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 Betreff des Beitrags: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 11:20 
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Hallo Zusammen!

Das fing ja richtig gut an. Pünktlich weggekommen. Und die Sonne scheint. Seit ich mich erinnern kann, ist das die erste Urlaubsfahrt, auf der es nicht gleich zu Beginn regnet

Just in time komm ich am Verladeterminal an. Mein Reisegefährte Andreas wartet schon. Kurz nach mir rauschen noch zwei weitere BMW's heran. Ein Visier klappt hoch und ein breites Grinsen darunter erscheint: Ach nee, wo willst Du denn hin? fragt Andreas Hülsmann. Viel gibt es zu erzählen abends im Zug.
Um 21.30 Uhr kommt eine Durchsage: Wie sie bemerkt haben...kein Speisewagen...ein paar freie Abteile im vorderen Wagen ersatzweise...bis 22.00 Uhr . Dann...Nachtruhe. Na großartig. Eine halbe Stunde im Partywagen. Nee danke! Mit einer Stunde Verspätung treffen wir in Narbonne ein. Bis wir die Motorräder reisefertig haben, ist es Mittag.

Da ist die Wolkendecke schon aufgerissen und bietet einen Atem beraubenden Anblick auf die schneebedeckten Pyrenäen. Und bald sind wir schon mittendrin. Schilder weisen zwar immer wieder darauf hin, dass es nun Zeit wäre, die Schneeketten anzulegen. Aber die Straßen sind zum Glück frei und wir genießen tolle Paß-Fahrten. Kalt ist es, so auf knapp 2.000 m.

An der Costa Dorada suchen wir abends einen Campingplatz. Viele sind noch im Winterschlaf. Manche sind eher für immer geschlossen. Einer davon heißt "Los Alfaques". Endlich werden wir fündig und verbringen die erste Nacht in Spanien.

Wir verlassen die Küste wieder und fahren durch Kastillien und die La Mancha. Mal begleiten uns silbrig glänzende Olivenbäume, dann kommen wir uns vor wie in einer Mondlandschaft und hinter der nächsten Kurve ist plötzlich alles grün. Pinienwälder, die sich an den Berghängen hochziehen, Felder....

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Kurven ist eine Gerade.
Gut, dass es nicht viele davon gibt
Dazu dieser Asphalt, der so einen tollen Grip hat. Und die Reifen frißt

Das Navi führt uns bei Cartagena auf einen Campingplatz am Meer.
Un Camping natural. Natural ist weniger der Campingplatz. Mehr die Besucher.
Warum auf einem FKK-Platz so viele Mimosen angepflanzt sind, ist mir nicht so ganz klar :oops:


Das Naturschutzgebiet Cabo del gata ist unser nächstes Ziel. Zunächst ist es enttäuschend. Billig-Plastik-Gewächshäuser, die sich weit in den Naturpark hineinfressen. Ein strenger Geruch nach Pflanzenschutzmitteln liegt in der Luft. Der Appetit auf spanische Tomaten ist mir erst einmal vergangen.
Und dann dieser Anblick:

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Ein Schotterweg führt legal durch den Naturpark. Und wird plötzlich zu einer Tiefsandpassage. Bin schon fast durch und erleichtert, dass es doch ganz gut ging, nehme Gas etwas zurück. Und falle um. Beim nächsten Mal mach ich das besser :oops:

Am nächsten Tag zeigen sich die Berge der Sierra Nevada: mit Schneehauben
Dieser Anblick begleitet uns noch den ganzen Tag.

Aber zunächst stehen noch einige kleiner Bergzüge als Appetithäppchen auf dem Tourplan.
Wir quälen uns durch den hektischen Verkehr in Malaga und finden als Belohnung einen 3 *** Campingplatz kurz vor Marbella. Hier schlagen wir für zwei Nächte unsere Zelte auf. Viel gibt es zu erkunden in der Umgebung.
Aber bloß weg von der Küste! An viel zu vielen Häusern verkünden große Schilder: Se Vende! - Zu verkaufen! Betongerippe ragen in die Luft. Hier wurde seit Jahren nicht mehr gearbeitet. Und wird es in den nächsten Jahren auch nicht werden. Dafür wird direkt daneben schon das nächste Touristen-Ghetto aus dem Boden gestampft. Fast jeder Quadratmeter Küste ist zubetoniert.

