauf! Colmars, das Mittelalter, der Col des Champs - wir fahren weiter.
Allos, der Col d' Allos, runter die famose Caussee deformee in das Tal der Ubaye.
Die Kinder warten......


Und Morgen der elfte und letzte Teil unserer Saga:
Sintflut im Tal.
Abschied.
Die Kuh verreckt, es ist die Bobine allumage.
Heißer Sex in Amberieu.
Heimfahrt.

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