Mimoto's Reiseforum

Reiseberichte mit Routen, Foto und Film
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Ungelesener BeitragVerfasst: Freitag 9. Oktober 2015, 12:50 
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Und ich kanns ja nicht lassen und will Euch auch nicht bis morgen auf die Folter spannen.
Hier also der nächste Tag:


25.05.2015
Laz Paules – Olot



„Jetzt aber los“, begrüße ich Bärchen heute Morgen und er scheint „not amused“. Er verzieht sich sofort in die Ortlieb-Tasche. Das
hat Vorteile, denn so stört er mich nicht beim zusammensuchen meiner sieben oder acht Sachen. Letztlich geht das schnell und als
letzte Amtshandlung hier in Laz Paules koche ich mir noch einen Kaffee und veredle diesen mit der gestern erstandenen Frischmilch.
Was ein Luxus!

Guten Morgen...:




Gegen kurz vor acht sitze ich auf dem Motorrad und um kurz nach acht ist auch schon der erste Pass erreicht. Der Coll d’Espina ist
mit seinen 1.407 m zwar nicht der höchste, aber letztlich ein guter Anfang. Folgen sollen heute noch viele andere, darunter auch
die Strecke nach Coll de Nargo.



Bild
Direkt vor der Haustüre...



Auf der Westrampe des Coll de Nargo




Bild
Unterwegs, ein wenig abseits der Pass-Straße nach Coll de Nargo


Bild
In Coll de Nargo


Ein Pass jagt den nächsten. Es ist schon erstaunlich, wie abwechslungsreich (und wie schmal!!!) eine Nationalstraße sein kann. Die
N260 bietet auch heute wieder alles, was Spaß macht. Zwischendurch verlasse ich diese immer mal wieder, um kurze Verbindungen
bspw. auf der L401 zu fahren und verbinde Schotterpassagen mit dem Asphaltband.


Bild
Lieber leicht geschottert als glatt gebügelt....


Das macht nicht weniger Spaß, im Gegenteil. Mit meiner Geschwindigkeit liege ich absolut richtig.
Ich tuckere so mit 50 – 60 durch die Gegend und habe mit keiner Kurve Probleme. Dass es auch schneller geht, beweisen mir 6 Leute
auf Ihren Superbikes. Alle aus Andorra, alle so schnell, dass ich das Gefühl habe, zu parken und in den Kurven eigentlich umfallen
zu müssen. Meinen Motor höre ich absolut nicht mehr, als die „Jungs“ vorbeifahren. Ich glaube, die haben gar keinen Endschall-
dämpfer, sondern das Abgas wird sofort am Motor in die freie Natur geblasen. Hammer, sind die schnell! Ob das gut geht...?

Nun denn, ich jedenfalls passiere so auf jeden Fall gemütlich und sicher Orte, wie Alinya, Oden und Canalda. Dort wechsle ich dann
auf noch „kleinere“ Straßen, wie der LV 4241 und der BV 4242 um schließlich nach Berga zu gelangen. Zwischendurch passiere ich
natürlich auch den Coll de Jou, den ich ebenfalls vor drei Jahren schon besucht hatte.


Bild
Am Coll de Jou


Auf dem dann folgenden Weg hinunter nach Berga passiere ich eine Stelle, an der ein Auto auf der anderen Straßenseite steht. Ich passe
gerade so an ihm vorbei. Im Vorbeifahren gibt der Fahrer mir mit Handzeichen zu verstehen, langsam zu fahren. Das mache ich auch und
letztlich ist rund 100-150 m weiter der Grund zu erkennen. Im Graben einer 90 Grad-Kurve nach rechts liegt einer der Andorraner. Das Mopped
hat sich einmal um die Längsachse gedreht, liegt also in entgegen gesetzter Fahrtrichtung da im etwa 50 cm tiefen Graben und lehnt an
der Hangkante. Zwei Menschen in Lederkombis sitzen daneben. Ich halte natürlich an und frage zunächst auf Englisch, ob etwas passiert
sei, also ob jemand verletzt wäre. Das Mädel (und nun sag mir noch einer, dass Mädels mit der rechten Hand nur behutsam am Gasgriff
drehen... die war genau so schnell) spricht relativ gut englisch und erklärt mir, dass alles soweit – bis auf einen Schock, der bis in die
Haarspitzen des Fahrers gelangt ist – ok sei.