Wir wollen nach Antequera, eine Stadt mit langer Geschichte. Ein Schild warnt uns unterwegs: Straße in schlechtem Zustand. Das könnte man wohl so sagen. Sie liegt begraben unter hohen Geröllmassen. Ein Bergrutsch. Und die stählernen Auffangnetze hat er gleich mitgebracht. Ich wollte Schotterpiste. Und diese Straße ist schon verdammt nah dran


In Antequera besichtigen wir die prähistorischen Dolmen. Die Cueva de Menga ist angeblich das besterhaltene Ganggrab aus uralter Vorzeit. Eindrucksvoll. Es kommt mir vor wie Stonehendge, nur unter der Erde:

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Etwas außerhalb gibt es noch den Torcal de Antequera zu sehen, eine märchenhafte Steinwelt. Wir sind noch zu Fuß im Nationalpark bei El Chorro unterwegs, einer stillen Gebirgswelt mit tollen Panoramen. Eine alte Eisenbahnlinie führt durch El Chorro, einer Ansammlung von 3 oder 4 Häusern und einem "Supermarkt". Im Bahnhofsgebäude ist eine heruntergekommene Bar. Hier herrscht Mama Rabiata. Vielleicht Mitte zwanzig und hier gestrandet, zwischen Bergsteigern, Wanderern, Gleisarbeitern und den Angestellten des nahen Wasserkraftwerks. DIME! Das ist keine Frage, das ist ein Befehl. Cola, und ein Eis. Gut, dass die Cola in einer verschlossenen Dose ist. Und das Eis eingeschweißt. Von den angebotenen Speisen aus der Vitrine möchten wir dann doch lieber nichts. Dennoch kehren wir auf dem Rückweg noch mal dort ein. Eine Gruppe Kletterer sitzt da, einer spielt Gitarre, ein paar abgehackte Akkorde, dann diese rauchigen Stimme, klagend, melancholisch...
ein Hauch von Flamenco, dem Blues Südspaniens...

Ein anderer Gast hat einen Cafe con leche bestellt. Sitzt nun in der Sonne und hört der Musik zu. "Su Cafe" tönt Mama Rabiata. Und als er nicht gleich hört: SSSUUUU CCCAFFEEE!! Er sollte jetzt besser aufspringen, salutieren und die Hacken zusammen schlagen...
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, als wir aufbrechen. Malaga ist der südwestlichste Punkt unserer Tour. Eigentlich machen wir uns jetzt schon wieder auf den Heimweg. Aber noch liegt einiges vor uns: Die Sierra Nevada, Montserrat, Carcassone, Südfrankreich sind noch auf unserem Tourenplan.

Wir umfahren die Sierra de Migas, die so tolle Bergrennstrecken zu bieten hat. Mit langen Kurven, in die man sich einfach fallen lassen kann. Bei 120 km/h ist für mich Schluß. Mit Lenkerpendeln zeigt mir meine Kleine, dass sie es doch lieber etwas gemütlich mag.

Wieder geht es vorbei an silbrig schimmerenden Olivenhainen, frisch gepflügt Felder mit rötlich-brauner Erde, Wiesen in golfplatzgrün.
Ein Stausee lädt zur Pause, das Wasser ist kristallklar. Und nichts ist zu hören außer Grillenzirpen und Vogelgezwitscher.
Wenig später noch ein Stausee. Dicke Karpfen tummeln sich im Wasser. Auf dem nahen Campingplatz ignoriert man uns. Dann eben nicht!

Und so landen wir an der "Puerto del suspiro del moro" - dem Paß des Seufzers des Mauren.
Naja, Paß ist für diese Anhöhe vielleicht doch ein klein wenig übertrieben. Hier soll der Überlieferung nach Boabdil II., der letzte Maurenherrscher von Granada, nach seiner Vertreibung noch einen letzten Blick auf die Alahambra geworfen haben, mit Tränen in den Augen.

