Mimoto's Reiseforum

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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 16. April 2020, 20:00 
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Registriert: Samstag 7. Juli 2018, 17:15
Beiträge: 21
Wohnort: Berlin
Servus,

endlich ist er fertig, mein Filmchen zur Bosnia Rally 2019. Daniel von den Fahrwegenen hat ja bereits seinen Filmbericht gepostet. Wir sind die gleiche Veranstaltung gefahren aber mein Text ist etwas egoistisch, er bezieht sich ausschließlich auf Walter und Schlunzke.

Meinen Bericht in Textform hatte ich bereits im LC8 Forum gepostet, völlig wild und mit Tippfehlern (eine Art Fetisch von mir) . Daher an dieser Stelle noch einmal der erste Teil des Berichts, quasi als Anheizer. Gebt euren Senf ab, ob ich die restlichen Teile des Berichts auch posten soll. Liest man den Bericht komplett und spart sich den Film bis zur letzten gelesenen Zeile auf, sind einige Bezüge vielleicht klarer. Ach was schreib ich hier rum?!? Schaut euch den kleinen Film an, oder lest erst den Bericht und schaut dann den Film..egal. Hoffe es ist nicht zu langweilig. Konstruktive Kritik ist immer willkommen.


Grüße und haltet durch...am Ende wird alles gut, und ist es nicht gut, ist es nicht das Ende :L

Film:
https://vimeo.com/407225630

Bericht:

Wichtigster Link:
http://bosnia-rally.com

und jetzt gehts endlich los:




Prolog

Donnerstag, 18.07.2019 gegen 17 Uhr, Anruf von Walter:


Walter: sind wir zu früh?
Schlunzke: Hallo Walter, was meinst du?
Walter: Wir sind einen Tag zu früh!
Schlunzke: Für was?
Walter: Die Rallye beginnt erst am Dienstag, wir reisen aber schon Samstag an. Technische Abnahme ist erst am Montag. Wir sind zu früh!


Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich auf dem Weg vom Reifenhändler zu mir nach Hause. Luftlinie ca. 2km und ich habe mich gleich mal verfahren....auf der Stadtautobahn, in Berlin! Zu früh? Kann nicht sein!


Schlunzke: Walter, ich muss das prüfen. Ich meld mich.


Nachdem ich es geprüft hatte, stand fest: Walter hatte recht. Warum auch immer, wir waren einen Tag zu früh dran. Na was solls?!? Dann eben eine Nacht dazu buchen und es entspannt angehen lassen. Wir hatten beide frei und warum dann eben nicht einen Tag eher anreisen? Dann kann man in Ruhe das Fahrerlager einrichten und die Umgebung erkunden.


Weiter gings, den Radsatz mit den neuen Reifen montieren und das restliche Equipment zusammen packen. Selbstverständlich habe ich mich gründlich auf die Bosnien Rallye vorbereitet, und genau aus diesem Punkt wurden die neuen Mäntel so spät wie möglich online bestellt. Das sorgte für einen ordentlichen Adrenalinschub, als die Mäntel und Ersatzschläuche auch 2 Tage vor Abfahrt nicht angeliefert waren. Jetzt musste Plan B her!


Es wurde ein zweiter Händler oldschool, also analog, kontaktiert. Dieser hat in ca. 2km Luftlinie, von meiner Wohnung, seinen Laden. Wie ich auf die Idee kommen konnte, dass es sinnvoller wäre Reifen und Mäntel irgendwo in Deutschland online zu bestellen und liefern zu lassen, statt zum örtlichen Händler zu gehen, kann logisch nicht mehr erklärt werden. Gehört wohl zu den kleinen Gags meines Gehirns. Dazu später mehr. Am Ende hatte ich auf dem letzten Pfiff 1 Satz Metzeler MC360 MST, Mid Hard Terrain auf den Felgen und einen Satz als Reserve, plus Ersatzschläuche. Da es mich jedoch vor einem Reifenwechsel in der bosnischen Pampa extrem graute, hatte ich beschlossen, einfach keinen Platten auf der Rallye zu bekommen.




Freitag, 19.07.2019
Von 7 bis 14 Uhr musste ich noch ins Büro. Voller Vorfreude auf die Rallye hätte ich am liebsten schon im Büro meine Protektoren, Crossklamotten, Helm und Nakebrace getragen. Ging aber leider nicht. Dann 14 Uhr, raus aus dem Büro und Hänger von der Leihstation abgeholt, Auto bepackt, Bike aufgeladen, ready to race!!! Es ging endlich los.


Erste Etappe: Knapp 450 km von Berlin nach Bad Hersfeld. Zu Walter und seiner Familie.


Ankunft gegen 19 Uhr. Nach der Begrüßung von Walter, einschließlich Begrüßung seiner Nachbarn, begannen wir Walters LC8 und seine Sachen, sein Equipment, zu verladen. Dies geschah alles unter den wachsamen Augen von Walters Nachbarn einschließlich diverser Hinweise und Anspielungen auf unsere Verladetechnik. Nach knapp 2 Stunden war alles fest verladen, verzurrt und das Auto samt Hänger sicher vor dem Haus geparkt. Jetzt folgte das nächste Highlight des Tages: ein Mett-Chili von Walters Frau. Extrem lecker, vielen Dank an die Köchin!


Danach noch ein Bier und mir fielen so langsam die Augen zu, Zeit um mein Nachtquartier einem mehrstündigen Liegetest zu unterziehen. Ich bekam das schönste Zimmer in ganz Bad Hersfeld!


Samstag, 20.07.2019, 4:30 Uhr - Weckerklingeln
Der Wecker und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Ich versuchte aufzustehen und mich zu sammeln. Wo bin ich? Was machen die vielen Fische hier...und wo ist dieser Nemo wieder hin???


Achso, es ging ja los. Autopilot einschalten, ab ins Bad, Zähne putzen & Co.


Gegen 5:15 Uhr Abfahrt.
Das Auto ist ordentlich bepackt. Alle Gurte noch einmal gecheckt. Walter übernimmt die ersten km.




Gegen 5:45Uhr – auf der Autobahn
Walter: wir haben was vergessen!
Schlunzke: was denn?
Walter: keine Ahnung, ist so ein Gefühl.
Schlunzke: Hmmmm, kenn ich. Ich fand auch, dass alles auffallend gut geklappt hat. Das macht misstrausich.


