Mimoto's Reiseforum

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 Betreff des Beitrags: Salzburg - Venzone, 2rädrig
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 25. Oktober 2016, 12:22 
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Hallo, nach langer Pause auch mal wieder ein Bericht von mir. Grundsätzlich fahren wir unsere Touren nach wie vor mit den vierrädrigen Klasikern, inzwischen haben wir auch „Zuwachs“ bekommen aber diesmal waren wir Zweirädrig unterwegs. Nein, ohne Motor…

Prolog

Ich hatte es geschafft! Nachdem ich Cuore Sportivo/Gerhard 2 Jahre lang von Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike vorgeschwärmt hatte, war er endlich weich geworden. Er hatte sich ein neues Fully zugelegt, seine Ausrüstung erneuert und mit mir ein paar Proberunden gedreht.
Da bei uns der 5er schon in deutlicher Hörweite liegt und das Erlebnis vor den sportlichen Ehrgeiz geht, hatte ich eine Strecke mit Tourencharakter von etwa 360km bei rund 6000Hm Aufstieg geplant, die uns von Salzburg nach Venzone ins Friaul führen würde. Tourencharakter bedeutet in diesem Fall 2 Tage auf Asphalt, 2 Tage „Off Road“ und dann ein „Reha-Tag“.

1. Tag

Mit der Deutschen Bahn ließen wir uns, an einem für den Juli etwas kühlen Tag, von München nach Salzburg bringen. Die Bahnreise verlief problemlos, uns begegneten weitere Radreisende, allerdings Tourenfahrer die ihre Räder mit 5-6 Taschen behängt hatten. Dagegen sahen wir mit unserem Rucksack wie Tagesausflügler aus.
In Sazburg angekommen stockten wir unseren Vorrat an Bananen auf und begannen Mittags unsere Reise unter einem wolkenverhangenen Himmel an der Salzach auf dem Alpe-Adria-Radweg (CAAR).

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Meine Wenigkeit am Ausgangspunkt des CAAR an der Salzach

Erstes HIGHlight war der Pass Lueg, ein nicht allzu schwerer Anstieg und zur Belohnung ein Stück Kuchen und ein streng isotonischer Durstlöscher (eine Halbe Bier) im Gasthaus auf der Passhöhe. Gerade als wir wieder weiter wollten ließen die Wolken ihr Last fallen, Schnürlregen vom Allerfeinsten. Auf den Hacken kehrt gemacht und präventiv noch einen streng isotonischen Durstlöscher eingefüllt. Nach etwa einer halben Stunde hatte der Regen soweit nachgelassen, dass wir die Abfahrt vom Pass Lueg in Angriff nehmen konnten.

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Cuore Sportive/Gerhard am Struber Denkmal, Pass Lueg

Der CAAR führt weiter an der Salzach entlang, leider nicht immer auf einem eigenen Radweg, an der Burg Hochwerfen vorbei, weiter ins Pongau hinein. Mein Rad hatte den Schnürlregen irgendwie übel genommen und tat dies mit einem nervigen Iiiietsch…Iiiietsch…Iiiietsch… bei jedem Treten kund. Eine gründliche Ölung aller beweglichen Teile brachte leider keine Besserung.
Gegen 17:00 erreichten wir Sankt Johann im Pongau und nahmen uns im Zentrum ein Zimmer. Das Gequietsche an meinem Rad hatte sich inzwischen zu einem nervenzerfetzendem IIIECK…ÄÄÄCK…IIIECK…ÄÄÄCK… entwickelt. Gegenüber von unserem Hotel befand sich ein Rad-Laden, der sich am nächsten Morgem gleich als Erstes mit meinem Rad beschäftigen wollte.
Den Abend beschlossen wir landestypisch mit Schnitzel und reichlich streng isotonischen Durtlöscher.