Der Fahrer zittert am ganzen Körper und er beginnt nach ein paar Minuten, mit Bergungsversuchen der Duc. Das klappt alleine natürlich
nicht und schließlich bekommen wir das Mopped zu dritt aus dem Graben heraus. Ob es an der Qualität von Ducati liegt oder letztlich
Glück im Spiel war: Die Panigale hat einen abgebrochenen Spiegel und an der Verkleidung ein paar Kratzer. Mehr nicht. Dafür aber einen –
hoffentlich – kurierten Fahrer, der immer noch total durcheinander ist. Ich jedenfalls mache fein meinen Diener und für deren Verhältnisse
eiere ich wieder weiter Richtung Berga. Ungefähr 10 Fahrminuten später (die Andorraner hätten für die Strecke bestimmt nur 2 Minuten
gebraucht) stehen die Kumpels von den beiden und warten offensichtlich. Ich halte kurz an und erstatte Bericht und die Jungs bedanken
sich artig bei mir und wünschen mir eine gute Weiterfahrt. Die habe ich, denn ich genieße es wie vor drei Jahren, durch die Wälder zu fahren.


Bild
Irgendwo in der Pampa


Bild
... auch in der Pampa


Gegen 16.00 Uhr komme ich nach Olot zu „meinem“ Campingplatz. Der natürlich - geschlossen ist! Mist, mit den Dingern hab ich aber auch
kein Glück. Auf dem Weg hierher hab ich irgendetwas von „Camping Ecological Lavaparque“ oder so gelesen. Hinweisschilder groß, wie
Häuser... Das ist meine Rettung.

Also wieder ab auf die Hauptstraße und weiter geht’s. Nach ungefährt 5 Minuten sehe ich ein Hinweisschild auf der linken Straßenseite und
biege in die kleine Straße ab. Ich komme an ein recht großes Rezeptionsgebäude und steige vom Mopped. Schnell rein und einchecken. Mir
fällt der Kitt aus der Brille, es schlägt dem Fass den Boden aus, da gackern die Hühner, da wundert sich einer über die Finanzkrise in Spanien....

Die wollen für eine Nacht – nicht eine ganze Saison – für ein Zelt sageundschreibe EUR 25,- haben! Mir fällt nichts mehr dazu ein und geschockt
bezahle ich brav – ich Depp – die Gebühren. Ich erhalte auch brav ein Armbändchen mit den erklärenden Worten, dass es Vergünstigungen bei
der Fahrt mit der „Eisenbahn“ durch den Lavapark geben würde. Irritiert glotze ich die Mitarbeiterin an und frage nach kalten Getränken,
sprich Bier.
Das Restaurant sei noch nicht geöffnet – noch keine Saison, woher kenne ich das bloß – aber man würde auf Nachfrage gerne den Supermarkt
aufschließen, in dem es auch kalte Getränke gäbe. Bier auch.

Nun denn, ich fahre mit meinem Mopped auf den Platz und suche mir eine feine Ecke aus. Zwischen zwei Wohnmobilen, eines aus Oberhausen,
das andere aus Wien, schlage ich mein Zelt auf und gehe erstmal zu den Duschen. Auf dem Weg dorthin traue ich kaum meinen Augen: Bärchen
kommt an mir vorbeigeritten. Auf dem Rücken eines Zwergkaninchens! „Hey, was machst Du denn? Wo willst Du denn hin?“, rufe ich ihm nach.
Er jedenfalls lässt das Kaninchen um die Ecke galoppieren und ich habe die Befürchtung, dass er in Richtung Supermarkt will, denn schließlich
gibt es dort zwei Dinge: Kekse und Honig. Beides könnte man als seine Grundnahrungsmittel bezeichnen, beides hat er seit heute Morgen nicht
mehr gesehen. Honig übrigens nicht mehr, seitdem wir von zu Hause weg sind. Scheinbar hat er mit seinen puscheligen Bärenohren das Gespräch
an der Rezeption belauscht und sich eben aus der Ortliebtasche befreit. Wie er das geschafft hat, ist mir ein Rätsel. Aber er währe ja nicht
mein Bärchen, wenn er so etwas als unlösbaren Fall betrachten würde. Ich jedenfalls gehe zur Dusche und nutze diese ausgiebigst. Nachdem ich
wieder in nahezu Meereshöhe gelangt bin, hat die Temperatur deutlich zugenommen und ich bin – letztlich auch durch den Zeltaufbau – heftig ins
Schwitzen geraten. Ich genieße das Duschen und nachdem ich fertig bin, gehe ich zurück zum Zelt. Auf dem Weg dorthin höppeln mir noch ein paar
Zwergkaninchen über den Weg und ich habe kurz den Gedanken, eines in die Pfanne zu kloppen.


