Mimoto's Reiseforum

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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Juni 2017, 21:46 
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@Cornell: Ich kann wirklich nichts Negatives berichten - was ist denn bei Dir passiert?

02.06.2017 - Tag 6, 331 km

Ganz im äußersten Osten von Polen entlang der Grenze zur Ukraine und Weißrußland führte mich meine Route über Grabarka nach Bialowieza. Die ersten ~ 50 km hinter Zamoscz waren toll - leicht hügelig und kurvig. Danach aber, oweia. Gerne mal 30 km am Stück schnurgeradeaus, dann ein Schild "Achtung Kurve", weil es einen 5-Grad-Knick gab und wieder 30-40 km geradeaus.

Grabarka, der "Berg der Kreuze" ist die wichtigste orthodoxe Pilgerstätte Polens:

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In Bialowieza liegt der letzte Flachland-Urwald Europas. Einzigartige Planzen und auch Wisente finden sich dort. Es gibt auch eine sog. Kernzone, in die man nur mit Führer kommt. So einen Führer hatte ich versucht, vorab über´s Internet zu buchen. Entweder keine Tour möglich oder keine Antwort. Also hinfahren und schauen was geht. Der Ort liegt unmittelbar an der Grenze zu Weißrußland und trotz zahlreicher Unterkünfte war dort irgendwie nix los. Auch meine gebuchte Unterkunft Pensionat Unikat war auf deutlich mehr Gäste ausgelegt. Verständigung auf Englisch war möglich, aber insgesamt fand ich den Laden zwar ok, aber unpersönlich. Das Restaurant im kühlen Keller passte mir hingegen garnicht, ich hätte lieber draussen gesessen.

Ok, also am nächsten Morgen zur Tourist-Info und gefragt, wie ich denn jetzt in den Wald komme. Tja - große Überraschung: Das Schutzgebiet beginnt unmittelbar bei Bialowieza und ohne Führer geht man hier keinen Meter. Es gibt zwar "freie" Wege im Staatswald, aber das sind zum einen keine Rundwege und zum zweiten sind die von hier nicht fußläufig erreichbar.

Öhmmm :Oh: Diese Info hatte ich keiner der von mir vorab besuchten Seiten über Bialowieza entnehmen können. Was denn nun bitte? Nix geht? Schnell war mir klar, dass ich die bereits bezahlte zweite Übernachtung hier in den Wind schieße und mich weiter Richtung Masuren bewege. Sollte ich noch den Zoo mit den Wisenten mitnehmen? Das kostet aber wieder ne Stunde und es war mittlerweile schon fast 10 Uhr. Ok, also tschüss Urwald und tschüss Wisente.

Zurück zur Pension, Bescheid gesagt und eine günstige Unterkunft in Augustow über booking.com gebucht. Da ich jetzt einen Fahrtag mehr hatte, habe ich auch die Route auf dem Tablet umgeplant und bin auf Nebenstrecken ausgewichen. Das geht mit Osmand auf dem Tablet wirklich fix und man hat ne deutlich bessere Übersicht wie auf nem normalen Navi.

So kam es dann zu Tag 7, dem 03.06.2017 mit 241 km. Der Geradeausanteil war wieder bei >90%.

Die Unterkunft in Augustow, das Stary Dom B&B, war ein altes Holzhaus mit offener Tür an einer lauten Strasse, das einen von innen aber mit top isolierten Fenstern und gut gesicherten Türen erwartete. Gutes Frühstück zur Wunschuhrzeit aufs Zimmer, die Tochter des Hauses spricht englisch, Mopped im Garten, was will man mehr für eine Nacht?

Augustow selbst hat nicht viel zu bieten, ich habe noch einen ausgedehnten Spaziergang um den Kanal gemacht, ein nettes Speiselokal am Wasser gefunden und mich dann auf das Wesentliche konzentriert:

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Relaxen und Sonne genießen am Wasser ist allemal besser wie das Kellerlokal in Bialowieza! Die Gram war eh längst vergessen, genieße den Augenblick :L

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Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Juni 2017, 22:21 
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04.06.2017 - Tag 8, Pfingstsonntag, 197 km

Auch hier stand mir jetzt mehr Zeit zur Verfügung, also zwei vorab mit Fragezeichen gespeicherte Ziele in den Weg zur nächsten Unterkunft aufgenommen und die Route umgeplant. Ich sagte schon, dass das auf dem Tablet eine wahre Freude ist ;)