Die Berge der Sierra Nevada verbergen sich hinter Wolken. Kein gutes Zeichen. Die Basis-Station zu Hause sagt auch schlechtes Wetter voraus. Wir denken vorsichtshalber schon einmal an einen Plan B. :(

Nachts hat es geregnet, aber morgens sind die Zelte trocken. Dunkle Wolken drohen und in Rekordzeit haben wir gepackt und sind unterwegs. Wir wollen doch noch versuchen, in die Berge zu kommen.

Granada schläft wohl noch. Nur vor den Churros-Buden bilden sich lange Schlangen.

Die Wolken hängen tief in den Bergen, und als dann doch der Regen einsetzt, halten wir an einem Cafe. Essen Churros, diese Fett triefenden, frittierten Gebäckstangen. Dazu gibt es heiße Chocolate. Keinen Kakao. Richtig dicke, zähe, heiße Schokolade, in der der Löffel keine Chance hat, umzufallen. :P

Was für ein Land, in dem es Churros und Chocolate zum Frühstück gibt!
Draußen geht der Regen in Schneeregen über, drinnen gönnen wir uns noch eine Cafe con leche.
Dann kehren wir um. Nehmen ab Granada ein Stück die Autobahn, um dem schlechten Wetter zu entkommen.

Durch die Sierra de Baza wollen wir nun. Eine kleine Straße schlängelt sich mit einem Bach durch ein Tal, Obstplantagen rechts und links. Und plötzlich, in einem Dorf, das eigentlich nur eine Ansammlung von ein paar Häusern ist, ist sie zu Ende.
Endet in einer Lehmpiste. Einer nassen Lehmpiste. Die Karte zeigt nur einen schwarzen Strich, der sich in der Sierra verliert. Ich frage einen alten Mann, der uns neugierig beobachtet, wohin dieser Weg führt und ob er besser wird. Er versteht mich nicht. An meinem Spanisch liegt es nicht. Ich glaube eher, er ist noch nie aus diesem Ort herausgekommen!
Wir umfahren die Sierra de Baza und tauchen stattdessen ein in die Sierra de las Filabres. Bergrennstrecken statt Schmierseifenpiste. Es gibt Schlimmeres

Mächtige Steinbrüche gibt es hier. Sie reißen häßliche Wunden in das Land. Als wollten die Spanier ihr Land abtragen. Werden hier die Steine gebrochen für die Bauruinen an der Küste?




Hoch über Lorca thront eine Festung. Die wollen wir aus der Nähe sehen. Also stürzen wir und ins Stadtgewühl. Finden ein Schild, das uns Richtung "Castell" weißt und stehen kurz danach in einer Sackgasse. Auch ein 2ter und 3ter Versuch bringen uns nicht ans Ziel. Also stellen wir die Moppeds ab und versuchen zu Fuß unser Glück. Lorca gefällt, mit malerischen Altstadtgassen, der Kathedrale, offenen Plätzen...
Keine Touristen-Metropole, eher eine sypathische Mischung aus Altem und Modernem


In der La Mancha halte ich vergeblich Ausschau nach Don Quichote's Windmühlen. Ab und zu eine Schafherde. Sonst: Leere! Wie viele Spanier teilen sich einen Quadratkilometer?