Bild
Die zwei haben sich gerade nochmal so vor Bärchen retten können...


Vorsichtig schleiche ich mich auf allen Vieren in Jägermanier an und bemerke kurz vor dem Hechtsprung hinter mir eine Frau im gesetzten Alter.
Im Rentenalter. Mist, das mit dem Braten wird heute also auch nix, muss ich halt wieder ne Tüte aufreißen. Ins Gespräch komme ich dann aber
doch mit der Dame. Sie erzählt mir, dass sie schon seit 5 Wochen unterwegs seien, man aus Südspanien komme und nun wieder auf dem Weg
zurück nach Hause (Wien) ist. Nebenher erfahre ich, dass die Campingplätze in Südspanien wohl deutlich preiswerter währen, was mir jetzt aber
auch nicht gerade hilft, denn ich bin halt auf dem Weg zum Cap de Creuz. Da wolle man auch noch hin, aber es ist ja soooo schön hier...
Ich wünsche noch einen feinen Abend, marschiere ab zum Zelt und reiße meine Tütensuppe auf. Frischfleisch wär mir lieber, aber...

...hm, da fehlt was...


Bild
Nix ökologisch, jedenfalls keine ökologischen Preise. Sauteuer wars...!


Ankommbierchen! Ja klar!!!

Also wieder zurück zur Rezeption, um Öffnung des Supermarktes gebeten und Schwuppdiwupp hab ich meine vier Dosen Bier.
Zwei ballere ich direkt weg, die anderen zwei hebe ich fürs Essen auf. Also wieder zurück zum Zelt. Im Vorbeigehen entdecke ich das Kaninchen-
gehege und mittendrin – wie sollte es anders sein – Bärchen.

Ich traue meinen Augen nicht. In Rodeomanier reitet er gerade auf einem braunen Kaninchen, das versucht ihn abzuschütteln. Pah, aber doch nicht mein Bärchen!
Krampfhaft, aber mit der Lässigkeit von John Wayne, hält er sich an den Ohren fest und steht seinen Bär. Mit einer Hand winkt er mir zu, was ich so interpretiere,
daß ich nicht mit dem Essen auf ihn warten soll. Mache ich auch nicht, schließlich würde sonst das Bier warm. In dem Wissen, dass er die Kaninchen
schon artgerecht Zureiten wird, lasse ich ihn seine Arbeit verrichten und wende mich ab. Insgeheim hoffe ich, dass niemand mitbekommen hat, dass dieser
kuschelweiche Cowboy zu mir gehört... Das darf Bärchen aber niemals erfahren!

Als ich am Zelt ankomme, werde ich von den beiden anderen Nachbarn aus Oberhausen zu einem Bier eingeladen. Das ist dann Nummer drei – zwei Dosen
hab ich noch. Was die beiden allerdings da draußen neben dem Wohnmobil auf ihrem Induktionskochfeld (!) kochen, sieht deutlich leckerer aus, als meine
Tütensuppe. Und riechen tuts auch gut!

Ich ziehe das Gespräch in die Länge und warte förmlich auf die Einladung, die dann..... doch nicht kommt. :-(

Beleidigt ziehe ich irgendwann dann doch von Dannen, setze mich vor mein Zelt, setze den Gaskocher in Betrieb, schnappe mir die schon seit geraumer
Zeit aufgerissene Tütensuppe und bereite mein Dinner for One zu. Zu meinem feudalen Mahl gesellen sich schlussendlich die beiden Dosen Bier und irgendwann
dann auch Bärchen.

Als es Dunkel wird, verkrümeln wir uns ins Zelt und schlafen beide ein – nehme ich jedenfalls an.


Was wirklich geschah...:


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Zuletzt geändert von Rene13 am Samstag 10. Oktober 2015, 17:47, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 10. Oktober 2015, 16:00 
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26.05.2015
Olot – Cap de Creus


Der letzte Tag meiner Querung beginnt, wie üblich: Gemaule aus der Ecke des Zeltes. Suchendes Herumgetappse. Ein verfressener
Bär macht sich im Zelt breiter, als er es eigentlich seiner Größe entsprechend schaffen dürfte.

