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 Betreff des Beitrags: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 1. September 2017, 17:28 
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35 Prozent Steigung: Neuseeland darf sich laut Guinness Buch rühmen, die steilste Straße der Welt zu haben. Die Baldwin Street in Dunedin ist so steil, dass der obere Teil betoniert wurde, damit bei großer Hitze der Asphalt nicht davonfließen kann. Die maximale Steigung der 200 Meter langen Strasse beträgt 1:2,86 (der Höhenunterschied pro Horizontalstrecke beträgt also 1 Meter Höhe auf 2,86 Meter Strecke).

Was hat der Deutschland dagegen zu bieten? Nicht etwa in den Alpen, sondern in einem kleinen Ort in Thüringen befindet sich die steilste Straße Deutschlands. Die 300 Meter lange „Oberweißbacher Straße“ in Deesbach (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) hat eine Steigung von 25,3 Prozent.

Tja, leider möchte ich meinen Urlaub weder in Thüringen verbringen (da war ich schon), noch möchte ich meine Black Pearl nach Neuseeland verschiffen. Also mache ich mich im Alpenraum auf die Suche nach steilen Strassen. Eine Woche Zeit habe ich dafür.

Bei Kaiserwetter geht es in Stuttgart los. Schon hier finden sich steile Strassen und, wenn man oben auf der Halbhöhe steht, schon mal nette Aussichten in den Kessel. Allerdings: Auf 25% Steigung kommen wir hier nicht. Also munter in Richtung Berchtesgadener Land gekurvt, schön über die Schwäbische Alb Richtung Bayern.

Ich komme am Wolfgangsee vorbei. Ob man bei einer Bootsfahrt steile Strassen sehen kann? Die Ufer ragen steil rechts und links empor, an Steilheit mangelt es nicht - allein mit den Strassen gibt es ein Problem, denn es gibt keine, nichtmal einen Fußweg. Immerhin gibt es ein Echo. Der Bayerische Ansager (wahrscheinlich in Wirklichkeit Gerhard Polt? Er lässt jedenfalls keinen Klischeewitz aus) im Touristenschiff gibt ein Bierlied zum Besten. Der Berg antwortet. Alle mitreisenden Chinesen sind begeistert. Sowas gibt´s in China nicht.

Weiter geht die Suche nach steilen Strassen in Österreich. Über die Rossfeld Panoramastrasse, Hohe Tauern und weiter über die Nockalmstrasse geht es zur Turracher Höhe. Dort finden sich immerhin schon mal stolze 24% Steigung. Aber, ist das alles? Hat Thüringen wirklich mehr zu bieten als Österreich?

Was es in Österreich auf jeden Fall gibt, sind wunderbare Aussichten von mautpflichtigen Strassen aus. Die Fahrt geht weiter über Falkertsee bis nach Pesenthein am Millstätter See.

Wer bis hierher schon mal mitfahren will schaut sich dieses Video an:


Nach einer schönen Übernachtung geht es morgens auf die Goldeck Panoramastrasse. Dort ein mautpflichtiges Photo an der Hurrakurve, dann geht es weiter Richtung Straniger Alm und dort über die unbefestigte Strecke nach Italien. Oben auf der Alm gibt es den besten Kaiserschmarrn der Welt - da können selbst Thüringer Würste nicht mithalten. Punkt für Österreich. Auf der Südseite geht es an den Warnschildern vorbei unbefestigt, steil und holprig bergab. Leider steht keine % - Angabe dran.

Es folgt eine Verbindungsetappe zum Monte San Simeone. Die Strasse ist hinauf ist zwar nicht sooo besonders steil, aber sehr eng. Dass einige Tornanten innerhalb enger Tunnel verlaufen, macht die Sache nicht einfacher, denn mittels gekonnter Blickführung um die Kehren zu kommen ist somit nicht möglich, da man ja auf die Tunnelwand schaut. Der Blick öffnet sich aber wieder, wenn man oben ankommt. Dort gibt es atemberaubende Aussichten auf die Greifvögel, Drohnen und Paraglider bei einer mitgebrachten Kaffeejause. Punkt für Italien.