Bei ca.: km 250, erster Stop.
Gurte gecheckt, Kaffee tanken.
Walter, schlürft am Kaffee: hätte mich meine Frau nicht im letzten Moment noch dran erinnert, ich hätte meinen Pass vergessen.
Schlunzke: wat fürn Pass?
Walter: na den Reisepass!
Schlunzke: Wat???
Walter: hast du keinen dabei?
Schlunzke: NEIN! Wieso standen denn bitte gefühlt 1000 Sorten und Größen von Kabelbindern auf der Packliste aber nicht der Pass?
Walter: gute Frage.
Schlunzke: grmmmufffffffffi


Kurz vor Regensburg
Gurte gecheckt, Kaffee und Diesel getankt:
Schlunzke: ich habe gerade was beschlossen.
Walter: was denn?
Schlunzke: ich brauch keinen Pass!
Walter: interessante Strategie.
Schlunzke: ja, man muss das ganze azyklisch angehen und auch strategisch fahren. Werde ich auch bei der Rallye machen.
Walter: o.k....oha, da staut es sich.
Schlunzke: haben die im Radio gerade gesagt, dass heute in Bayern die Sommerferien beginnen?
Walter: klang so.
Schlunzke: gut das wir heute fahren.
Walter: azyklisch?
Schlunzke: ja. Damit rechnet niemand, dass wir uns unter Ferienreisenden mischen. Taktik ist das halbe Rennen!


Der Rest ist schnell erzählt. Wir standen vor Regensburg im Stau, Gurte gecheckt Kaffee getankt, vor Graz am Tunnel, Gurte gecheckt, Kaffee getankt und dann lief es bis zur Bosnischen Grenze reibungslos.


Der Übergang nach Bosnien allerdings war ätzend. Gurte gecheckt, warten, Gurte gecheckt und weiter gewartet. Keine Ahnung was oder ob die kontrollierten. Wir haben an der Grenze zu Bosnien gut 45min verloren. In der Wartezeit hätte man gut in aller Ruhe seine Papiere zur Kontrolle vorbereiten können. Aber wir konzentrierten uns darauf, Blödsinn zu quatschen. Und ich hatte auch die Hosen voll. Mein Pass lag ja auch noch in Berlin. Später war mein Pass nicht gefragt. Nur die Papiere und grünen Versicherungskarten wollten die Grenzer sehen, und dann hatten wir es geschafft.




Die bosnischen Grenzer schauten beim Grenzübertritt extrem cool, arrogant, und hatten den guten alten Ostblock-Befehlston drauf. Alles Fassade! Warum? Weil die so cleveren Grenzheinis, mit wichtigen Blick und Befehlston, nicht einmal gemerkt haben, dass ich statt der Papiere meiner LC8 die Papiere des Anhängers gegeben hatte. Das zeigt mir, auch die haben Probleme mit dem Zählen. Es hätten nämlich 4x statt 3x Papiere übergeben werden müssen. Vielleicht war es warm und der Grenzer hatte einen harten Tag. Aber dem zweiten Grenzer unterlief ein paar Meter weiter genau der gleiche Fehler. Trotz des ebenfalls arroganten Auftretens. Also kochen die auch nur mit Wasser. Uniform hin oder her. Mathe scheint kein Einstellungskriterium als Grenzer zu sein. Eine tiefe und autoritäre Stimme gleicht Matheschwächen in Bosnien wieder aus. Ich befürchte in Deutschland läuft’s nicht anders. Da kommt er wieder durch, der korrekte Deutsche. Man profitiert von einer Matheschwäche und gelangt ohne Pass in ein nicht EU-Land und darüber beschwert man sich noch. Ich hörte es laut in meinem Kopf sagen: wenn die nicht mal richtig zählen können, schaffen die es nie sich nach oben zu arbeiten. Ich konnte mich gerade selbst nicht leiden. Das hielt ca. 5 Minuten an, dann konzentrierte ich mich auf die Straße. Es wurde langsam dunkel.


Bis Banja Luka lief es dann auch ganz gut, noch einmal Gurte gecheckt. Wir hatten es nun schon nach 20 Uhr, und die Sonne wollte Feierabend machen. Aber nach Banja Luka ging es nur noch auf der Landstraße weiter, durch Schluchten und Spitzkehren. Der Bosnier liebt offenbar sich zuziehende Kurven...ich nicht, schon gar nicht mit einem Hänger am Auto.


Gegen 23 Uhr hatten wir es denn geschafft. Wir waren im Hotel. Eingeparkt, Tasche geschnappt, ins Zimmer eingecheckt. Noch schnell ein lauwarmes Bier, Kühlschränke gabs leider auf dem Zimmer nicht. Und dann ab ins Bett.


...hatte wir die Gurte gecheckt? Dann gingen die Rollos zu.


Anreise geschafft, Schlunzke kaputt!


Die Ankunft

Sonntag, 21.07.2019, 8:30Uhr


Schlunzke: Moin Walter, bist du wach?
Walter: ggrrrrmmmmmmmph!
Schlunzke: ist das ein Ja?
Walter: mmmmmmmmmmm
Schlunzke: ich glaub die Sonne scheint.
Walter: uuummmmmmmmph...mir egal.


Ich bin ja auch ein Morgenmuffel, aber Walter scheint mit wenig Schlaf noch schlechter umgehen zu können als ich, oder: sein Motherbord fährt noch langsamer hoch als meines. Gut für mich, ich darf zu erst ins Bad. Beim Zähneputzen denke ich: „wir müssen uns ein anderes Zimmer geben lassen, scheinbar zieht der Zigarettenrauch der Raucherinsel genau in unser Zimmer“. Das mache ich gleich nach dem Frühstück.


Der Rest des Morgens ist schnell erzählt. Das Hotel hat 4 bosnische Sterne. Es ist sauber, die Matratzen nicht durchgelegen, sondern angenehm hart, aber leider haben die Zimmer keinen Kühlschrank. Das ist aber auch nicht so wichtig, weil, wer sich hier Bier selbst mitbringt, ist schön doof! Wussten wir nicht, Walter hat regionale Spezialitäten mitgeschleppt... azyklisch habe ich den Focus schnell auf das heimische Pivo gelegt. Trinkste local Pivo fährste vielleicht auch so furchtlos wie die Locals...gewagte Theorie, mir schon klar. Temperatur und Preis des örtlichen Bieres sind perfekt. Bosnisches Faßbier: 1, hessisches Dosenbier lauwarm: 0.


Aber zurück zum Frühstück.


