Mimoto's Reiseforum

Reiseberichte mit Routen, Foto und Film
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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:01 
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Hallo Miteinander!
"Reiseberichte mit Route Fotos und Film"
Oh, oh! Da liege ich in meiner Art doch ziemlich daneben. Entsprechen tue ich wohl nur in ersten Fall.
Im Jahre 2009 stellte ich den nun folgenden Reisebericht im Ducatiforum "Diva-di-Bologna" mit der Intension ein, die Frage
nach "Motorradurlaub mit Kindern" zu beantworten.
In "DdB" stieß ich auf Fahrer, die noch nie in den Alpen waren, geschweige denn in den französischen Alpen. Das schreibe ich jetzt
um bei den erfahrenen Tourenfahrern nicht gleich als Oberlehrer abgetan zu werden, denn ich gehe doch sehr detailliert auf die Route ein.
Für die Meisten von Euch ist diese Tour nicht's neues, ich hoffe trotzdem aber doch sehr, das der Bericht gefällt.

Er ist noch rein schriftlich. Bilder gibt es auf Dia und Negativen. Alles noch unbearbeitet.
Sollte Eure Resonanz eine Positive sein, lasse ich mir noch was einfallen.
"Schriftlich" erzeugt bei manchem Zeitgenossen einen Abwehrreflex. Wer liest denn heute noch?
Deswegen mein Eingangsstatement. Denn "mit Fotos und Film" habe ich es noch nicht so.....

In dem Bericht beginne ich mit dem Vorstellen der Protagonisten. Diese sind "meine" Familie.
Meine Martina, mit der ich das Vergnügen habe nun seit 33 Jahren zusammen sein zu dürfen, hat, wie man so sagt, mir zwei Töchter
geschenkt. Nele Lisa (Bj.85) und Jelena Laura (Bj.88).
Nele, meine Große, befindet sich zur Zeit im Kreissaal um von einem Jungen entbunden zu werden. Sie macht mich also heute zum Opa.
Warum ich Euch das "sage"? Denkt bitte daran wenn Ihr über sie im folgenden Reisebericht lest.
Es ist kaum zu glauben.....

Michael

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"Schöner ist es anderswo, hier ist man ja sowieso." -Wilhelm Busch-


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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:18 
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Ja, Gemeinde, lange ist es her.

Da war eine junge Familie die im Jahr 1996 gemeinsam eine Reise in die französischen Alpen unternahmen.
Die Protagonisten damals waren meine Wenigkeit mit seiner geliebten Gummikuh, der seine "große" Tochter, gerade 11 Jahre alt, als Sozia
achtern aufsitzen hatte; sein liebes Weib Martina auf ihrer neuen KLE mit der kleinen Jelena, 7 Jahre alt.
Natürlich war das nicht alles was auf den Krädern Platz finden musste: Viermannzelt, vier Schlafsäcke, Matten, Schuhe, Kleidung,
Badezeug, Kocher, Töpfe, Besteck, Kameraausrüstung, Gaslampe und und und.

Ich frage mich heute allen Erstes wie wir das alles verstaut haben. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass die Maschinen ordentlich
bepackt waren. Gewogen haben wir nicht. Ich nehme an, wir hatten das zulässige Gesamtgewicht nicht überschritten.
Meine Süße, die sich später als erstklassige Motorradfahrerin erwies, hatte mächtig Bammel - schließlich hatte sie selbst noch nie
einen Alpenpass gefahren. Und dann mit Kind, Koffern, Tankrucksack und Gepäckrolle.
Nun gut, ich hatte mein Navi mit einer Anfahrtsroute gefüttert, die die Anfahrt zu La Bonette & Co zur Übungsstrecke werden ließ.
Das Tom Tom Michael, schriftlich abzulesen auf dem Tankrucksack, fußte auf den besten Karten die es gab. Den Michelin Karten.