Eine kleine Straße verläuft neben der Autobahn. Aber kurz hinter einer neuen Brücke endet sie plötzlich in einer Schotterpiste, die auf ein stattliches Gebäude zuführt. Es sieht gepflegt aus, aber auch hier wohnt niemand mehr.
Der Schotterweg wird zum Feldweg, mit dicken Steinen und Geröll, dazwischen Gestrüpp. Navi sagt: nur 450 m, dann treffen wir wieder auf eine Straße. Na, da bin ich letztes Jahr auf Malle aber ganz andere Strecken gefahren. Los geht's.
Die 450 m liegen längst hinter uns. "Da vorn stehen Bienenkörbe" sagt Andreas. "Und dahinter?" "Weiß nicht"
Also schauen wir mal nach. Der Feldweg endet als Trampelpfad im Wald. Das Navi hat gelogen!
Also zurück. Die Bienen - das sind mindestens gefühlte 100 Körbe!! - kommen schauen, wer denn da stört. Das Lila meiner Kleinen gefällt ihnen. Zum 2. Mal seit ich sie habe, lege ich die Kleine ab .
Bei 30°C das beladene Motorrad aufheben ist nicht so toll. Ich mach einen fatalen Fehler: Ich setz den Helm ab. Offensichtlich riech ich gut, die Bienen umschwirren mich. Und dann mach ich den nächsten Fehler: ich zieh den Buff übers Gesicht. Einen gelben Buff. Das finden die Bienen richtig gut!

Bienenstich könnte soo lecker sein.... :oops:

Wir haben am Naturschutzgebiet bei Valencia übernachtet.
Hier ist man auf Zelter nicht eingestellt. Die Parzelle ist klein, der Boden betonhart, wieder müssen ein paar Heringe dran glauben. Der Platzwart ist einsilbig. Parcella - alli. Lavabos - al la derecha! Obendrein gibts Mücken. Der teuerste und schäbigste Campingplatz der ganzen Reise.
Erst am Morgen, als wir schon aufbrechen, überwiegt dann doch die Neugierde. Das 41-Liter-Spritfaß auf Andreas' Dicker imponiert. Wie weit? egal, ich muß eh nach 250 km ne Tanke suchen.
Ach ja, erwähnte ich schon die Spritpreise in Spanien? So um die 1,30 für den Liter! Super

Valencia hat mehr zu bieten als nur Orangenplantagen. Wir wähnen uns in einer Kulisse für einen Science-Fiction-Film als wir in die Stadt einfahren. Zu Hause mal googlen, was das für futuristische Bauwerke sind, notiere ich mir.
Stadtauswärts weist, wie in fast jeder größeren Stadt, ein Schild Richtung "zona comercial" - dem Gewerbegebiet.
Ein sehr altes Gewerbe, dem man da nachgeht

Den letzten Abend in Spanien genießen wir dann an der Costa Dorada. Hier im Norden hat man es geschafft, Feriensiedlungen zu bauen, ohne die Küste vollends zu zubauen.

Wir genießen einen spektakulären Sonnenuntergang
Braucht man da noch einen Fernseher?


Montserrat wollte ich gern noch einmal sehen. Schon von weitem sieht man die gezackten Felsen aus dem hügeligen Umland aufragen. Wie ein Schwalbennest klebt das Kloster hoch oben in den Felsen. Die Straße führt in weiten Schwüngen den Berg hinauf. Als wollte sie mir Zeit lassen, mich auf diesen Ort vorzubereiten.
Oben quillt der Parkplatz über. Dicht an dicht stehen die Reisebusse. Wo beim ersten Besuch noch Motorrad-Parkplätze waren, sind heute Marktstände. Alle bieten - fast schon aufdringlich - die gleichen Produkte an: Honig, Gebäck, Wurst und Käse aus der Region. Kaffees, Restaurants, ein Museum, Devotionalien...fehlt eigentlich nur das amerikanische Feinschmeckerlokal mit dem großen "M". Der McHoly wär sicher ein Renner
Drinnen laute lärmende Schulklassen. Die Mädels aufgebrezelt wie für die Disco. Die Jungs in den Arsch-Knie-Hosen, Base-Caps. Und ich fand die Motorradklamotten für so einen Ort schon nicht angemessen.
Die Calle de Ave Maria: hier werden Kerzen aufgestellt. Hunderte, in farbigen Behältern. Ein Ort des stillen Gedenkens.
In der Schlange zur Schwarzen Madonna würd ich mindestens 2 Stunden stehen. Ich verzichte.
Die stille Würde dieses Ortes, die mich damals so beeindruckt hat, ist dahin. Wir fahren weiter, unsere Kirche ist der Himmel über uns und die Berge in der Ferne! ;)

Wir folgen dem Verlauf des Ter, später der Tech durch die Pyrenäen.
Und dann sind wir auch schon in Frankreich!
Adios Espana! Hasta la proxima vez! - Bis zum nächsten Mal.