Wir wurden herzlich vom Kellner empfangen. Der sah so aus als hätte er für uns schnell mal die ersten Rallyeetappen abgefahren. 3 Tage-Bart, weißes Hemd und eine gewisse robuste Freundlichkeit....und nicht zu vergessen, ganz wichtig auch in Deutschland: ein etwas desinteressierter Gesichtsausdruck. Kundschaft? Ja! Aber bitte nicht in meiner Schicht!


Kellner: Breakfast?
Wir: Yes!
Kellner: Coffee?
Wir: Yes!
Kellner: with Milk?
Wir: Yes!


Wenn die restliche Rallye auch so easy läuft, melde ich mich sofort bei der kommenden Dakar an.


Der Kaffee war, rückblickend betrachtet, der beste der gesamten Woche im Hotel. Was die nächsten Tage als Kaffee serviert wurde, erinnerte mich an meine Kindeheit in der DDR. Da konnte ich in den Gesichtsausdrücken meiner Westverwandtschaft eine Entäuschung und auch einen Horrer bei örtlichen HO-Restaurant Kaffegenuss lesen, dass ich dachte, die müssen gerade Gift trinken.


Also, Frühstück war gut. Keine Beanstandungen. Aber wieso raucht der Kellner im Restaurant? Andere Länder, andere Sitten.


Später stellte ich fest, dass man in Bosnien überall, in Worten: ÜBERALL! im Hotel rauchen kann. Ich glaub der Koch raucht da auch bei der Arbeit, rauchen fetzt eben noch im Ostblock. Damit konnte ich mir dann den Zimmerwechsel in meine nicht vorhandenen Haare schmieren. Was sollte ich denn der Rezeption sagen? Etwa: I want to change our room. Reception: why? Ich: because everywhere in the room is a smell from cigarettes. Rezeption: and?
Ich: f*** you!


Nein, das wäre unhöflich. So schlimm wird es schon nicht werden.


Nach dem Frühstück haben wir unser Fahrerlager aufgebaut, wir waren ja mit die Ersten. Nach gut 2,5h waren wir ready to race, aber leider immernoch einen Tag zu früh.


Das führt dazu, dass man die Bikes noch einmal in Ruhe warten kann und Neuankömlinge in Ruhe ins Klassement einordnet. Da, eine alte BMW-HPN, so gepflegt wie die ist, fährt der nur Straße...kein Gegner für uns. Oha, rechts von unserem Lager baut sich eine 690R in Rallye -Optik auf. Das Bike wow, der Fahrer?!? Sandalen, Boxershorts und gut Anfang 50...wieder kein Gegner für uns.


Im Laufe des Tages rollten mehr und mehr Fahrer an. Überwiegend 1 Zylindermaschinen, die sahen schon ziemlich professionell aus. Die machen das nicht zum ersten Mal.


Noch einmal ums Bike geschlichen. Mein Vorderrad hat etwas geschliffen. Darum noch einmal Vorderrad raus, Bremsbacken gelöst. Rad gedreht, Bremsen gezogen und Bremsen und Achse fixiert. Schleift nicht mehr. Good work!
Walter: wasn das?
Schlunzke: was?
Walter: an deinem Vorderrad.
Schlunzke: ja, hab nur grob drüber geputzt.
Walter: nein, da fehlt doch die Distanzbuchse.
Schlunzke: die ist doch auf der anderen Seite.
Walter: du brauchst aber 2, hast nur eine?
Schlunzke: ja....hier wurde mir bewusst dass ich ggf. neben meinem Pass noch eine andere Wichtigkeit in der Hektik des Mantelkaufs und Mantelaufziehens in Berlin vergessen hatte. Die zweite Distanzbuchse der Vorderradachse.
Walter: das ist aber komisch. Das Rad hat Spiel.
Schlunzke: ach, das geht schon...innerlich brach ein Welt zusammen. Ist die Rallye vorbei, bevor sie begonnen hat??? So eine Buchse hat doch niemand als Ersatz dabei. Verdammter Mist!!!...aber gut dass ich noch einen kompletten neuen Satz Bremsbeläge eingepackt habe, ich Vollpfosten!
Walter: naja, irgendwie wird es gehen.


Das aus Walter zu hören war schon komisch. Walter ist eher der Typ Uhrmacher unter den Fahrern. Er hat neben gefühlt 5 Arten Kabelbindern und Isolierbändern auch Lötkolben und ausreichend Elektrokabelsalat dabei.


Aber was willste machen? Klar, ne Probefahrt!


Also rauf auf die Böcke und hinein in die bosnischen Felder. Feldwege heizen. Wir sind eingetaucht in die Feldwege um Kupres. Ich dachte so bei mir: geil, die grünen Wiesen und diese lila Feldblumen. Hatte mal in einer Doku gesehen, dass man an einer Häufung von bestimmten Feldblumen erkennen kann, wieviel Munitionsreste im Boden sind.


Das mit dem Gehirn ist schon eine komische Sache. Solche Gedanken kommen mir wann? Nicht bevor ich in einem ehemaligen Kriegsgebiet einfach mal Abseits der Hauptwege in die Umgebung fahre, nein! Diese Gedanken kommen erst: wenn man tief in der Scheiße sitzt...in unserem Fall mitten im Feld. Danke Gehirn...das Timing ist erste Sahne. A-Zyklisch in den Schlamassel gefahren. Gut, dass ich mich auf dich so gut verlassen kann. Als ob die Nummer mit dem Pass und der vergessenen 2. Distanzbuchse nicht schon suboptimal gelaufen wäre, jetzt noch das hier! Walter bremst...ich rolle an Walters Seite.


Walter: sag mal, weißt du was mir gerade durch den Kopf gegangen ist?
Schlunzke: nö, was? Unschuldiges Gesicht unterm Helm.
Walter: Mienenfelder, hier war doch mal Krieg.
Schlunzke: interessanter Gedanke. Und nu?
Walter: wir fahren weiter, da vorn geht’s auf die Straße.
Schlunzke:sicher?
Walter: nö.
Schlunzke: lieber umdrehen?
Walter: ach nö. Wird schon.


Circa 20min später sind wir in Kupres und ziehen ein paar Marka aus dem Bankomaten, nachdem Walter an einem der örtlichen Cafés nach einem Bankautomaten gefragt hat. Mit Händen und Füßen wird dir hier geholfen. Wunderbar.