Früh am Morgen fuhren wir damals los. Die Scheinwerfer tasteten sich von der Garage zur Straße. Es kam mir schon ein wenig
unwirklich vor, schließlich hockten voller Vertrauen unsere Kinder hinter uns auf den Maschinen, das Wertvollste das wir hatten.
Die Verantwortung drückte meine Stimmung. Also: Volle Konzentration! Kein Risiko!
Tagesziel war der Thuner See in der Schweiz. Einrollen war Trumpf. Erst Autobahn bis Basel, dann Landstraße bis zum See.
Dann kamen die Berge und damit unweigerlich die Bewährung.
Aber jetzt erst einmal hin kommen. Die Autobahn war, wie Ihr Euch denken könnt, kein Problem. Aber die Schweizer.
Diese hatten den Grenzübergang so gestaltet, dass man die Autobahn nicht verlassen konnte, im Selbstverständnis dass
Jedermann eine Vignette hat. Hatten wir nicht. Die Schweiz war für uns nur Transit.
So dirigierte uns ein verdutzter Zöllner kurzentschlossen durch große Betonklötze, die die Zollstation verzierten.
Promt blieb mein Weib mit einem Koffer an solch einem Exemplar hängen. „Umfaller“, Wäsche ergoss sich auf die Straße,
der Koffer war aus dem Träger gerissen. Reise zu Ende?
Nö, das Hepco-Teil war intakt, die "Besatzung" weiterhin frohen Mutes, der Zöllner schuldbewusst zerknirscht, was nicht
störte. So stürzten wir uns in den Verkehr der Stadt Basel.
Da erwiesen sich die Schweizer als gehässig. Wer keine Vignette löst, muss leiden. Nur mit hat man freie Fahrt.
So quälten wir uns gen Süden. Als besonders gemein erwies sich Bern. Schwamm drüber.
Endlich am See. "Thunfischsee" plärrten die Gören und endlich winkte uns das Glück: Ein gestrenger Hüter des Platzes
lies uns auf einen Campingplatz direkt am See. Unsere Fröhlichkeit stand im Gegensatz zur ordentlichen Beschaulichkeit auf
dem Platz. Wie sollten wir nach dieser Fahrt nicht baden? Ungläubiges Staunen als wir uns in die Fluten stürzen wollten.
Wollten? Ja! Der See war dermaßen flach, dass wir gut 200 Meter durch knietiefes Wasser waten mussten, um endlich
schwimmen zu können. So konnte das Gequitsche der Kinder die Campinggäste nicht verärgern.
Jetzt kam ich endlich zu Ruhe. Die Sonne sank und hüllte die Berner Eisriesen in ihr goldenes Licht.
Wir sind in den Bergen......

Morgen berichte ich weiter, Michael

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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:34 
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Michael 55 hat geschrieben:
Die Protagonisten damals waren meine Wenigkeit mit seiner geliebten Gummikuh, der seine "große" Tochter, gerade 11 Jahre alt, als Sozia
achtern aufsitzen hatte; sein liebes Weib Martina auf ihrer neuen KLE mit der kleinen Jelena, 7 Jahre alt.
Natürlich war das nicht alles was auf den Krädern Platz finden musste: Viermannzelt, vier Schlafsäcke, Matten, Schuhe, Kleidung,
Badezeug, Kocher, Töpfe, Besteck, Kameraausrüstung, Gaslampe und und und.



Hallo Michael

Allerhöchsten Respekt!!!!!! :shock:

Sowas "Verwegenes" muss man sich erst mal trauen. Hut ab.

Tolle Geschichte - ich freu mich schon auf die Fortsetzung!!! :D

Grüassle us'm Ländle


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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:35 
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morgen? ... aber auch nur aufgrund der besonderen ereignisse. sonst würden wir noch ein bisschen nerven. :lol:

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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:37 
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Na gut. Sitze sowieso dumm rum und warte....

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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:41 
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Zweiter Akt:
Endlich war Ruhe im Zelt, die Plagegeister eingeschlafen. Ich würde mich schon daran gewöhnen, dafür war dieses „Bett“ auch nicht
zu kurz. Verdammt hart... Scheiße, der Reißverschluss klemmt. Schon wieder beim Umdrehen wach geworden....
Ich hätte ein Kissen mitnehmen sollen. Verdammt ist das warm! Daunenschlafsack bei 20 Grad, hätte ich doch das dünnere
Teil mitgenommen.... Der Reißverschluss klemmt. Martina kann auch nicht schlafen....
Ich schlafe jetzt! Ich bin soo müde!
Eingeschlafen. Endlich. Beim letzten Blick auf die Uhr war es drei.
Huch, was ist das?
Ein Sturm? Mist! Es schüttet. Liegt da noch ein Helm draußen? Verdammt, meine Hose! Und die Stiefel?

Der geneigte Leser hat soeben das Vergnügen gehabt, mit uns die Freuden des urbanen Abenteuers "Camping" zu genießen.
Ich bin ein Fan davon! Jawohl!

