Mimoto's Reiseforum

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 Betreff des Beitrags: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 19. Juni 2017, 22:56 
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Moin,

dieses Jahr zum ersten Male nicht als "live"-Reisetagebuch, sondern als nachträglicher Reisebericht. Mal schauen, wie ich das hinkriege ;)

Vom 29. Mai bis zum 16. Juni blieben mir dieses Jahr 3 Wochen Zeit, Abstand zum Alltag zu finden. Die Wahl des Reisezieles fiel auf Polen aufgrund des ITT 2017, dem internationalen Transalptreffen. In dessen Folge plante ich eine Polen Rundreise.
Fakten? Fakten: Hier meine komplette Tour: http://decker4u.de/unterwegs/polen-2017/route/
3407,80 km + 250 km von Bayreuth nach Prag.

Im Gegensatz zu Rumänien letztes Jahr stand zwar die grobe Route, allerdings hatte ich die ersten beiden Wochen bis zum ITT alle Unterkünfte fest vorgebucht. Ich wollte diverse Ziele definitiv erreichen und besichtigen und hatte Touren vorab über getyourguide.de gebucht. Andererseits hatte ich für 3 Tage Masuren zwar die Unterkunft reserviert, dort aber nix geplant. Wer weiß, was passiert und ob ich dort lieber am See liege oder Mopped fahre?
Die letzte Woche ab dem ITT blieb komplett offen: Lerne ich Leute kennen, mit denen ich noch weiters etwas unternehmen möchte? Ist das alles Mist und ich will nur noch weg?

Aber von Anfang an: Am 28. Mai die Transalp in den Scudo gepackt, 450 km bis Bayreuth über Autobahn gefahren, ausgeladen und weitere 250 km nach Prag über erst winklige Nebenstrecken, dann aber zwangsläufig über die schnurgerade Einfallstrasse nach Prag zum Autoreisezug.
Eigene Gurte und eigene Verpflegung sind Pflicht, das kenne ich ja bereits. Dass ich dieses Jahr bereits in Proprad Tatra aussteige bedeutet aber, dass ich als letzter auf den Zug komme und als erster aussteige. In Poprad wird abgekoppelt und Endstation ist Kosice. Achja, Kostenpunkt 65 € für Schlafwagen und Mopped. Noch Fragen?

Erster Ausblick - hohe Tratra:

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Grüsse,
Tom


Zuletzt geändert von ThomasD am Dienstag 20. Juni 2017, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 20. Juni 2017, 05:37 
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ThomasD hat geschrieben:
Achja, Kostenpunkt 65 € für Schlafwagen und Mopped. Noch Fragen?

Ja: können wir das in Deutschland auch so günstig bekommen :Ir: !!! ;)

Schöner Beginn, jetzt bin ich auf weiteres gespannt!

_________________
Gruß

Chris


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 20. Juni 2017, 08:19 
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29.05.2017 - Tag 2

Nach einer etwas unruhigen Nacht im Zug erst mal Mopped abladen und in Ruhe bepacken. Ich habe Zeit, da mein Tagesziel Krakau nur 160 km entfernt liegt. Erst mal obige Aussicht auf die hohe Tatra genossen, über den Berg Richtung Zakopane und dann auf Nebenstrassen Richtung Krakau.
Landschaftlich sehr schön, verkehrstechnisch ab Zakopane hingegen doch eine Geduldsprobe. Auf den Hauptstrassen hängt man hinter LKWs, auf den Nebenstrassen geht es nicht voran da hier eine Ortschaft der anderen folgt. Ich bin bis Krakau im Prinzip mit Tempo 60 durchgezockelt.
In Krakau dann das erwartete Verkehrschaos. Also bis zu meiner Bleibe für die nächsten 3 Nächte durchgekämpft, dem B&B Astor. (Ich setze hier nach Möglichkeit die Direktlinks zu den Unterkünften rein, gebucht hatte ich über booking.com). Die Unterkunft kann ich empfehlen: Englisch kein Problem, gutes Frühstück zur Wunschuhrzeit aufs Zimmer, abgeschlossener Innenhof mit kostenlosem Parken und gute 15 Minuten zu Fuß zum historischen Marktplatz. Ein Zimmer nach hinten raus ist aber zu empfehlen, da die Strasse doch lebhaft befahren wird. Ein kleiner Supermarkt ist direkt gegenüber.

Den riesigen Marktplatz auf einem Foto abzubilden ist nicht möglich. Auch weil die Tuchhallen in der Mitte stehen. Hier ein paar Eindrücke:

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Irgendwann hatte ich mich sattgesehen, sattgegessen und die Füße plattgelaufen ;) Die Hitze und der fehlende Schlaf von letzter Nacht erleichterten dann den Rückzug zur Unterkunft. Noch ein kaltes Bier vom Supermarkt mitgenommen, Eindrücke sacken lassen, Fotos sichten - gute Nacht.