2. Tag

Nach dem Frühstück holte ich als Erstes mein Rad ab, das zerlegen und nachstellen vom Tretlager und das überprüfen des Hinterbaus hatte das Geräuch zwar minimiert aber leider nicht eleminiert. Im Laden fielen mir die E-MTB von KTM auf. Schöne Teile, vielleicht in 10 Jahren wenn dann die Knie nicht mehr so richtig wollen?
Zunächst ging es aber wieder per Muskelkraft weiter auf dem CAAR Richtung Bad Gastein. Das Wetter hatte sich immer noch nicht wesentlich gebessert, landschaftlich eine sehr schöne Strecke, die meist auf Nebenstrecken bzw. stillgelegten Landstrassen weiter an der Salzach führt.

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In der Nähe von Schwarzach im Pongau, Blickrichtung Süden auf die Tauern

Unerwartet lang und steil stellte sich der Aufstieg nach und in Bad Gastein heraus. Aber wer wird denn schon am 2. Tag schlapp machen, noch dazu mit so furchterregenden Stollenreifen?!

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Wasserfall in Bad Gastein

Wie Eingangs gesagt, nicht der sportliche Ehrgeiz stand im Vordergrund, deshalb würden wir die Tauern nicht über- sondern durchqueren. Mit der Bahn. Wir erreichten die Bahnverladung bei Nieselregen, heulendem Wind und gerade mal 6° Außentemperatur. Der angenehmste Ort auf dem menschenleeren Bahnhof war die Toilette, geheitzt und trocken. Wir zogen so ziemlich alles an was sich in unseren Rucksäcken befand denn die Wetter-App sagte für die andere Seite, Mallnitz, nichts Besseres an. Erst im Mölltall, bei Obervellach sollte die 20° Marke erreicht werden.
Tatsächlich war das Wetter auf der anderen Seite der Tauern kein bisschen besser, schnell auf die Räder, alles zu- und festmachen und es die folgenden 550Hm ins Mölltal einfach laufen lassen. Hatten uns zunächst noch einige Autos überholt, holten wir sie nach kurzer Zeit nicht nur ein, sondern fuhren an ihnen vorbei. Mein GPS zeigte irgendwas über 70km/h an, die aufsteigende warme Luft und der Sonnenschein der sich am Horizont abzeichnete, verführten uns zu dieser bekloppten Aktion.

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Im Mölltal bei Obervellach

Kaum unten angekommen konnten wir den Großteil der Klamotten endlich im Rucksack verstauen, noch immer auf dem CAAR fuhren wir durch das malerische Mölltal bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.

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Irgendwo im Mölltal auf dem CAAR

Das Tagesziel war Möllbrücke, wir nahmen Quartier in einem Gast- und Bauernhof, genossen den Abend bei hervorragender Hausmannskost, dabei die streng isotonischen Durstlöscher nicht vergessen und beendeten den Abend bei einigen hochwertigen Obstbränden an der Bar im ehemaligen Pferdestall. Kärnten hat schon was…

3. Tag

An diesem Morgen verließen wir den CAAR südlich, in Richtung Drautal. Zunächst führte der Weg noch einige Kilometer auf Asphalt auf dem ausgesprochen ruhigen Drauradweg.

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Irgendwo im Drautal

Bald verabschiedeten wir uns von den Strassen, denn unsere Strecke führte uns westlich vom Weißensee und Kreuzbergsattel über die Waisacher Alm vom Drautal ins Gailtal.

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Im Hintergrund die Waisacher Alm

Unklar ist mir in Österreich das Wegerecht, wenn ich es richtig verstanden habe ist es möglich, dass auf ein und dem selben Forstweg ein privates Motorrad oder Auto (z.B. zu einer Alm) fahren darf, hingegen ein MTB geschoben werden muß um die Schotterstrasse zu schonen???
Querfeldein oder quer durch den Wald muß nun echt nicht sein, aber sowas finde ich doch höchst seltsam.

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Auf da Alm da gibts koa Sünd

Schlußendlich erreichten wir das Gailtal, wo wir in einem Hotel in Rattendorf über Nacht blieben.