Langes Zureden macht heute keinen Sinn. Bärchen ist total genervt von mir und ich von ihm. Wir beschäftigen uns mit den Dingen,
die man halt morgens so macht. Er verschwindet, um sich ein Kaninchen für einen morgendlichen Ausritt zu schnappen und ich
verschwinde in die Sanitäranlagen.

Als ich zurück komme, sehe ich gerade noch, wie Bärchen dem Kaninchen einen Tritt in den Hintern verpassen will. Ich motze ihn
quer über die Wiese lautstark an, was nicht ohne Folgen bleibt. Fast simultan öffnen sich plötzlich die Türen der beiden Wohnmobile
und jeweils im Rahmen steht ein maulender Bewohner ebensolcher Luxusherbergen. Ich wage erst gar keinen Versuch zu starten, zu erklären,
dass Bärchen ein Kaninchen nach dem Ausritt zum Dank in den Hintern treten wollte, denn wer würde das – außer mir - schon glauben?

Ich entschuldige mich also brav und Bärchen lacht sich eins in die Tatze.
Was soll ich mich aufregen, denke ich und schaue diesen kleinen Chaoten schließlich doch noch verliebt an. Er blinzelt mir zu und mein
Gefühl sagt mir mal wieder, mit ihm eben mein passendes Pendant zur Seite zu haben.

Schnell ist das Zelt abgebaut. Als ich das Groundsheet zusammenlegen will, ist dieses natürlich klatschnass von unten und ich lege es über
einen Holztisch zum trocknen. Dampfend steigt die Feuchtigkeit von dem schwarzen Kunststoff-Gewebe auf. Nachdem es dann abgetrocknet
ist, falte ich es fix zusammen, verstaue es und schnell bin ich dann auch in meine Moppedklamotten gesprungen, denn Bärchen will los...

Bild
Das dauert....


Los geht’s, die letzte Etappe kann beginnen. Heute geht’s zum Cap de Creuz, dem östlichsten Zipfel des spanischen Festlandes, welcher
natürlich auch mit einem Leuchtturm hoch über dem Meer gekrönt ist.

Guten Morgen...:



Was mir aufgefallen ist, ist, dass der Wind zunehmend stärker wird, je näher ich der Mittelmeerküste entgegen komme.

Die Fahrt heute ist bis nach Empuriabrava unspektakulär. Vor drei Jahren war ich ja die ganze Mittelmeerküste von Denia auf dem Rückweg
gefahren, so dass ich keinen Meter kenne. Es geht durchs Flachland über die Dörfer und zwischendurch gibt’s breite Nationalstraßen. Mir tut
das entspannte Dahingleiten gut, denn jeden Tag voll konzentriert im Schnitt 260 Km Bergstraßen und –Sträßchen fordern ihren Tribut. Ich werde
heute noch genug Kurven zum Cap de Creuz erleben, so bin ich also nicht enttäuscht, sondern gelange in einen entspannten Groove. So gegen
10.15 Uhr bin ich schon in Banyoles und fasziniert von der nahezu von Baumästen überdachten Straße.


Bild


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Schattenreich...


Bild
La Rubina... Preiswert, sauber, sicher und ein Garant für ein Ankommbierchen


Schon schlappe drei Stunden später fahre ich auf den Campingplatz La Rubina in Empuria Brava.
In Empuria Brava habe ich als Kind einen der schönsten Urlaube mit meiner Familie erlebt und seit meinem Besuch vor drei Jahren hat sich
nichts geändert. Aber auch gar nichts. Heute würde ich hier keinen längeren Urlaub planen, sondern nutze den Ort lediglich als Übernachtungs-
station, um mein Ziel, Cap de Creuz, zu erreichen.

Ich checke schnell ein – auf Deutsch, ist hier Platzsprache – baue mein Zelt auf, werfe die Koffer vom Mopped runter und beende meine Tour mit
der Fahrt zum Cap. Bärchen will nicht mitkommen, es ist ihm zu windig. Nachdem ich ihm eingebläut habe, keinen Blödsinn zu machen und das
Zelt nicht zu verlassen (lediglich die Drohung, dass es große Hunde geben würde – Katzen tritt er ja mit Vorliebe in den Hintern - lässt mich hoffen,
dass er meine Anweisung auch beherzigt) geht’s auf meinen letzten Teilabschnitt meiner Pyrenäenquerung.