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Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 20. Juni 2017, 08:56 
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30.05.2017 - Tag 3

Nachdem gestern die in der Buchung via getyourguide.de versprochene email angekommen war, hatte ich heute bis 11 Uhr Zeit, mich auf den Tagesbesuch des Konzentrationslagers Auschwitz / Auschwitz Birkenau vorzubereiten. Der Fahrer kam pünktlich, es wurden noch ein paar mehr Gäste abgeholt und dann ging es im klimatisierten Kleinbus los. Das Ganze kostet genausoviel wie wenn man selbst bucht und anreist. So aber hat man jemanden, der fährt und sich auskennt. Da fällt die Wahl nicht schwer.

Ich merke aber gerade beim Schreiben, wie ich etwas um die richtigen Worte ringe. Ist es z.B. angemessen, sich bei dem Besuch eines solchen Ortes über touristische Randbedingungen auszulassen? Andererseits ist es eh ein schmaler Grat, ein Belanceakt, auf dem sich Auschwitz heute bewegt. Es ist eine Gedenkstätte, wird aber (zum Glück) von so vielen Menschen besucht, dass dort echter Massentourismus herrscht. Ohne einen Guide, den man am besten vorab bucht, kommt man dort nicht rein. Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch der Pendelbus zwischen Auschwitz und Birkenau.

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Von den grausigen Exponaten wie Räume voller Koffer, Kämme, Rasierpinseln und dem Obergeschoss voller Haare habe ich keine Bilder gemacht. Das konnte ich einfach nicht.

Umgehauen hat mich dann aber das benachbarte Vernichtungslager Birkenau. Und zwar ob seiner schieren Größe, den Dimensionen, die begreifbar machen welch vorsätzlich geplanter systematischer Massenmord hier stattgefunden hat.

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Wir hatten einen älteren deutschsprachigen Polen als Guide, der auch Zeitzeugen kannte und uns sehr ein- und nachdrücklich begleitete. Jeder aus unserer Gruppe hat sich nachher bei ihm bedankt.

Danach hat uns unser Fahrer wieder aufgenommen und uns zurück in die jeweiligen Unterkünfte nach Krakau gebracht. Kaum angekommen, kam ein Gewitter runter das sich gewaschen hatte. Mit Essen gehen war daher nix, also aus dem Supermarkt verpflegt und den heutigen Tag erst mal sacken lassen.

Ich bin der Meinung, dass man so einen Ort einmal in seinem Leben besuchen sollte.
Für die Unbelehrbaren wie z.B. die AFD und auch die Gefolgsleute von le Pen und Wilders sollte er verpflichtend sein...

_________________
Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 20. Juni 2017, 15:58 
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Wir waren auf unserer Polen-Tour 2012 auch in Auschwitz - ebenfalls als Tagestour ab Krakau.
Ich war froh, dass wir nach dem Besuch nicht gleich auf Motorräder steigen mussten...
Du gehst dort raus und deine Gedanken und Gefühle über das Gesehene fahren Achterbahn mit dir (so fühlten wir uns jedenfalls) :( :shock:

Danke jedenfalls für deine bisherige "Berichterstattung" - weiter so....

Gruss aus Zürich,
Fredy

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Geniesse das Leben - es ist immer zu kurz!

Gruss aus Opfikon bei Zürich
Aktuelles Motorrad: BMW R1200GS LC Modell 2016


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 20. Juni 2017, 20:48 
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Hallo Fredy,

ich kann gut nachvollziehen, was Du schreibst. Ich habe auch jetzt noch nen Kloß im Hals, wenn die Bilder sehe oder wie hier darüber schreibe.

Um eine Überleitung zu finden: Ich habe im Netz mal einen Bericht von einem Auschwitz-Besucher gelesen, der danach des Abends in geselliger Runde unterwegs gewesen ist.
Sein Fazit war: Darf man nach so einem Tag feiern? Ja, man darf. Aber man darf nicht vergessen.
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.


31.05.2017 - Tag 4

Die nächste vorgebuchte Tour steht erst für nachmittags 15 Uhr an, also vormittags gemütlich zum Wawel-Schloß flaniert,

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weitere nette Ecken in Krakau entdeckt, gut in einer Viertels-Kneipe zu Mittag gegessen, Wäsche gewaschen und dann abgeholt worden zur https://www.salzbergwerkwieliczka.de - Tour. Ist auch so ein Touristen-Klassiker ab Krakau :D

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Die Bilder sind von der Hauptattraktion der Mine, der Kapelle. Alles ins Salz geschnitzt, bzw. aus Salz gemacht - auch die Kronleuchter. Die Kapelle war echt beeindruckend, ansonsten war mir das alles schon zu sehr auf Touristen ausgelegt. Bergmannsfiguren, die sieben Zwerge gab es auch in geschnitzt, ein Restaurant unter Tage - eben das volle Programm.