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Die Gail, die Berge hinten links gehören schon zum Karnischen Höhenzug

In Rattendorf war gerade Kirchweih und dazu gehört logischerweis auch etwas rustikaleres Brauchtum. Um genau zu sein Böller schießen zu jeder halben Stunde. Uns wurde zwar glaubhaft versichert, dass vor 6:00 Morgens nicht geschossen wird. Die Böllerschützen konnten wohl aufgrund der Menge an streng isotonischen Durstlöscher die Uhr nicht mehr richtig lesen und ballerten uns um 4:00 aus dem Schlaf. (Frühstücks-) Ei drüber!

4. Tag

Heute stand die Königsetappe auf dem Plan. Wir würden von Rattendorf aus über die Rattendorfer Alm an der Rattendorfer Schneid den Karnischen Höhenzu überqueren und letztendlich in Italien beim Cason di Lanza wieder heraus kommen und dann weiter nach Pontebba fahren.
Die Rattendorfer Schneid ist ein Übergang zwischen Plöckenpass im Westen und dem Nassfeldpass im Osten.

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Dober Bach

Im Wald stießen wir immer wieder auf Reste von Materialseilbahnen aus dem 1. Weltkrieg.

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Schon ganz schön weit oben

Bis zur Rattendorfer Alm war alles gut fahrbar.

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Die Rattendorfer Alm, im Hintergrund der Höhenzug der auch die Grenze ist

Nach der Alm wurde der Weg rauher schmäler, bis schließlich am eigentlichen Übergang nur noch ein Trampelpfad übrig war der stellenweise tief ausgewaschen war. Anders ausgedrückt, wir mußten stellenweise schieben.

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Blick zurück ins Tal aus dem wir Morgens gestartet waren, vorne links erkennt man den „Weg“

Auf der italienischen Seite machten wir einen kurzen Abstecher zur Grotta di Attila.

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Eingang zur Höhle

Am Cason di Lanza gab es natürlich ertmal einen Rosso bevor wir auf bekannter Strecke nach Pontebba hinunter rollten. Ich schätze mal das halbe Forum war hier schon mal und auch wir waren schon oft mit den Klassikern hier oben aber mit dem MTB, das war neu.

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Wer genau hinschaut sieht unsere Räder links am Zaun

Während der Abfahrt nach Pontebba erwischte uns ein kurzes Gewitter, nicht schlimm, kurz im Wald unterstellen und die letzten Müslirigel der Eisernen Reserve vernichten.
Pontebba war verschlafen wie immer und alles was irgendwie nach Gasthaus aussah war dicht verrammelt. Auf der Strasse standen 2 Frauen und ein Mann, auf die Frage wo man denn hier übernachten könnte, meinte die eine der Frauen „Na bei mir!“
Ähhh!?
„Nein, nein, ich habe ein Bed&Breakfest.“
Alles klar, kleines Appartment unterm Dach, eine geöffnete Pizzeria fanden wir auch noch, damit war dieser Tag auch wieder „rund“.


Fortsetzung mit Reha Tag folgt…

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Michael


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 Betreff des Beitrags: Re: Salzburg - Venzone, 2rädrig
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 25. Oktober 2016, 12:31 
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Klasse :L :L :L
Mal ein bericht mit 2 Rädern ohne Motor. Rein gedanklich kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das was besonderes ist. Zeit um die Natur richtig aufzusaugen. Aber in Echt: Ich hab da einfach zu wenig Motivation an meiner Kondition zu feilen, damit mir sowas möglich wäre.
Schöne Fotos !!

Gruß
Herbert aka Schippy


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 Betreff des Beitrags: Re: Salzburg - Venzone, 2rädrig
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 25. Oktober 2016, 18:34 
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Beiträge: 61
@ Schippy/Herbert

Vielen Dank fürs Lob.
Kondition aufbauen ist in erster Linie "nur" mentale Überwindung...Schweinehund und so...aber am Ende gibts streng iostonischen Durstlöscher! :L

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Michael


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 Betreff des Beitrags: Re: Salzburg - Venzone, 2rädrig
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 25. Oktober 2016, 18:37 
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Beiträge: 61
5. Tag, Reha-Tag

Reha-Tag? Nicht weil wir im Wirlpool lagen und Detox Smoothies schlürften, sondern weil wir bei Pontebba wieder auf den CAAR zurückkehrten, welcher an dieser Stelle eine Besonderheit bietet. Die Radstraße ist ab Pontebba Richtung Süden die alte, zwischenzeitlich umgebaute, eingleisige Bahnstrecke Pontebbana.
Das bedeutet ab Pontebba, Richtung Süden ein stetes Gefälle für 25km, welches das Treten eigentlich überflüssig macht und anschließend ein ebenes Terrain am Tagliamento entlang bis Venzone.