Zwischenbericht



Bild
Direkt an der "Strandpromenade" von Roses: Fliegender Sand


Bild
Fischereihafen von Roses


Über Roses, wo kein einziger Mensch am Strand ist – so sehr hat der Wind bis hierher zugenommen – fahre ich wieder in die Berge hinein, bis ich
Cadaques erreiche. Dort mache ich einen kurzen Halt, um einen Kaffee zu trinken. Ich setze mich fein an die Bar am Strand und werde mit
Missachten gestraft.


Bild
Cadaques


Bild
Cadaques - die andere Richtung ;-)

Der alte Salvador Dali hat mich schon vor drei Jahren mit seiner Arroganz genervt und so stehe ich auf und nehme mir vor, am Cap einen Kaffee zu
trinken. Also geht’s weiter und nachdem ich aus dem Ort hinaus komme und wieder die Höhen erreiche, trifft mich der Schlag, bzw. der Sturm.
Das hätte ich mir so nicht vorgestellt und die letzten Meter hinauf zum Leuchtturm werden äußerst eindrucksvoll. Ich finde nicht die Zeit, entspannt
hinauf zu fahren, viel zu sehr bin ich damit beschäftigt, Tigger aufrecht zu halten, so stark bläst der Wind hier.

Als ich dann wirklich nur noch 100 Meter bis zum Leuchtturm habe, merke ich, dass das noch nicht alles war, denn jetzt bekomme ich ernsthafte Probleme.
Wie eine alte Galeere erhalte ich die volle Breitseite.

Es ist voller, als ich annahm (die meisten Touristen sind eben mit Sight seeing beschäftigt, an den Strand will niemand bei dem Sturm) und so geht
es nur im Schritttempo weiter. Mein Plan, oben direkt stehen zu bleiben und ein feines Bild zusammen mit mir, dem Tiger und dem Leuchtturm zu
machen bedarf schnellstens einer Änderung, denn ich habe schier keine Möglichkeit, überhaupt nur abzusteigen. Ich brauche krampfhaft beide Beine,
um den Tiger abzustützen und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich gefühlte 10 Minuten gebraucht habe, um mit dem Tiger zu wenden. Xmal
setze ich an und genau so häufig breche ich den Versuch wieder ab. Ganz langsam rolle ich rückwärts hinunter, zigmal unterbrochen, bis ich die
Möglichkeit sehe, wirklich zu wenden und in der Abdeckung der Felsen das Mopped abzustellen.

Das Motorrad wackelt immer noch bedenklich, aber ich kann die Querung nicht ohne Foto beenden! Ich lasse es darauf ankommen, schnappe mir
meinen Tankrucksack und marschiere gegen den Sturm ankämpfend wieder das Asphaltband entlang, bis ich in dieser tosenden Naturgewalt vor dem
Leuchtturm stehe.


Bild
Touch down


Bild
Faro de Cap de Creus


Bild
Zum Glück trage ich kein Toupé


Geschafft. Meine Querung ist beendet, aber leider kommt bei diesen Verhältnissen nicht so recht die Stimmung auf, die ich erwartet habe. Egal, das
kommt bestimmt noch und ein wenig Stolz macht sich dennoch in meiner Brust breit.

Am Ziel


Nachdem ich ein paar Fotos gemacht habe, wackle ich durch den Sturm zum Mopped zurück und fahre wieder nach Empuria Brava. Ich nehme mir
vor, heute einmal keine Tütensuppe zu kochen, sondern auf dem Platz angekommen, suche ich den Supermarkt, finde diesen und kaufe dort ein.
Es gibt kleine Koteletts, das unvermeidlichen Brot und natürlich das offizielle Ankommbierchen.

Nachdem ich gegessen habe, besuche ich den Strand und schaue mich dort um. Es sieht sehr trostlos aus, der Sand wird in 50 cm Höhe über den Strand
getrieben und so begebe ich mich dann auch auf direktem Wege in die Bar des Campingplatzes um dort noch einen Absacker zu trinken.