Weitere 10min später sitzen wir in einem Café und genießen das Schattenplätzchen. Die hübschen Mädels sitzen im Nachbarcafé. Das habe ich zu verantworten. Entweder mit Stil in einem gemütlichen Laden sitzen, oder bei den Girls in einem nicht so schönen Café sitzen. Ich kann nur sagen/schreiben: wir hatten einen sehr schönen Schattenplatz in einem der ältesten Cafés im Ort. Und der Cappuchino war lecker. Die Mädels haben aber im Nachbarcafe gesessen...


Walter: was kann ich dafür, wenn die Ambiente nicht zu schätzen wissen?


Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Im Fahrerlager noch schnell das Roadbookequipment auf das Bike geschnallt und im Hotel zu Abend gegessen. Man könnte sagen, der Bosnier ernährt sich gerne von Fleisch. Voll lecker!!!


Danach noch einmal ins Fahrerlager und mit den Nachbarn ein Dosenbier geext. Auch lecker und lustig. Roland, der 50er mit der Rallye 690R, hat an jedem Tag die Kuh auf der Strecke fliegen lassen, zusammen mit Thomas aus München auf einer EXC Six Days. Torsten auf der Beta hat es gemütlich angehen lassen. Ein interessanter Mix von Typen.
Auf jeden Fall waren unsere Nachbarn voll auf Wellenlänge und hatten mindestens den gleichen Humor wie wir...jedenfalls hat niemand so laut gelacht wie wir an diesem Abend im Fahrerlager.


Tag 02 ging feucht fröhlich zu Ende und der Start der Rallye rückte näher...so langsam wurde ich nervös.


Fahrtag 00

Montag, 22.07.2019


im Grunde verlief der Tag ähnlich dem Vortag. Weitere Teilnehmer trafen im Fahrerlager ein, und es füllte sich mehr und mehr der Platz.


Nach dem Frühstück ging es zur technischen Abnahme. Für diese waren 2 Dinge besonders überlebenswichtig: Spiegel und Hupe.


Das führte dazu, dass alle Teilnehmer vor der Abnahme Ihre Rückspiegel anschraubten und nach bestandener Abnahme die Spiegel wieder abschraubten. Zudem musste jeder einmal auf die Hupe drücken....und so hupte es den lieben langen Tag im Fahrerlager. Erstaunlich, wie viele verschiedene Motorradhuptöne es gibt. Wusste ich vorher nicht.


Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Abnahme war der Tracker. Dieses Jahr wohl zum ersten Mal im Einsatz. Es wurde kontrolliert, ob es der Tracker auch tut und Strom anliegt. Er tat es, ich bekam ein Kreuz auf dem Pickerl der Frontmaske und niemand hatte meine fehlende Distanzmutter am Vorderrad bemerkt. Nur der Kenner hätte anhand meiner gequälten Hupe, welche sich mit dem Vorderrad gegen mich verbündet hatte, eine technische Unzulänglichkeit erhören können...hamse aber nisch.


Nach der technischen Abnahme ging es zum „Testkilometer“, hier muss man mehrmals 1000m abfahren und seinen Trippmaster möglichst genau abstimmen. Die Strecke ist mit 2 Schildchen markiert, an welchen man sich orientiert. Das machen einige Fahrer bis zur Verzweiflung. Andere machen es wie Walter.


Stefan Rösner (Mr. Bosnien Rallye und Cheforganisator) zu Walter: ...und, stimmt dein Trippmaster?
Walter: die ersten 4 Durchfahrten nicht so richtig. Besser wurde es, als ich die Markierung an der Teststrecke verschoben habe, jetzt stimmt alles.
Stefan: bitte?
Walter, grinsend: war nur ein Scherz. Passt alles.
Stefan: deine Endtöpfe sind zu laut.
Walter:...wat?
Stefan grinsend: war kein Scherz.


Später noch eine weitere kleine Proberunde...und jetzt wurde es am Vorabend doch noch hektisch.


Das Hotel war jetzt gut gefüllt, fast alle Teilnehmern waren angereist, und das Restaurant war gegen 17 Uhr schon ordentlich gut gefüllt. Warum? Weil 18:30Uhr das Roadbook und das Navigieren mit dem Roadbook vorgestellt wurden. Dieser Zeitplan hat den Koch rechts überholt, der kam nicht hinterher. Das Bier kam pünktlich durchs Restaurant navigiert, das Essen leider nicht. Also kurzum der Kellnerin mit Händen und Füßen erklärt, dass wir in 2 Stunden essen und sie zur Not die Fleischplatten warm halten soll. Nachdem auch der 6te Tisch diesen Wunsch äußerte, hatte sie es geschnallt.


Ab zur Roadbook und Navigationsschulung! Um ehrlich zu sein, hatte ich mir diesen Part irgendwie nicht so locker vorgestellt. Es wurden mal eben alle Roadbookzeichen an die Wand geworfen, die es gibt, und im Schnelldurchlauf erklärt. Gefühlt 2000 Stück. „Die meisten brauchts ihr eh ned. Hoaltets euch oan Tripmaster und Wegbeschreibung in der Mitte des Roadbooks. Die Buchstaben...noja, des lernts ihr dann draußen.“


...Schluck! Was war das denn, wird die Rallye ne Art Survival? Walter neben mir ist die Ruhe selbst. Jetzt noch schnell ein youtube-Roadbook-Navigationsvideo und mehr gabs nicht. Also, wir hatten dieses Jahr erschwerte Bedingungen bei der Schulung. Nach gut 2 Minuten Videotutorial war der Akku des Laptops am Ende. Schulung beendet. Alle lachen, ich auch aber meine Augen haben mich bestimmt verraten. Die blanke Angst und Verzweiflung musste jeder in meinen Augen gelesen haben. Ich habe sie deutlich gespürt.


Und dann gings zur Garminschulung.


Schlunzke: Prima! Jetzt könnten wir schnell was essen gehen.
Walter: das ist die Garminschulung!
Schlunzke: ich habe aber kein Navi.
Walter: hast ein TomTom?
Schlunzke: nö, ich habe kein Navi...kein Navi. Ich fahr doch Roadbook.
Walter: und wenn du dich verfährst?
Schlunzke: good point. Meinst du man kann sich hier so verfransen?
Walter: naja, wir fahren morgen knapp 300km, da ist schon Verfransungspotential vorhanden.
Schlunzke: ich hab Hunger.
Walter: und ich hab ein Garmin.