Die Übernachtung in Arta Terme ist erholsam, so dass ich mich am nächsten Morgen aufmache zur Panoramica De Vette. Pah, nicht mal 10% Steigung. Aber immerhin ist hier wenig Verkehr, denn die Strecke ist im oberen Bereich unbefestigt.

Weiter geht es zur Forcella Lavardet. Der Abschitt mit den Serpentinen ist zwar nicht der steilste Pass in den Alpen - aber vielleicht die schönste. Wie aus dem Bilderbuch führen die Serpentinen den Berg hinauf. Die kriegt man aber erst zu sehen, wenn man an merkwürdigen Schildern vorbei und über eine erste geschotterte Passage gefahren ist. Ich entschliesse mich, noch weiter Richtung Süden auf der Schotterstrecke zu fahren und stehe dann vor einer Absperrung. Diese ist das kleinere Problem. Das größere Problem ist, dass ich meinen Kugelfisch durch den Bach waten muss, der hier etwa 30 cm tief und 2m breit ist und auch noch eine flotte Fliessgeschwindigkeit hat. Also flugs die Koffer abmontiert und durch. Leider vergessen, das Ganze zu filmen. Auf der anderen Seite kommt mir ein Honda Africa Twin Fahrer im Wahnwestenleibchen entgegen. Ihm ist die Wasserpassage zu heavy. Also fahren wir ein Stück gemeinsam in südlicher Richtung weiter, als uns eine Gruppe Harley Owners entgegenkommt. Die wollen wirklich auch hier lang?!?!? Naja, sie nehmen den guten Rat an und wenden. Ich bin sicher, es war besser so.

Für mich geht es weiter am Lago Di Sauris vorbei über den Passo Rest bis nach Maniago. Das ist nicht besonders steil, aber sehr, sehr schön.

Hier das Video dieser Etappe


Von Maniago aus geht es in der noch kühlen Morgenluft über Cimolais, Provagna, vorbei am Lago Di Santa Croce Richtung Passo San Boldo. Wieder so ein enger Weg mit Tunneltornanten. Auch ziemlich steil, aber wieder haben die Italiener das entsprechende Schild vergessen. Von Barides geht es wieder aufwärts über Calderu über einen freundlich hell geschotterten Weg Richtung Mariech. Von Malga Barbaria gibt es wieder eine sensationelle Aussicht. Ganz oben stehen Antennen und klägliche Reste von Seilbahnen. Heutzutage fährt man hier mit dem Motorrad hinaufm und dann nach Valdobbiadene wieder herunter. Kurz danach geht es wieder mal rechts ab, steil hinauf auf den Monte Grappa. Die Aussicht ist so schön, dass ich vergesse, auf die % Schilder zu achten. Oder waren da gar keine? Ausserdem kommt ein Gewitter auf, da muss ich sehen, dass ich mir eine Unterkunft suche!

Ich übernachte in Seren Del Grappa und gönne mir zum Abendessen eine ausgesprochen leckere Pizza. Hier wird der Prosciutto Crudo auf einem extra Brettchen serviert. Mmmmmmmh! Noch ein Punkt für Italien.

Der nächste Morgen begrüßt mich mit Sonnenschein. Das Licht im Rücken führt mich der Weg Richtung Westen: Die Kaiserjägerstrasse will heute befahren werden. Der obere Teil ab dem Fort Belvedere ist noch relativ breit, doch wenn die Berghänge steiler werden und sich die Straße in engen Serpentinen den Weg in die Tiefe sucht, ist sie deutlich schmaler. Auch hier sollte das Fahrzeug sicher beherrscht werden, ansonsten wird es peinlich. Die vielen, vielen Motorradfahrer, die ebenfalls hier langfahren, würden es ja sehen, wenn man umkippt. Der ehemalige Geheimtipp ist nicht mehr so geheim, was der Attraktivität der Strasse jedoch nicht abträglich ist.

Mich zieht es nun nochmal in die Dolomiten, dort müssten doch noch weitere steile Strassen zu finden sein? Ich finde die schönsten Berge, schönes Wetter, tolle Pässe, aber die Wege sind nicht über die Maßen steil. Also wieder Richtung Nordwest, da müsste es doch noch steilere Strassen geben?!