Morgen werde ich weiter nach Moux fahren und drei Tage im Maison Laz Clauses entspannen. Ich habe mir dort wieder einen Platz auf der Wiese
reserviert und bin gespannt, ob ich dort neben Holger und Susanne bekannte Gesichter treffen werde.

In diesem Sinne, Licht aus, Augen zu. Bärchen kuschelt sich an mich und ich falle wirklich in einen tiefen Schlaf.

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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 10. Oktober 2015, 16:45 
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..sehr schön René,
schade das es nun schon fasst wieder vorbei ist & Danke für den Link. :L

Viele Grüße

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Michael /mimoto

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Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 11. Oktober 2015, 20:00 
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...über 1000 Hits in den paar Tagen... großartig und das freut mich natürlich,
dass so viele Leute meine Stories lesen.

Für die nächsten und letzten beiden Teile müsst Ihr allerdings noch etwas Geduld aufbringen. Ich bin
aktuell nicht zu Hause, so dass ich keine Möglichkeit habe, den Reisebericht zu komplettieren.

Aber, Vorfreude ist halt die schönste Freude.

In diesem Sinne
LG auch von Bärchen
Rene

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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 21. Dezember 2015, 13:16 
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Nun hat es dann doch eine Ewigkeit gedauert, bis ich dazu kam, meinen Bericht weiter zu schreiben.
Aber es war ganz einfach zu viel passiert in der Zwischenzeit und letztlich hat mir auch ein wenig die Muße
gefehlt.
Nun denn, bevor das Jahr zu Ende ist, schnell den Bericht zu Ende geschrieben...


27.05.2015

Empuria Brava – Moux


Schnell packe ich unsere Sachen zusammen, packe die Koffer wieder ans Motorrad und verlasse den Platz.

Da ich noch tanken muss, suche ich eine Tankstelle auf. Neben dran ist eine kleine Bar und da ich heute keine Lust hatte, die Bialetti anzuwerfen,
nutze ich die Gelegenheit, hier auch direkt den Morgenkaffee zu trinken. An den Nachbartisch setzt sich ein älteres Ehepaar, die verdächtig Deutsch
aussehen. Sie sehen nicht nur so aus, sondern sind es auch. Neugierig betrachten sie mich und das vollbepackte Motorrad und tuscheln, wie ich aus
den Augenwinkeln sehen kann.

Als ich bezahlen will, eifern sie meinem Beispiel nach. Als ich aufstehe und auf das Motorrad zugehe, trauen sie sich endlich, mich anzusprechen.
Wo ich denn her komme, wo hin denn und hach, das sind aber viele Sachen. Sie wären ja aus Hamburg und würden mittlerweile hier leben. So einen
„Abenteurer“ (haha, ich werde immer stolzer, meine Brust bläht sich bis kurz vor dem Platzen auf) hätten sie ja noch nier kennen gelernt und und und.

Boah, das geht aber mal runter wie Öl. Die haben Harri noch nicht kennen gelernt, der mal eben in den nahen Osten fährt, um Kristin einen Kaffee zu kochen
(Facebook-Gruppe „Fernweh“), die ebenfalls mit dem Mopped da ist, oder Folly, der mit seinem Mopped um die Welt ist. Egal, dass muss ich den beiden
ja auch nicht auf die Nase binden und lass die mal in dem Glauben, einen "richtigen" Abenteurer vor der Nase zu haben. Mir passts!

Als diese nette Unterhaltung dann gelaufen ist, zieht es mich wie magisch nach Moux. Eine schöne Strecke gibt es wieder. Rüber nach Frankreich, über
Leucate, über Port La Nouvelle nach Gruissan geht es die französische Mittelmeerküste entlang, bis ich dann wieder im Corbiere stehe und Kurs auf
Narbonne nehme. Gegen Nachmittag komme ich in Moux an und kann mir hier alle Zeit nehmen, die ich brauche. Der Wind ist hier erträglich und so kann
ich mir auf der großen Wiese die windstillste Ecke aussuchen, die ich finde. Ich habe sozusagen exklusiv gebucht, bin hier alleine habe nun wirklich den
letzten Part meiner Reise hinter mich gebracht.

Bild
Immer wieder schön....