Dass ich kein Navi hatte, war schon doof. Aber ich hatte ja ein Handy! Und das Orgateam hat mir Nachmittags schnell die Tracks auf das Handy gespielt. Ist heute ja kein Hexenwerk mehr. Wenn auch etwas umständlicher. Somit hatte ich zwar meinen Rettungsweg auf dem Handy aber noch immer nix im Magen. Und das war mein aktuelles und schwerstes Problem bei der Schulung. Dazu kommt, dass die Schulung echt unterirdisch war. Wenn ein Vortrag locker ist, ist das immer recht angenehm. Aber die Garminschulung verdiente diesen Namen nicht. Wenn der Referent alles improvisiert, kann das unterhaltsam und anregend zum Zuhören sein. Oder es geht eben voll in die Hose. Was soll ich schreiben? Ich hatte meine Tracks auf dem Handy und nach der Garminschulung nicht das Gefühl, dass ich dringend ein Garmingerät benötige.


Nach der Garminschulung war dann die Fahrerbesprechung. Zu allererst wurden die örtlichen Helfer vorgestellt, gefolgt vom Rettungsteam, und später hatte sich auch noch der Hoteldirektor für den überforderten Koch entschuldigt. Es wurde viel gelacht, und am Siedepunkt der guten Laune wurden die schweren Stellen im Roadbook besprochen. Auch hier dachte ich, es ist komplizierter. Aber selbst ich als hungriger Anfänger konnte dem Geschehen folgen.


Mit 3 Roadbookrollen ging es dann gegen 21:00Uhr zurück ins Restaurant. Schnell etwas gegessen und dann ab auf das Zimmer. Roadbook und Bettzeug mit Textmarker vollschmieren. 3 Roadbooks markieren: das zieht sich! Gegen 0:00Uhr waren wir fertig. Die Rallye hatte begonnen, ohne dass ich es bemerkt hatte. Wir befanden uns schon im Rallyestress, nix mit erst einmal langsam losrollen. Du musst versuchen, das Roadbook zügig zu markieren, um möglichst viel Schlaf abzubekommen. Start war am 1. Fahrtag 8:00Uhr. Dies bedeutete für uns, bis 6:30 Uhr: Roadbook einbauen, Klamotten anziehen, kacken, frühstücken, Kiste warmlaufen lassen, Camelbag befüllen und und und. Schon beim Einschlafen war ich nun gestresst. Wie soll das morgen nur alles werden?


Fahrtag 01

Dienstag, 23.07.2019 – 6 Uhr


klingelnder Wecker


Schlunzke startet Automatikbetrieb. Aufstehen, überlegen wo ich bin und warum. Ab ins Bad, und Klamotten anziehen. Der Roadbookhalter muss geladen werden.


Ich glaub gegen 6:30Uhr waren wir dann an den Bikes. Roadbook einbauen, da hatte ich schon meine erste Erschöpfung. Diese blöde Papierrolle wollte sich einfach nicht sauber einfädeln lassen. Zum Glück hatten wir die Roadbooks korrekt gerollt und konnten gleich mit dem Einfädeln beginnen. Einfädeln, dann an der Drehachse festkleben. Wie soll das gehen mit normalen mitteleuropäischen Fingern, übermüdet und der Geduld eines schreienden Börsenmaklers? Das ist hier alles viel zu klein. Ich fluche in mich hinein und hinaus. Um mich herum konzentriertes Einrollen auf den anderen Bikes bzw. die Guten sind natürlich schon fertig, und auf dem Weg zum Frühstück. Streber!


Gut, dass unser Platz direkt am Weg vom Fahrerlager zum Hotelfrühstück liegt. Mit jedem weiteren Fahrer, der an mir grüßend vorbei zum Frühstück geht, werde ich nervöser. Innerlich außer mir, drehte ich das Roadbook weiter ein. Die Handknöchel weiß vom verkramften Festhalten und Drehen der Rolle. Ging dann doch ganz gut und nach gefühlt 3 Krämpfen in den Fingern, vom Einrollen, war ich fertig mit der Rallyewelt. Aber in der vorgesehenen Zeit. Also in der für die Vorbereitung am Morgen vorgesehenen Zeit von 20min war ich fertig mit dem Roadbook. Erste Hürde schon mal genommen.


Walter: das musst du aber oben durchfädeln
Schlunzke: da ist kein Platz
Walter: doch, schau mal genau, da ist ein kleiner Schlitz. Das macht sich gleich am Anfang viel einfacher.
Schlunzke: grmmmfffffffff


Mit ein bisschen Fummelei und Improvisieren habe ich es dann doch noch korrekt eingebaut bekommen, ohne die Rolle wieder komplett auszubauen. Hat sich das Ingenieurstudium doch endlich bezahlt gemacht.


Jetzt schnell zum Frühstück und einen Kaffee. Bäh! Himmel, war der mies! Aber das restliche Buffet war gut, von allem war aureichend aufgetischt und die Butter fast streichbar. Sicher keine 5-Sterne-Küche aber wir waren ja auch nicht zum Essen hier.


Attacke! Jetzt schnell in die Rallyeklamotten und ab zum Start. HALT! Erst zum Gruppenfoto und dann zum Start. So ein Gruppenfoto in voller Montur und in der bosnischen Sommersonne...Peng! Sonnenbrand, erste Verletzung noch vor dem Start. Das kann heiter werden.


8:10Uhr, wir sitzen auf den Kisten. Grundsätzlich ist das Startgate ab 8Uhr offen und die Fahrer können starten wann sie wollen. Wir wollten möglichst früh, reihten uns ein. Es standen knapp 300km als Eröffnungsetappe an, wer weiß wieviele Stunden wir benötigen werden.


Gegen 8:30Uhr waren wir dann endlich dran. Ca. 100m vor dem Start bekommen wir die Zeitkarten, dann rollen wir zur Startlinie, Stefan zählt von 5 runter. 4...3....2....1 Bosnien Rallye, wir sind unterwegs!