Grün ist es auf der französischen Seite. Hinter jedem Haus ein kleiner Gemüsegarten.
Wir stürzen uns auf kleinen Depardementstraßen noch einmal ins Kurvengetümmel, noch ein paar schöne Pässe, die sich bis auf fast 2.000 m herantasten.

Wir entscheiden uns für ein Formel 1-Hotel, auch nicht übel, morgens ohne das ganze Aufrödeln loszufahren.

Durch's Rossilion vorbei an endlosen Weinanbaugebieten. Hier ist es noch ganz schön frisch. Ist der Wein deshalb so ruppig?
Carcasson - best erhaltene mittelalterliche Stadt, Weltkulturerbe.
In den alten Stadtmauern urige Bars, gemütliche Restaurants, Spezialtätengeschäft: Schwerter, Glaskunst, Schokolade, Seife, Marmelade, Olivenöl...so viel zu schauen!
In der Basikila singt ein Männerchor. Die Stimmen steigen, mal ganz leise, mal kräftig, zur Kuppel hinauf. Alles ist andächtig still, nur diese Choräle...Was für ein Gegensatz zum lauten Treiben in Montserrat!

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Unser angepeiltes Etappenziel rückt in weite Ferne. Aber wir kreiseln durch eine grüne Landschaft auf kleinsten Straßen, es ist einer der schönsten Fahr-Tage der ganzen Reise.

Dann kommt man um eine Kurve, über eine Hügelkuppe, und dann dieser Anblick:

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Ganz Millau steht im Zeichen dieser Brücke. sogar das Dach einer Tankstelle ist mit einer Brücken-Imitation versehen.
Mit einer Leichtigkeit überspannt sie das gesamte Tal, wirkt so filigran. 7 Pfeiler, die Stahlseile glänzen in der Abendsonne.
Von Millau aus ist es nicht weit bis zu Gorges du Tarn. Hoch auf dem Berg thront eine Burgruine. Erst beim Näherkommen erkenne ich, dass es nur blanker Fels ist. Wind und Wetter haben bizarre Formen geschaffen: Türme und Zinnen, eine riesige Felskugel liegt auf einem Kegel, als bräuchte man sie nur mit dem Finger anzuschnippen. Es gibt Überhänge, darunter kleben Häuser regelrecht an der Wand. Ob das nun mehr Schutz oder Bedrohung ist, man weiß es nicht…



Die Tarn schlängelt sich durchs Tal, wir swingen mit. Dann treten die Wände auseinander, wir kommen in ein kleines Dorf. Hier treffen wir einige französiche Harleyfahrer. Sie sprechen kein Deutsch, wir kein Französisch, wir verstehen uns prächtig. Natürlich war es wieder Andreas' großes Spritfaß, was die Neugierde geweckt hat. Und ich erweitere meinen bescheidenen französischen Wortschatz (bon jour, au revoir, sivuplä, merci, baguette, fromage, vin rouge, c'est magnifique) eine weitere Vokabel hinzu: le carborateur - der Vergaser. Man kann ja nie wissen, wann mans braucht

Am späten Nachmittag erreichen wir die Ardeche. Der bekannte Bogen fasziniert wieder einmal. Ein Mann macht in sich versunken Thai-Chi-Übungen. Der Fluß fließt träge dahin. Nur ein paar Meter weiter ein ganz anderes Bild: Das Wasser hüpft, schäumt, gurgelt, springt über die Steine im Flußbett. Hier toben sich die Kanufahrer aus. Ich könnte stundenlang zuschauen!