28.05./29.05.2015
Moux

Ich verbringe einen schönen Tag hier und schließlich setze ich mich sogar am 28sten nochmal auf das Motorrad, um eine kleine Tour zu fahren.
Aus den geplanten drei Stunden wird ein ganzer Tag, so großartig finde ich die Gegend, dass es mich immer weiter von Moux trägt. Irgendwann muss
ich allerdings an die Rückfahrt denken und kehre um. Das war ein großartiger Tag und genau die richtige Entscheidung noch einmal eine Tagestour zu
machen.


Bild

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Noch ne kleine Tour am 28.05. gefahren




Aber: ich will nach Hause. Zu sehr fehlen mir meine Beiden zu Hause, die ich zwar jeden Tag mindestens einmal am Telefon höre, aber das ist halt
etwas anderes, als bei Andi und Mats tatsächlich zu sein. Also beschließe ich am 30sten nach Hause zu fahren. Ich weiß das schon während des
Telefonates, dass ich abends mit Andi führe, dass ich am nächsten Tag in einem Rutsch nach Hause fahre, Andi aber nicht.
Das soll eine Überraschung werden.


Bild
Bärchen kanns mal wieder kaum abwarten...

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Und los gehts!


Andi freut sich, dass ich nach Hause komme und ihr natürlich auch wieder mit Mats unter die Arme greifen kann. Mit seinen rd. 1 ¾ Jahren ist er schon
ein richtiger Rabauke und ich kann behaupten, dass er mir mal so richtig fehlt.

Gesagt getan, ich habe schon lange am 29. alles zusammen gesucht und lediglich nur noch das Zelt mit Zubehör für die Nacht steht. Nach dem Essen,
was Holger und Susanne mal wieder zusammengezaubert haben (eine großartige Küche haben die beiden, nach wie vor), bezahle ich und verschwinde
für die Nacht. Der morgige Tag wird es in sich haben, aber es zieht mich magisch nach Hause. Und so mache ich mich dann am 30.05.2015 früh
morgens auf den Heimweg.

Ich weiß, was mich erwartet auf dem direkten Weg zwischen Moux und Düsseldorf. Ein Asphaltband ohne Ende liegt vor mir und nach rund 14 Stunden
und knapp 1200 Kilometern stehe ich wieder in der Garage, in der vor neun Tagen die Reise begann.


Bild
was hab ich mich gefreut!!!


Fazit:

Es ist noch viel offen. Nach vielen Gesprächen habe ich mich anfixen lassen, unbedingt Island kennenlernen zu wollen. Wann das passiert,
kann ich noch nicht sagen. Vielleicht 2017? Wer weiß...

Spanien wartet noch auf mich. Ich möchte die Bardenas Reales befahren, die spanische Halbwüste im Navarra. Und auch die Pyrenäen haben
noch viel zu bieten. Da kenne ich lange noch nicht alles und frage mich, ob man da auch alles kennenlernen kann...?

Und Südost-Europa – solange es noch schön ist – wird auch noch eine Reise wert sein. Polen, hier die Masuren, würde ich auch gerne befahren.

England und Schottland, Schweden und Norwegen... Es gibt noch so viele Ecken hier in Europa... Warum auf andere Kontinente ausweichen?
Ich habe noch lange nicht alles gesehen und werde das wohl auch nicht schaffen.

Und, man glaubt es kaum, Tiger wird mich sehr wahrscheinlich verlassen. Ich habe alles versucht, mit ihm warm zu werden. Es ist ein großartiges
Motorrad. Es hat einen großartigen Motor, der eine absolut lineare Leistungskurve hat. Für seine Verhältnisse ist er mit einem super Fahrwerk
ausgestattet. Und trotzdem gelingt es mir nicht, so ein „Verhältnis“ zu ihm aufzubauen, wie ich es zur BMW hatte. Ich habe vor, ihn im Frühjahr
2016 zu verkaufen und mich dann auf die Suche nach etwas „altem“ zu machen. Ohne Schnickschnack, ohne elektronische Helferlein, ohne ABS, etc.
Da kommt für meine Reisen nicht viel in Frage, also werde ich bei einem 2-Ventil Boxer oder bei einer Africa Twin oder einer Transalp landen.
Der Trend geht zur Africa Twin, denn durch eine nicht enden wollende Kulanzarie mit Touratech habe ich schon ein Trägersystem für eine RD07 in
der Garage liegen. Fehlt nur noch das Mopped... Warten wir es ab.