Walter übernahm gleich die Führung in unserem 2-Mannteam. Nach 3km mussten wir bereits auf einen Ausweichtrack fahren. Empfehlung der Rallyeleitung. Big Twins mussten einen anderen Routeneinstieg nehmen. So ging es erst einmal auf Asphalt durch die Umgebung, bis Walter den Blinker setzte, links ab. Jetzt begann die Navigation. Hier zeigten sich schon einige Verwirrte. Diese irrten auf der Grasebene umher, auf der Suche nach dem richtigen Track. Ich gebe zu, Walter fuhr vor und ich hinterher. Und dann waren wir am ersten Checkpoint. Ging doch, wo ist Problem? Die Orga lächelt und meinte noch:“ Ja hier ist der Checkpoint. Also ein paar Meter da vorn, an der Kurve“. Alles klar riefen wir ihm lächelnd zu und ballerten weiter, nach Roadbookangaben. Am eigentlichen Checkpoint ging es noch ein paar hundert Meter geradeaus, und dann mussten wir nur die nächste Kreuzung finden. Unterwegs grüßten wir noch einen am Straßenrad stehenden Schäfer. Herrlich hier, diese Landschaft und Alles ist einfach, aber absolut friedlich und schön, träumte ich in meinem Kopf.


Und auf einmal stimmte gar nichts mehr, nix passte! Die Bäume nicht zu den angegebenen Abständen. Und wieso ist hier ein Dorf? Hier sollte nur ein Haus stehen.
Walter brüllt: Scheiße, wir sind falsch!
Schlunzke brüllt zurück: kann nicht sein, wir waren doch am Checkpoint richtig und von da an gerade aus.


Wir irrten weiter durch das Dorf, kamen wieder am Schäfer vorbei...zum 2ten mal freundlich gegrüßt, zum 2ten mal hat er unseren Gruß erwidert. Wie oft wir uns wohl noch an diesem Tag sehen und grüßen sollten?


Zurück am Checkpoint. Nun waren noch weitere Fahrer eingetroffen und irrten durch die Wiesen und Pfützen, kreisten und suchten den Weg. Uns ging es auch so. Bis mir was eingefallen ist, die Orga meinte doch...“ja, der Checkpoint ist hier, also ganz genau dort kurz vor der kleinen Wiesenkreuzung“.


Der Strolch! Der hat vorhin nicht gelächelt, der hat uns ausgelacht, weil wir es nicht geschnallt haben.


Schlunzke brüllend: Walter, wir sind falsch, und ich weiß warum.
Walter brüllend: hier muss es sein.
Schlunzke brüllend: nein, komm mal her.


Ich klärte Walter auf, wir müssen ganz hart, dort genau am Checkpoint rechts ab. Nicht da wo die Orga das Auto hat. Der hat uns verladen.


Walter: f***


Und dann ging es in einem guten Tempo weiter. Ich sollte Recht behalten, wir hatten wieder den richtigen Track, und weiter gings. Richtung Wald und Berge. Steile, geröllhaltige Anstiege wechselten die Graslandschaft ab, und es wurde immer steiler. Walter mit gutem Tempo weit vor mir. Ich hinterher. Und dann passierte es, in einer ausgewaschenen Wasserrinne...ZACK! Ich lag auf der Fresse. Was solls?!? Die hinter mir Fahrenden gewarnt und weiter geht’s. 200Kg aufheben. Als die Käthe stand, war ich schön ausgepowert. Auf diesen Frühsport verzichte ich ab morgen.


Weiter die Berge im Schotter rauf und auch wieder runter. ZACK! Jetzt hatte ich mal die Führung, und in einer Kurve rutschte das Vorderrad weg. Voller Einschlag des Helmes in den Schotter. Wow! Das war heftig, muss ich nicht noch einmal haben! Walter fuhr auf mich auf und half mir, die Kiste aufzurichten. In seinem Gesicht konnte ich Skepsis lesen. „Ob Schlunzke überhaupt die erste Etappe schafft?“ Stand in seinem Gesicht. Man, jetzt muss ich mich aber zusammennehmen. Schon 2 Stürze am ersten Tag.


Nach einer kurzen Pause ging es weiter, tiefer in die Wälder. Und gegen Mittag wieder in eine Ortschaft zum Tanken. Benzin, Kaffee und zähflüssige, caramellisierte und mit Erdnüssen durchsetzte Energie. Dort waren auch schon andere Fahrer versammelt. Noch den Camelbag auffüllen und einen abschließenden Espresso. Kaffee können sie, voll lecker! Außer im Hotel beim Frühstück.


So, jetzt war ich wieder fit und kam langsam in einem Tempo und, noch wichtiger, in eine Selbstsicherheit. Jetzt lief es ganz gut. Gegen Mittag näherten wir uns langsam dem See Busko Jezero. Das haben wir aber erst gemerkt, als wir vielleicht 100m vom Steinstrand entfernt standen. Dort erwartete uns nämlich Stefan.


Stefan: da am Fels lang und dann übern Strand
Schlunzke: ja, seh ich auf dem Roadbook auch. Aber Stefan, macht das Sinn, dass wir mit den schweren Böcken über den Strand fahren?
Stefan zeigte auf meine KTM und sagte: doa stehts adventure drauf.


Verdammt, damit hat er uns. Also gut, dann über den Strand.


Walter und ich bogen dann fast gemeinsam auf den Strand, 2.Gang Hahn aufreißen und los. Ha!, und los...nix da. Erst einmal vergräbt sich das Hinterrad im Strand und dann geht’s laaaaaangsam los. Jetzt bloß keinen Zug rausnehmen, da müssen wir durch. Man, die Karre geht von links nach rechts. Hatte ich schon erwähnt, dass der Strand mit Badegästen belegt war? Welcher Irre legt denn die Strecke über einen Badestrand im Sommer? Antwort: Stefan von der Bosnien Rallye.


Zurück zur Stranddurchfahrt. Meine Kiste war also in einer Art Vortrieb, aber die Richtung zu bestimmen war nicht ganz so einfach. War ich hier wirklich noch der Pilot, oder nur noch Passagier? Der Bock machte nur widerwillig was ich wollte. Und die Strandschönheit am Ende des Strandes wurde nun auch merklich nervöser. Hatte ich nun doch Kurs auf die schwarzhaarige Schönheit genommen. Im letzten Moment gings aber links an ihr vorbei in Richtung Wald. Rechts wäre der See gewesen. Ohne die Strandschönheit jemals gesprochen zu haben, kann ich dennoch für uns Beide sprechen: Schwein gehabt! Also hatte ich auch wirklich wenig Alternativen. Am Waldrand angekommen, eine kurze Pause. Ich habe sie nicht vergraben, man war ich happy. Aber der Kühler lief auf Anschlag. Jetzt erst einmal ein Päuschen und einen Schluck köstliches Wasser. Was für eine Strecke. Ob die dicken GS hier auch durch müssen? Die will ich nicht ausgraben müssen.