Am Morgen ließ der Sturm nach. Ab und zu Sprühregen, dass war’s.
Heute gibt’s die ersten Pässe. Martina ist etwas jibbelig.
So verlassen wir den Thunfischsee und drehen ihm bei Wimmis den Rücken. Mit der Blechkolonne ins Nieder Simmental.
Das Wetter bessert sich, als wollte es die alte Weise: "Wenn Engel reisen, lacht der Himmel!" bestätigen.
Meine Große drückt mich mit ihren Ärmchen, wenn sie etwas Schönes endeckt hat. Ein Falke. Pferde auf der Koppel. Schnee deckte Berggipfel.
Oder, oder, oder... Dann deutet sie, um mir das Objekt ihres Entzückens zu zeigen.
Bei Saanen links ab nach Gstaad. Endlich wir hinter dem Ort die Piste dosenfrei.
Zum Col du Pillon! Ein Pässchen im Verhältnis was da noch kommt. Martinas Übungsgelände.
Sie schwingt die Fuhre mit klein Jelena hinten drauf so rund und harmonisch durch die Kurven, als hätte sie nie etwas
anderes getan. Mann, bin ich froh! Links zum Col de la Croix. Der ist kurz aber etwas heftiger. Kein Problem.
Im Rhonetal angekommen, schießt sie auf, öffnet das Visier und ruft:"Ist das herrlich!"
Es war herrlich!
Schade, es pieselt wieder. Ist die Piste langweilig. Nach Martigny. Wir fahren in die Altstadt. Obst gekauft.
Imbiss. Ich bin mit den Gedanken schon weiter, schließlich wollen wir noch über den Gr. St. Bernhard ins Aostatal, also
ins Italienische. Dann Richtung Mont Blanc. Bei La Salle ist der nächste Campingplatz. Ihr wisst ja, dass ich Camping liebe.
Also schwangen wir uns wieder in die Sättel. Den Arm nach links, die Hand meiner wunderbaren Sozia gegriffen, sie setzt
den linken Fuß auf die Raste und schwingt sich auf ihren Platz. Gar nicht so leicht zwischen Fahrer und zwei Gepäckrollen
zu kommen.
Zur Paßstraße und tanken nicht vergessen, schließlich ist Sprit in der Eidgenossenschaft billiger als in Italia.
Endlich in Fahrt...
Graupelschauer. Dieser Paß will mich schon wieder ärgern. Wie 1985, da bin ich oben eingeschneit. Arschkalt war es da am
1. August. In Aosta waren dann mollige 30 Grad. Das gab eine saftige Erkältung.
Die Anfahrt ist lang und nicht sehr anspruchsvoll. Val d' Entremont. Es schüttet. Musste das sein?
Auf einmal sehe ich den Scheinwerfer der KLE nicht mehr. Anhalten, warten. Sie kommen nicht!
Da ist was passiert! Kehrt. Mit bangen Herzen zurück.
Drei Kilometer mit fliehenden Gedanken, schwer wie Mühlsteine.
Endlich. Da steht die Kawa. Beide sitzen drauf. Jelchen heult. Martina erklärt aufgeregt:
"Die ist mir eingepennt! Ich kneife sie, aber immer wieder sackt sie mir weg! So geht das nicht."
Schon gut, schon gut! - denke ich mir.
Ich überlege. Sind wir nicht an einem Hotel vorbei? Dem Letzten vor dem Paß?
"Wir fahren da hin! So kommen wir nicht nach Aosta."
"Wo fahren wir hin?"
"In ein Hotel, die Reise ist für heute vorbei."
"Das wird teuer!"
"Egal!"
Und so mobilisierte klein Jelena ihre letzten Reserven und wir fuhren noch einmal einige Kilometer Richtung Paß.
Da war sie dann, unsere Bleibe. Zwei junge Burschen halfen uns ohne Umschweife die Kräder unter zu bringen, sie schleppten
ungefragt das Gepäck ins Hotel. "Was ist denn hier los?" Ganz anders als auf dem Campingplatz am Thunfischsee....

Beim Ausziehen bildeten sich große Pfützen, so waren wir abgesoffen. Die Kinder froren erbärmlich.
Ab unter die heiße Dusche. Schon nach wenigen Minuten waren die Gören aufgetaut.
Ihr Gequitsche erfüllt das zur Waschküche gewordene Bad. Hier meckerte niemand.
Dieses Hotel erwies sich als Volltreffer.
Nette Leute, warmherziger Service, immer um unser Wohl bemüht. Der Speisesaal hatte ein riesiges Panoramafenster
aus dem wir den Sonnenuntergang beobachten konnten. Es war aufgeklart und die Berge mit ihren Schneekuppen schienen
golden. Aber das kennt Ihr ja schon......
Bleibt mir nur zu bemerken, dass wir alle hervorragend geschlafen haben.
Aber ich betone noch einmal: Ich liebe Camping!

Euer Michael

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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 17:56 
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Registriert: Montag 14. März 2011, 20:10
Beiträge: 56
Wohnort: Rankweil - Vorarlberg
Tolle Geschichte. :D
Sehr lebendig geschrieben.
Wer braucht denn da noch Foto's?


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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 18:02 
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Registriert: Sonntag 20. Juni 2010, 18:53
Beiträge: 6078
Wohnort: Laudenbach/Grossherzogtum Baden
Das sehe ich genauso...
Ich fahre geistig mit und stelle mir den Weg vor

Einfach herrlich geschrieben

.... ich warte auf die Fortsetzung !!!

Grüssle
Jojo

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