Die Steigungen in Südtirol sind nicht unsteil - aber so richtig steil sind sie nicht. Mancherorts wurde sogar eine Schleife in den Berg gehauen und noch eine Extra-Brücke gebaut, damit der Weg nicht zu steil wird. So wird das nichts mit der steilen Strasse.....

Über Jenesien geht es an Bozen vorbei durchs Passeier Tal das Timmelsjoch hinauf. Ja, ist schon steil hier. Kann man so sagen. Steht aber leider nicht dran, wie steil, taugt damit nicht für meine Zwecke. Jedoch gibt es so schöne Guck-Kästen, die die Aussicht von oben nochmal einrahmen.

Nun bin ich schon wieder in Österreich, und die 25,3% Steigung aus Thüringen sind immer noch ungeschlagen. An landschaftlicher Schönheit kann die Gegend aber auf jeden Fall so manchen Vergleich gewinnen. Und der Weg von der Piller Höhe herunter ist auch sehr steil. Leider steht wieder kein Prozentwert dran. Und auch auf dem weiteren Weg in die Heimat über St-. Anton, Zürs, Lech und den Flexenpass sind keine Steilheitsrekorde mehr zu brechen.

Das Wetter trübt sich ein. Im Vorarlberg fängt es an zu regnen. In Sulzberg findet heute keine Aussicht statt, die ist hier normalerweise würdig, sogar Chinesische Touristen anzulocken. Die steigen bei dem Wetter heute aber nicht aus ihrem Bus aus.

Zwischen Rothach und Schreckenmaklitz sehe ich sie allerdings: Die offiziell steilste Strasse meiner Tour: 25% Steigung! Jetzt musste ich fast 2000km fahren, um hier eine Strasse zu befahren, die fast an die steilste Strasse in Deutschland heranreicht. Ausserdem: Ist ein Verkehrszeichen mit ungrader % Angabe überhaupt erlaubt?

Das Video dieser Etappe ist hier:


So sah die geplante Route aus: http://drive.google.com/open?id=1L3P-BcLFEc_PYmhl4nR3hkIs1T4&usp=sharing

Sonnige Grüße
Ulf

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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 1. September 2017, 18:33 
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Statt der Panoramica Vette hättest du dem Motto entsprechen den Zoncolan mitnehmen sollen, die Ostseite hat locker über 20 Prozent, die Westseite ist stellenweise noch steiler.

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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 1. September 2017, 18:39 
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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 1. September 2017, 20:29 
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Schönes Motto für eine Tour!

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im Valle di Cembra, Trentino

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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 1. September 2017, 20:45 
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Klasse Tour :L :L :L


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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 1. September 2017, 21:16 
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Bei Bozen zum Schloss Rafenstein, die >30% hätten Thüringen locker geschlagen.
Westlich von Edolo gibt es noch eine netten Einstieg hoch zum Mortirolo, mit sehr langem 25% Steilstück. Nicht nur landschaftlich sehr interessant.

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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 2. September 2017, 05:22 
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ryna hat geschrieben:
Bei Bozen zum Schloss Rafenstein, die >30% hätten Thüringen locker geschlagen.
Westlich von Edolo gibt es noch eine netten Einstieg hoch zum Mortirolo, mit sehr langem 25% Steilstück. Nicht nur landschaftlich sehr interessant.


Das beim Mortirolo sind wir abwärts gefahren. War schon ordentlich steil. Leider kein Schild wahrgenommen zum fotografieren. Aber auch nicht unbedingt danach gesucht.

Schöner Bericht
Danke dafür.

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 Betreff des Beitrags: Re: Steile Strassen 2017
Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 2. September 2017, 06:28 
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Beiträge: 371
Auffahrt zum Schloss Rafenstein in der Nähe von Bozen ... das war schon ganz schön steil!
Mit meiner Getriebeeinstellung (u.a. kurzer 1. Gang) ging es mit 11 PS .. aber wehe es kommt was entgegen und man muss stehen bleiben, dann wirds problematisch, wenn nicht der Fuß in der tieferen Entwässerungsrinne gesetzt wird und man gleich umfällt


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