Nach dem Strand ging es erneut durch den Wald, dann auf den Damm des Stausees und noch einmal zum Tanken.


Danach wieder in den Wald und auf bzw. über Hochplateaus. Was für eine Aussicht, wunderschön! Auch wenn unsere Kisten ziemlich leiden mussten, gab es keine weiteren Ausfälle. Wir kletterten immer höher über Schotterpassagen und durch Wälder.


Wenn du oben bist, musst du auch wieder runter. Somit begann die gefühlt stundenlange Abfahrt. Und in jeder Kurve merkte ich das Gewicht der LC8, man da schiebt was! Und wenn sich das Vorderrad rutschend Grip suchte...dann war ich Schweiß gebadet. Mit anderen Worten: ständig!


Wir kamen auf eine Lichtung und dann ging es einen Skihang unter dem Skilift bergab zum Hotel. Wow, wir waren wieder zurück. Am Ende des Hanges wurden wir von der Orga empfangen. Zeitkarte abgeben, kurz gequatscht wie es war und wer schon alles im Ziel ist, und dann war die 1. Etappe gegen 16:30Uhr rum.


Im Fahrerlager angekommen, habe ich erst einmal meinen Rucksack abgeworfen, man, war der schwer, obwohl kein Wasser mehr in der Camelbag war. 5 Liter weggetrunken über den Tag. Wow! Jetzt die Kisten kurz inspiziert und Kette geölt. Dann wieder rauf auf die Kisten und schnell zur nächsten Tanke. Man munkelte im Fahrerlager, die nächste Etappe wird lang.


Also getankt, zurück ins Camp, Kiste gewartet, Reifen geprüft, Roadbook ausgebaut und schnell Essen fassen. Es ist ja bald wieder Briefing.


So waren wir im Ziel angekommen und bereits schlagartig in der 2.Etappe, ohne es warzunehmen. Bikes vorbereiten. Equipment prüfen und und und. Aber alles in bester Laune und mit einem leckeren Pivo in Reichweite. Ich hatte meine erste Rallyeetappe gefahren. Wow, sehr geil!!!


Richtig begriffen habe ich das aber erst gut 1 Woche später, als ich begann die Eindrücke zu verarbeiten.


Das eine oder andere Pivo schmeckte am ersten Tag noch besser, als eine Gruppe BMW-Fahrer mit einem mir bekannten aber extrem unsympatischen Teilnehmer das Lager nach 19Uhr erreichte. Ich hab nix gegen die BMW Treiber, denen gebührt auch Respekt, die dicken Kühe über die Rallyestrecke zu treiben. Aber dieser eine Teilnehmer, den ich aus Meltewitz kannte, da klingeln alle Sicherungen bei mir durch. Ich wünsche ihm nichts Böses, nur das er immer schön nach mir ins Ziel kommt. Man, bin ich ein schlechter Mensch.


Vielleicht lag es aber auch daran, dass man kurz vor der techn. Abnahme in eine Art Rallye-Grundstress verfällt, der nicht abnimmt. Ständig ist was zu tun, muss noch was gerichtet oder geputzt werden und um einen selbst muss man sich auch noch kümmern. Das strengt an. Auf der Maschine den Körper und davor und danach den Kopf.


Zum Glück waren unsere Nachbarn im Fahrerlager gut drauf. Das hat wirklich Spaß gemacht. Gelacht haben wir in unserer Ecke wieder mit am meisten. Was für ein geiler Tag!


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Ungelesener BeitragVerfasst: Donnerstag 16. April 2020, 21:47 
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Seeeehr kuuuhler Bericht!
Macht Spaß! Gerne mehr DD


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Ungelesener BeitragVerfasst: Samstag 18. April 2020, 21:13 
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Hallo,

hört sich sehr entspannt an :lol: - freue mich auf die Fortsetzung! :L

Zur Einreise nach Bosnien reicht doch der Perso, hattest du den dabei? Man meint aber, dass die grünen Versicherungskarten noch wichtiger sind.

Gruss
Frido

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Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.


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Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 19. April 2020, 09:21 
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Bestes Amusement! Habe ich im LC8-Forum schon gelesen (erinnere mich an den Fetisch :D 8-) ) ... und jetzt grade nochmal.

Großes Kino, Schlunzke :mrgreen: !!!

Servus, Monti

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Meine Gefährte sind orange ... und ich bin überzeugter Endurist.


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Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 19. April 2020, 13:13 
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schlunzke hat geschrieben:

 Der Bock machte nur widerwillig was ich wollte. Und die Strandschönheit am Ende des Strandes wurde nun auch merklich nervöser. Hatte ich nun doch Kurs auf die schwarzhaarige Schönheit genommen. Im letzten Moment gings aber links an ihr vorbei in Richtung Wald. 


Grundregeln im Enduro oder auch Straßentraining, man(n) fährt dahin, wo man hinguckt, du Sack. :mrgreen:
Doch noch im letzten Moment Richtung Wald geschielt? :lol:

_________________
Ich habe jetzt genau das richtige Alter.:)
Muss nur noch rauskriegen wofür :-(


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Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 19. April 2020, 13:39 
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Bouncers hat geschrieben:
schlunzke hat geschrieben:

 Der Bock machte nur widerwillig was ich wollte. Und die Strandschönheit am Ende des Strandes wurde nun auch merklich nervöser. Hatte ich nun doch Kurs auf die schwarzhaarige Schönheit genommen. Im letzten Moment gings aber links an ihr vorbei in Richtung Wald. 


Grundregeln im Enduro oder auch Straßentraining, man(n) fährt dahin, wo man hinguckt, du Sack. :mrgreen:
Doch noch im letzten Moment Richtung Wald geschielt? :lol:


:Hilf:
ja, bis heute bin ich mir nicht sicher ob ich die richtige Richtung eingeschlagen habe :No:


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Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 19. April 2020, 13:47 
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Hallo Leute,

hier der Erfahrungsbericht zum 2. Tag / 2. Etappe.

Fahrtag 02

Dienstag, 23.07.2019 - 20:30Uhr

Briefingraum im Keller, bei der Roadbook-Besprechung. Gelöste Stimmung, alle bis auf ein Orgateammitglied sind gut im Ziel angekommen. Das Orgamitglied hatten wir noch vor 12 Uhr auf der Strecke mitten im Wald getroffen. Danach muss es sich wohl bei einem unfreiwilligen Bodenstopp die Schulter geprellt haben. Stefan, der Rallyechef verordnete für das betroffene Orgamitglied Schreibstubendienst. Allgemeines Lächeln. Es ging ihm gut und alle konnten sich auf die morgige Etappe geistig vorbereiten.