Also erstmal weiter Richtung Nordost nach Suwalki. Dort in der Nähe gibt es eine kleine Holzkirche in Wodzilki. Von der wie immer schnurgeraden Hauptstrasse abgebogen finde ich mich unvermittelt auf einem Feldweg wieder. Keine 5 km von Suwalki mit seinen großen Gewerbegebieten entfernt beginnt hier eine andere Welt.
Ich stoppe die Transalp mitten im Dorf an der einzigen Kreuzung, da ich vor der Kirche links weiterwill. Vor der Kirche stehen ein paar Leute, ein älterer Mann kommt auf mich zu. Ich ziehe den Helm aus, Sturmhaube runter, lächle und erhalte einen festen Händedruck und einen offenen Blick. Deutsche Worte eingestreut in Polnisch bekomme ich zu hören, ich muß erstmal genau hinhören. Dortmund erkenne ich - ahh: Sie waren im Ruhrgebiet? Essen, Dortmund? Nickend wird meine Vermutung bestätigt. Der Mann hat ein waches Auge, meine Ausrüstung wird gemustert, er entdeckt die Garmin Virb an der Lampenmaske. Kamera? Tak! Natürlich sieht er auch das Tablet und ich zeige ihm meine weitere Route. Für den nächsten Stop in Stańczyki ernte ich einen erhobenen Daumen. Dafür darf er mich dann auch fotografieren:

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Ich bedanke mich und wir verabschieden uns wieder mit festem Händedruck.

Nach weiteren 2 km über einen Feldweg geht es wieder über Teer weiter nach Stańczyki, dem Doppelviadukt.
Nix los dort, aber ein riesiger kostenpflichtiger Parkplatz. Ganz oben, wo man auf die Viadukte laufen kann, zwei Durchfahrt-Verboten-Schilder. Klar, was ich gemacht habe: Hochgefahren und die Transalp an der Sperre vor dem Kassenhäuschen abgestellt. Platz für Autos ist da definitiv nicht, insofern macht das da schon Sinn. Ergo hat auch keiner was gesagt.

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Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Juni 2017, 07:35 
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HI Tom,

sehr interessanter Reisebericht. Polen kenn ich nur aus den Nachrichten und dem Erdkundeunterricht und dem ein oder andern Tripp von Wolf, Klaus und ich glaube bei Routenbeschreibungen um die Ostsee ist Polen ebenfalls vorgekommen (Elch jagt).

Deine Art mit dem Motorrad zu reisen ist gänzlich anders wie meine, ich Reise mit dem Motorrad dem Fahren erleben um dabei Landschaften aufzusaugen die an mir vorbeiziehen, dabei meide ich Städte bewege mich überwiegende im freien Gelände. Du machst das um Ländern, Menschen, Architektur und Geschichte aufzusaugen. Warum ich das schreibe, fällt mir halt auf und ich denke häufig "wie würdest Du das machen", jetzt erwähne ich es halt mal.

Ausschwitz ... es ist nicht in den Kopf zu bekommen wie einzelne Verbrecher
fasst ein ganzes Volk dazu bekommen solche Taten zu billigen, zu dulden und
nicht wenige dabei mitmachen als wäre es das normalste der Welt. Was mich dabei
besonders beschäftigt, ich habe keine eindeutige Antwort darauf auf die Frage wie
hätte ich mich damals verhalten.

Finde ich klasse das Du diese unsere Geschichte einbringst.

--- Schnitt

Richtig geil finde ich diese Salzstöcke, hab da mal eine Fotodokumentation in einer GEO gelesen,
sensationel. Für mich ein Ort der es mit Petra in Jordanien aufnehmen kann. Vielleicht schaue ich
mir das tatsächlich auch mal an. :L

Polen... liegt nicht so in meiner üblichen Reiserichtung, beim letzen Treffen war ich nun ja auch schon
in Tschechien, also wer weiss vielleicht auch mal Polen. :D

Grüße DD

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Michael /mimoto

Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)

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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:18 
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Polen dürfte wirklich eine Reise wert sein! Sehr schöne, lustmachende, Fotos!

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400.000 unfallfreie Zweiradkilometer lügen nicht....
Ich mag oldschool Mopeds, bei denen der Fahrer noch zählt und nicht die elektronischen Helferlein....


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:47 
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Danke Euch für Euer Feedback!

Mimoto hat geschrieben:
Deine Art mit dem Motorrad zu reisen ist gänzlich anders wie meine, ich Reise mit dem Motorrad dem Fahren erleben um dabei Landschaften aufzusaugen die an mir vorbeiziehen, dabei meide ich Städte bewege mich überwiegende im freien Gelände. Du machst das um Ländern, Menschen, Architektur und Geschichte aufzusaugen. Warum ich das schreibe, fällt mir halt auf und ich denke häufig "wie würdest Du das machen", jetzt erwähne ich es halt mal.