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Aber wir müssen weiter, noch eine Bleibe für die Nacht suchen. Die Ardeche windet sich durchs Tal, die Straße folgt ihr über die Bergrücken, nimmt auch mal eine Abkürzung über die Berge. Weit ist das Tal, die Felsen leuchten hell in der Sonne, alles wirkt freundlich.
Noch einen Fotostopp an einem der zahlreichen Aussichtspunkte. Da zerreißt Lärm die Stille: Die Jungs von der Krachmacherstraße sind zum spielen rausgekommen. Kilometerweit schallen die offenen Tüten durch die Schlucht. Dann sind sie da, vorweg eine Benelli, und dann sind sie auch schon wieder vorbei. Nur der Sound, der bleibt noch eine ganze Weile!

Wir finden einen schönen, mit viel Liebe zum Detail gestalteten Campingplatz. Es wird der letzte Abend im Zelt und ich genieße noch einmal meine Milionen-Sterne-Unterkunft.
Ich wache zeitig auf, zieh den Reißverschluß am Zelt auf und fühle erst einmal: die Außenhaut ist feucht
Das dauert mindestens eine Stunde, bis alles abgetrocknet ist und wir packen können
Da könnte man doch...
bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht habe, bin ich in den M otorradklamotten. Ziehe die ersten Erdnägel aus dem Boden und schlage die Zeltplane zum Trocknen zurück. Du willst wohl heute unbedingt erste sein? grinst Andreas. Nee, ich hab andere Pläne, ich fahr noch mal ne Runde. Und schon bin ich weg! :D

Es ist ein Hochgenuß, morgens allein durch diese großartige Landschaft zu fahren! Kurve auf Kurve auf Kurve. Und hinter jeder Kurve eine neue Aussicht! Dann liegen ein paar Steine auf der Straße. Und dann noch ein paar. Und hinter der nächsten Kurve treffe ich diese eine Ziegenherde.
Wildwechsel hatte ich mir anders vorgestellt
Es sind wahre Kletterkünstler, die in diesen Bergen heimisch sind.

Viel später als geplant kehre ich um. Es ist auch schwer, sich von dieser Route loszureißen. Wo jede Kehre einen Namen hat...Schilder warnen vor Kurven, mit dem Zusatz "rappel". Mon Dieu! Wie könnte ich das vergessen!

Andreas ist schon abfahrtbereit, als ich ankomme. Biste sauer? Du hast unseren ganzen Tagesplan durcheinandergebracht, Doris! Oh, du BIST sauer Egal, das wars mir wert! Das Grinsen unterm Helm hält noch sehr lange... :D

Wir fahren an der Rhone entlang, wo keine Schiffe fahren, dafür aber mehrere AKW's stehen. Zwischen zwei Blöcken sind zwei Windräder Ob die wohl als Notstromaggregate fungieren?

Lyon, Dijon

Ein Schild weißt uns zur Seine-Quelle. In einer Grotte eine weiße Marmorstatue. Natürlich ist die Seine eine schöne Frau, vor ihr sprudelt glasklares Wasser aus dem Boden, sammelt sich in einem Becken und windet sich dann durch grüne Wiesen. Picknickplätze sind da...was für ein Unterschied zu der nüchternen Ruhrquelle!

Und dann folgt das längste Stück Straße, das ich je gefahren bin: Wie über Wellentäler und -kämme verläuft der Weg schnurgeradeaus. Von einem Wellenkamm sieht man, wie sich die Straße am Horizont verliert. Und wenn man dann diesen Punkt erreicht hat, nun, dann geht es wieder geradeaus weiter, bis zum Horizont. Und dann, nach ca 40 km das Unglaubliche: Nein, die Straße verbiegt sich nicht zu einer Kurve: Es kommt ein Kreisverkehr Und dann gehts wieder bis zum Horizont...

Reims - da dachte ich bisher nur an die Kathedrale. Aber es ist auch die Hauptstadt der Champagne, und so rollen wir vorbei an prunkvollen Anwesen der Champagner-Barone. Wir nehmen wieder ein Formule-1-Hotel. Die Dame an der Rezeption ist völlig überfordert. Wir sind doch offensichtlich gemeinsam unterwegs, bezahlen sogar zusammen. Und wollen 2 Zimmer. Sie kann es einfach nicht verstehen! Ich ahme ein Schnarchgeräusch nach. Das bringt mir einen verständnisvollen Blick der Rezeptionistin und einen ärgerlichen von Andreas ein :lol:

Die Kathedrale ist der Kracher! Von außen wirkt sie gar nicht so himmelstrebend. Die feinen Steinmetzarbeiten beeindrucken! Und dann kommt man ins Innere. Und fühlt sich klein angesichts dieser hochaufstrebenden Pfeiler! Die Chagall-Fenster hinter dem Altarraum - kann man nicht beschreiben, muß man sehen! 800 Jahre alt ist diese Kathedrale in diesem Jahr! Was für ein enormes Wissen und handwerkliches Geschick die Menschen damals hatten!