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Unter der Autobahn und Landstrasse hindurch

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Verlassenen Bahnstationen

Von der alten Eisenbahnstrecke sind die Tunnel, Brücken und Gallerien alle für die Radstrasse erhalten geblieben.

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Von der Brücke in den Tunnel

Die Aussicht von dieser Strecke ist atemberaubend und läßt einen viele Male zum Fotografieren anhalten.

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Blick in ein Seitental

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Schöner, alter Stahlbau

Der ehemalige Bahnhof von Chiusaforte ist heute ein Gastronomiebetrieb mit direktem Bahnsteig an der CAAR. Selbstverständlich haben wir hier das 2. Frühstück eingenommen.

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Rechts zwischen den Kiefern erkennt man Liegestühle, wo früher Rangiergleise waren

Kurz hinter Chiusaforte liegt, etwa 100m oberhalb des Tagliamento, ein Fernkampfwerk aus dem 1. Weltkrieg, das wir uns ansehen wollten. Der Anfahrtsweg ist von der CAAR aus beschildert und die Rampe zwar steil aber grob betoniert und so konnten wir uns hinaufstemmen. Aber nicht weit. Der Beton endet plötzlich und man steckt in steilem Gelände in groben, losen Schotterbrocken fest. Hier würde sich sogar ein Esel alle Viere brechen.
Egal, die Räder geschoben, gezerrt und immer weiter hoch, es kann ja nicht mehr weit sein.
Nach einer letzten Biegung standen wir vor dem restaurierten Forte Col Badin.
Stimmen waren zu hören, eine Schulklasse war gerade zur Besichtigung da. Wir spazierten durch den Hof des Forte und trafen auf den Pförtner. Er erklärte uns, dass das Forte eigentlich geschlossen sei (Öffnungszeiten im www sind nicht eindeutig). Nach kurzem Überlegen fragte er ob wir denn Italienisch verstehen, aber natürlich, in diesem Fall hätte er noch eine halbe Stunde Zeit und ob wir Lust auf eine kleine Privatführung hätten.
Aber immer!
So bekamen wir eine Sonderführung, Übersetzten für ihn noch einige Begriffe aus österreichischen Feldpostkarten und Materiallisten und bekamen zum Abschied noch einen kleinen Bildband über das Forte geschenkt. Italienisch Kurs und Rad hochzerren hatten sich irgendwie dann doch gelohnt.

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Blick vom Forte auf den Zusammenfluss von Fella und Tagliamento

Weiter ging es nach Venzone, wo wir unseren Wirt trafen, den wir ursprünglich aus Gemona kennen (siehe Käse und Grappa Orgie in diesem Forum).

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Kapelle San Michele in der sich einige auf natürliche Weise entstandene Mumien befinden

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Das alte Rathaus

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Venzone, die Stadt des Lavendels

Das wars…

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Michael


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 Betreff des Beitrags: Re: Salzburg - Venzone, 2rädrig
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 25. Oktober 2016, 20:17 
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Registriert: Sonntag 12. Dezember 2010, 15:58
Beiträge: 4494
Wohnort: Niederösterreich
Sehr schön, mal was anderes, anstrengend, aber man sieht dadurch auch Landschaften und Gebäude, wo
man ansonsten nicht unbedingt hin kommt! :L ;)

Ich hab mal vor Jahren kurzfristig für eine geistig geplante Radtour über die Zillertaler Höhenstraße zu trainieren begonnen, allein es blieb leider beim Beginnen, ich habs nicht durchgezogen, aber, wenn ich deinen Bericht so
lese..., hätte so eine Radtour durchaus schon seine Reize! ;)

Danke fürs Schildern und Zeigen

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Gigl


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