Landschaften aufsaugen gehört auch für mich dazu, aber wie Du richtig bemerkt hast, ist da noch mehr. Das war eigentlich schon bei meiner ersten Reise 2014 in Tschechien nach 10 Jahren offroad only so. "Nur rumballern", was jetzt in keinster Weise Negativ gemeint ist, ist mir zuwenig. Dafür habe ich halt keinen Draht zum Filmen wie Du. Klar, wenn ich da Deine Ergebnisse sehe, werde ich schon etwas neidisch, aber ich hätte immer das Gefühl, ich würde in der Zeit wo der Copter steigt, etwas anderes verpassen. Hört sich komisch an, aber mir kommt das gerade so während ich diese Zeilen schreibe.

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Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:48 
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Polen kenne ich bisher nur von Ausflügen über die Grenze. Da war aber bislang nicht so viel Sehenswertes dabei. Dein Bericht zeigt aber Schönheiten im Landesinneren, die Lust machen das auch persönlich zu erkunden. :L

Die Vernichtungslager; angesichts der Brutalität der industriell betriebenen Vernichtung ist man wirklich sprachlos.
Auch die große Anzahl der Lager. Zwangsläufig müsste das auch einem nicht unerheblichen Teil der damaligen Bevölkerung bekannt gewesen sein. Ob das einfach ausgeblendet, oder aus Angst vor dem Regime totgeschwiegen wurde?
Das Thema in meiner Familie angesprochen; meine Großeltern hätten während der Kriegsjahre und Vertreibung davon nichts gewusst, während meinem Vater schon im Alter von 10 Jahren der Name "Dachau" durchaus ein Begriff war.

Aber durchaus spannend finde ich die Überlegung von Micha; wie würden wir uns verhalten?

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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Juni 2017, 09:25 
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Ok, also erstmal weiter mit Tag 8, der war ja noch nicht zu Ende 8-) Mittlerweile ging es ja schon deutlich Richtung Masuren und die ersten Seen tauchten auf. An einem dieser Seen, mithin einem der größten, dem Spirding–See wartete meine Unterkunft für die nächsten 3 Nächte auf mich. Das war fester Wunsch in meiner Planung gewesen, hier direkt am Wasser unterzukommen. Via booking.com stieß ich auf das Panorama. Die Bewertungen waren derart gut, dass ich sofort zugeschlagen hatte, auch wenn das Preisniveau dort etwas höher ist.
Einen Plan hatte ich für die nächsten zwei Tage nicht gemacht, mal abwarten wozu ich Lust haben würde.

Im Panorama wurde ich von Uwe und Grazyna sehr herzlich aufgenommen, das war schon richtig familiär. Ich war an diesem Tag der einzige Gast und da ich es auf booking.com nicht gesehen hatte, dass man vorab Halbpension buchen kann, hatte das Personal und der Koch Feierabend. Kein Problem für Uwe: Wir wohnen ja hier, kommst zu uns auf die Terrasse und wir schmeißen den Grill an! In der Folge wurde ich dann leckerst abgefüttert und man lernte sich etwas kennen.
Was ich denn die nächsten beiden Tag vorhätte? Alles offen, meine Antwort. Also bekam ich von den beiden einen Stapel Reiseführer, Bücher und Landkarten. Ich riß noch die Wolfsschanze an, aber Uwe meinte, dass sich das nicht lohnt. Was willst Du Dir gesprengte Bunker anschauen, wenn es 20 km entfernt einen Haufen intakte gibt? Da horchte ich auf. Von Mamerki oder deutsch Mauerwald hatte ich noch nie etwas gehört.

Gegen 23 Uhr verabschiedete ich mich bei den beiden, bedankte mich für den netten und informativen Abend und machte noch ein bisschen Planung für den nächsten Tag.

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Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Juni 2017, 09:47 
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Hallo Tom, klasse dein Bericht bin noch gespannt was da kommt.... DD

Ich muß das Thema Ausschwitz auch noch einmal ansprechen, mir kam bei deinem Bericht auch
meine Reise " viewtopic.php?f=11&t=5823 " wieder in den Sinn.

Ich hatte genau die gleichen Gefühle als ich das Konzentrationslager Struthof besuchte, man kann es nicht in Worte fassen.

Auch stellte ich mir die Frage, was hätte ich damals gemacht. Schlussendlich bin ich zu dem Ergebnis bekommen,
dass es immer von einem selber abhängt. Da ich ein Mensch bin der ein hohes Maß an Zivilcourage hat und in Gefahrensituationen anderen Menschen hilft, ohne an sich selber zu denken, hätte ich damals vielleicht ähnlich reagiert. Das soll jetzt nicht heißen das ich ein Superheld bin, vielmehr sind es die kleinen Gaben die helfen und unterstützen können.

...möchte deinen Reisebericht jetzt auch nicht zu labbern oder eine Diskussion lostreten, lag mir aber auf dem Herzen.

By the way Tom, wir wollten ja noch ne kleine Runde zusammen fahren ..... ;)

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Klatsch und Tratsch, ist der soziale Klebstoff der Menschheit.


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