Ja, und dann gehts heimwärts. Ab Lüttich nehmen wir die Autobahn, trinken bei Polo in Jüchen noch einen Abschiedskaffee.
Zwei Wochen - so viel gesehen, so viele Bilder im Kopf!

Der erste Weg führt mich zum Reifenhändler.
Ich hab da ne Reklamation! Die Reifen sind grad mal vier Wochen drauf und schon runter! Was war denn das für ne Mischung?
Wie, nach vier Wochen? Watt haste denn gemacht?
Nix besonderes, n Stückchen gefahren halt.

Und dann geht er zum Motorrad, die Kleine ist noch voll bepackt und 6.000 km Abenteuer kleben noch an ihr.

Jau, der Reifen ist am Ende! Wo warste denn???

Einmal Malaga und zurück! :D

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 11:25 
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Lesen tue ich es erst heute Abend! :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 11:50 
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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 12:36 
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Toller Schreibstil, wie schon dein Frankreich Reisebericht - Macht Spass zu lesen (wenn man sich mal 20min Zeit nimmt :-)
Schönen Rest-Feiertag noch und Gruß nach Essen - liegt ja förmlich übern Berg
Henning

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 19:39 
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Eine sehr lebendig Beschreibung einer beeindruckenden Reise, das gefällt mir gut, mein Kompliment für diesen Reisebericht, Doris!

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 21:31 
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Mimoto hat geschrieben:
...Hardcore Driverin.. Jojo will Dich heiraten wenn er liest das Du Andalusien hin und her alleine nur mit dem Bike gemeistert hast. :lol:

Lesen tue ich es erst heute Abend! :)

Grüße


1. Lesen tue ich nächstes mal vorher. :roll:
2. Hin mit dem Zug, das mit Jojo kannst Du dir nun abschmicken, der muss nun doch Boro nehmen,
aber wer weiß dem sein Reisebericht dauert dieses mal wohl auch länger und wer weiß schon was
da drinsteht. :lol:

Doris, nochmals ne sehr schöne schreibe hast Du , sehr lebendig und es wird nicht langweilig - angefangen man
möchte nicht aufhören es zu lesen. Ein paar Fotos an der richtigen Stelle wie hier und es ist ein perfekter
Reisebericht, dafür danke!

Den Steinwald Torcal de Antequera wie die Stadt selber hatte wir auch im Navi programmiert, leider waren reifere
Tourteilnehmer daran Interessiert nicht später als 20 Uhr im Hotel zu sein daher musste der Rest der Gruppe dieses
Jahr darauf verzichten, naja man nimmt ja Rücksicht. :roll:

Viele Grüße

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Michael /mimoto

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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 21:53 
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Hallo Zusammen!

Das freut mich, dass Euch mein Bericht gut gefallen hat :P
Danke für Euer Lob!

@ Michael:
Warst Du mit ner Seniorengruppe unterwegs?
Schon um 20.00 Uhr im Hotel tststs

Und was den Reisezug angeht: Nie wieder! In der gleichen Zeit wär ich auch auf eigener Achse dagewesen.
Vielleicht sollte ich Jojo doch mal kennenlernen ;)

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Liebe Grüße
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Doris


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 Betreff des Beitrags: Re: Einmal Malaga und zurück
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. Juni 2011, 22:08 
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Doris hat geschrieben:
...
Vielleicht sollte ich Jojo doch mal kennenlernen ;)


...wie ich lese ist der Senior gerade unterwegs... :mrgreen:

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