Zurück in Krakau dann nochmal durch die Innenstadt geschlendert - fußfaul war ich ersten Tage wirklich nicht - und einen Vorrat für die morgige Mittagsvesper aus dem Tankrucksack eingekauft. BTW: Ich liebe polnische Würste!
Ich freute mich jetzt wirklich darauf, dass es aus der Stadt raus- und mit dem Motorrad weitergehen sollte.

Krakau hat mir wirklich sehr gut gefallen. Man merkt zwar die touristische Prägung wie z.B. in Prag (überall Englisch kein Problem) aber es hat halt auch gewachsene Strukturen wie z.B. permanente Wochenmärkte in den jeweiligen Vierteln, wo man frische Lebensmittel kaufen kann.

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Grüsse,
Tom


Zuletzt geändert von ThomasD am Dienstag 20. Juni 2017, 21:59, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 20. Juni 2017, 21:40 
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01.06.2017 - Tag 5, 339 km

Es ging über Zalipi (dem Dorf mit den bemalten Häusern) nach Zamosc.

Zum Glück hatten sich ob der vergangenen Gewitter die Temperaturen deutlich von der 30 Grad-Marke der ersten Tage entfernt und es sollte auch im weiteren Verlauf immer so im angenehmen Bereich von 18 -25 Grad bleiben.

Aber erst mal aus dem Verkehrschaos in Krakau raus, tanken und danach war ich relativ schnell alleine auf weiter Flur. Vor allem weiter und flacher Flur. Die Landschaft gestaltete sich aber durchaus abwechslungsreich: Entweder flach und ohne Bäume oder flach mit Bäumen. :Ir: Flach mit Bäumen hatte den Vorteil, dass sich sogar vereinzelt Kurven in die Wegführung schlichen ;)
Alles sehr ruhig und bäuerlich hier. Aber jedes noch so kleine Kaff hatte eine repräsentative Kirche zu bieten. Man merkt, dass die Polen ein gläubiges Volk sind. Im Gegensatz zu Tschechien fällt auf, dass auch auf dem Land die Kirchen äußerlich sehr gepflegt sind.

Zalipi - ja. Ein paar Häuser mit Blumen und Ornamenten drauf halt. Nett, aber für Begeisterungsstürme hat es bei mir nicht gereicht.

In Zamosc beim vorgebuchten Hostel Zamosc eingecheckt. Verständigung schwierig, aber mit Google Translate, meinem Übersetzungsprogramm und beiderseitigem Lächeln war das alles dann doch ganz einfach. Das Hostel bot auch Frühstück an, das habe ich natürlich dankend angenommen. Wie für ein Hostel üblich, gab es auch eine Gemeinschaftsküche. Unüblich - gut, ich schätze Hostels sonst eher als Basis für Low-Budget-Reisende ein - war die Qualität des Zimmers. Modern, gepflegt, gute Ausstattung. Parkplatz hinterm Haus - mein Mopped stand trotzdem vorne vor der Tür: Hier passiert nix.

Erstmal duschen, Klamotten waschen (ich reise halt mit Minimalgepäck, da kommt das öfters vor) und dann die 400 Meter zur Altstadt zurückgelegt. Wow!

Rathaus:
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Seitenstrasse:
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Ende des 16. Jahrhunderts bekam der venezianische Architekt Bernardo Morando vom damaligen Großkanzler Jan Zamoyski den Auftrag zum Bau von Zamość. Rücksicht auf alte Bausubstanz brauchte er nicht nehmen. Die Stadt sollte auf freiem Feld errichtet werden. So schuf Morando die "ideale Stadt", der er seinen (italienischen) Renaissance-Stil verlieh. Als Vorbild diente ihm die italienische Stadt Padua.
Quelle: https://www.polish-online.com/polen/staedte/zamosc.php

Bei weitem nicht so groß wie Krakau, aber auch hier ist sattsehen angesagt. Und natürlich sattessen in einem der zahlreichen Restaurants auf dem Marktplatz :L

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Grüsse,
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Polen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Juni 2017, 14:54 
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Registriert: Sonntag 23. August 2015, 18:50
Beiträge: 299
Tom,

Sehr schön bis hier her. Gefällt mir sehr Dein Reisebericht.
Ich war vor 2 Jahren auf eine 3 Tages Tour in PL. Freut mich das Du positivere Erinnerungen - Erfahrungen dort sammelst als ich. ;)

Freue mich aufs weiter lesen. DD

_________________
-Grüße Cornell-


https://www.flickr.com/gp/elbsachse/14kuWs


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