Und ein Fazit zur Reise fällt absolut kurz aus: Es war großartig und die Entscheidung, die Querung wieder zusammen mit Bärchen zu fahren, war
wieder einmal goldrichtig.

Mittlerweile ist die Entscheidung gefallen und die ersten paar Kilometer sind ebenfalls gefahren...:

Bild
Besser hätte ich es nicht treffen können!


Bis hierhin musstet Ihr lange warten und ich möchte mich dafür entschuldigen. Aber letztlich war ich u.a. ja auch damit beschäftigt, meine
afrikanische Lady zu suchen, zu finden und schon die ein oder anderen Arbeiten daran zu erledigen. Wie das halt bei alten Moppeds so ist...
man wird halt ja selbst auch nicht jünger und das ein oder andere Zipperlein bringt die Zeit so mit sich - wieso sollte das bei Moppeds anders sein?

Vielen Dank fürs Mitlesen und Mitreisen. Meine afrikanische Lady scharrt schon mit dem Hinterrad und kann es kaum abwarten, mit mir und
Bärchen auf große Fahrt zu gehen. Sie weiß ja nicht, auf was sie sich da eingelassen hat...

LG
Rene

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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 21. Dezember 2015, 14:07 
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Rene Eisenarsch.
1.200 km von Moux nach Düsseldorf.
Reschbeggt!!!
Deine Reisegeschichten zählen mit zum Unterhaltsamsten, das ich kenne.
Nicht nur Deine Zwiegespräche mit Bärchen, auch Deine Beschreibung, wie Du unfreiwillig aber genüsslich als Abenteurer aufgetreten bist.
Das ist so ein seltenes Salz in der Suppe der Reiseberichte, denn erstens passiert es nicht jedem und zweitens ist so etwas gar nicht einfach zu beschreiben.
Zum Schluss noch ein Urteil, rein aus meinem Bauch.
Es steht mir weder zu, noch kann ich es - da wir uns nicht persönlich kennen - nicht wirklich beurteilen.
Aber, so wie ich mir Dich vorstelle, passt die alte Africa Twin viel besser zu Dir, als der Tiger und deshalb nochmal extra von meiner Seite aus: Herzlichen Glückwunsch zu dieser Wahl.
Ich wünsch mir, dass Dir 2016 Andi und Mats wieder ne Auszeit für eine schöne Reise gönnen und freu mich schon auf Deinen Bericht.

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maxmoto
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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 21. Dezember 2015, 14:14 
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Rene13 hat geschrieben:
...
Bis hierhin musstet Ihr lange warten und ich möchte mich dafür entschuldigen. Aber letztlich war ich u.a. ja auch damit beschäftigt, meine
afrikanische Lady zu suchen, zu finden und schon die ein oder anderen Arbeiten daran zu erledigen. Wie das halt bei alten Moppeds so ist...
man wird halt ja selbst auch nicht jünger und das ein oder andere Zipperlein bringt die Zeit so mit sich - wieso sollte das bei Moppeds anders sein?

Vielen Dank fürs Mitlesen und Mitreisen. Meine afrikanische Lady scharrt schon mit dem Hinterrad und kann es kaum abwarten, mit mir und
Bärchen auf große Fahrt zu gehen. Sie weiß ja nicht, auf was sie sich da eingelassen hat...

LG
Rene


Hallo René,

ein toller Tripp, ich kann Dich beruhigen es gibt ältere unvollendete hier im Forum als Deine Reise, dennoch war ich sofort wieder drin in der Geschichte und musste nicht von vorne anfangen. :L

Ja die "alten" Bikes, an Technik arm dafür überschaubar, grundehrlich und solide. Derzeit ist die Tendenz zu echtem Retro bei vielem spürbar, da bist Du nicht alleine. Ryna hat auch länger schrauben müssen bis er mit seiner Tiger eins wurde.

Schade das Du so wenig Urlaub hast, lese Eure Abenteuer echt gerne. :mrgreen:

Viele Grüße und frohe Weihnachten.

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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 21. Dezember 2015, 20:41 
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Beiträge: 4472
Wohnort: Niederösterreich
Hoffentlich kann sich Bärchen vom fauchenden Dreizylinder auf den blubbernden Zweizylinder umgewöhnen! ;)

1200 KM am Stück, Hut ab! ;)

Ich wünsche euch mit der AT viel Spaß und traumhafte Reisen! :L

Gruß

_________________
Gigl


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