Wieder 3 Rollen Roadbook wurden ausgegeben, dann werden es wohl min. 300km. Falsch! Stefan hat die 2. Etappe etwas angezogen, knapp 400km standen auf dem Stundenzettel. Der Jubel im Raum hielt sich arg in Grenzen. Die erste Etappe war schon anstrengend und jede/r und jede Maschine wurde gut gefordert. Was mich sehr wunderte, war die für meine Vorstellung von einer Rallye hohe Anzahl von weiblichen Teilnehmern. Den Vogel hat dann eine schwedische Familie abgeschossen. Mutter, Vater und Tochter nahmen mit einer erstaunlichen Ruhe und Gelassenheit an der Veranstaltung teil. Da konnte ich mir ein Beispiel nehmen. Oder den 3en ging es wie mir, und sie hatten ebenfalls die Buchse voll und das Pokergesicht aufgesetzt.

Zurück zum Briefing. Es gab nicht viel zu erwähnen. Wir fahren Richtung nördl. bosnisch-kroatische Grenze zu einem Nationalpark, nähe Bihac. Dieser soll mit seinen Wasserfällen und Hängebrücken sehr schön sein. Vorher werden wir noch ein Tal durchkreuzen, in welchem alte Munition und alte Mienen aus dem Balkankrieg gesprengt werden.

Im ganzen Tal?
Scheinbar.

....tolle Aussichten.

Da es eine sehr lange Etappe werden sollte, gab es eine Uhrzeit, zu welcher man an einem Punkt gelangt sein musste, um die restliche Tour abfahren zu können. Also eine „timeout“ oder „cut off“ Position. 14:30Uhr war die Zeit, zu welcher man diese Stelle durchquert haben musste. Ist man später dran, sollte man die Straße zurück ins Camp nehmen. Knapp 200km. An dieser Stelle wurden meine Finger etwas feucht. Moment mal, wenn man am besagten Punkt ist, bedeutet das, dass man zwar den nördlichsten Punkt, aber noch lang nicht 50% des Roadbooks abgefahren hat. Walter nickte vielsagend.

Walter: bei meinem Hinterreifen müssen wir schon offroad fahren, sonst packen wir die 4 Tage nicht mit den Reifen.
Schlunzke, mit selbstsicherer Stimme: logisch, wollte ich auch gerade sagen.

Nach dem Briefing nahmen Walter und ich die Roadbookrollen und fingen an, auf dem Zimmer wieder Bettlacken und Roadbook mit Neonfarbe zu markieren.

Dienstag, 23.07.2019 – 23:30Uhr

Walter: so Herr Schlunzke, wie machen wir es?
Schlunzke: ich denke wir setzen uns einen 2. cut off. Stefan hat ja die 70km Abkürzung angesprochen. Auch wenn wir damit den Nationalpark nicht sehen, kommen wir rechtzeitig und denoch offraod hier im Camp an, bevor es dunkel wird. Ich will ungern im Dunkeln das Roadbook hier fahren müssen.
Walter: hmmmmmmm, und wann?
Schlunzke: Start ist ja um 7 Uhr. Ich denke, wenn wir die Stelle für die Abkürzung erst nach 11 Uhr erreichen, dann nehmen wir die Abkürzung.
Walter: und der 2. „cut off“? Den müssen wir bekommen. Sonst sind unsere Reifen hin, und es kommen noch 2 Fahrtage.
Schlunzke: ja, stimmt. Aber wenn wir am Abkürzungspunkt vor 11 Uhr sind, sollten wir den 2. Punkt auch vor 14:30Uhr schaffen. Die Distanz zwischen dem 1. „cut off“ und dem 2. „cut off“ sind unter 150km und wir hätte dafür über 3h Zeit. Das müssten wir doch packen, selbst ich.
Walter: wird gut gehen.

Wir markierten uns die „cut off“ Positionen und Zeiten im Roadbook fett.

Schlunzke: ich hätte gern, dass wir uns bei der Navigation abwechseln, ich 50km vorn und dann du. Immer im Wechsel.
Walter: machen wir.
Schlunzke: hast noch ein lauwarmes Bier?
Walter: im Kühlwaschbecken.
Schlunzke: Cheers.
Walter: Wie herum wird jetzt das Roadbook gleich noch einmal aufgewickelt? Cheers.
Schlunzke: bin ich die Baja gefahren oder du?

Mittwoch, 24.07.2019

Weckerklingeln um 5 Uhr.

Peng! Ich bin wach.

...ohje nein, ich war definitiv nicht! Versuchte wieder in den Automatikbetrieb zu kommen. Hinsetzen, Beine auf den Boden, dann aufstehen. Die Nacht war eindeutig zu kurz und das Bier hat meiner Erholungsphase nicht gut getan. Das werde ich heute Abend aber anders machen. Oh Gott, heute Abend...nach 400km Geländefahrt. Das wär so, als würde man von Berlin nach Bad Hersfeld nur durchn Wald ballern. Nicht vorstellbar.

Egal! Erst mal ins Bad und sehen was mich da im Spiegel erwartet. Kummer bin ich ja gewöhnt.

Erstaunlich schnell waren wir dann aus den Betten. Ich glaube, Walter war nur äußerlich ruhig, der hatte doch auch Respekt vor der heutigen Etappe. Hoffte ich.

Roadbook einlegen ist so ziemlich das blödeste an einer Rallye. Man muss es in Ruhe und mit Gefühl einlegen und einrollern. Zu diesem Zeitpunkt bräuchte ich einen Kaffee...gabs aber nicht, das Hotel macht erst ab 7 Uhr Frühstück. Moment mal, um 7 ist doch der Start!

Und genau aus diesem Grund gab es ein Verpflegungspaket vom Hotel. Lecker Brötchen mit Wurst und Käse sowie einem Salatblatt für die Geschmacksexplosion im Mund und die notwendigen Vitamine. Ich liebe solche Verpflegungspakete, besonders wenn diese über Nacht im Kühlschrank sind, um „frisch“ zu bleiben. Aber ich muss zugeben, geschmeckt haben sie auf der Tour, als sie aufgetaut waren.

6:45Uhr – wir rollen zum Start.

…..5.....4......3......2.......1 Stefan winkt uns durch. Der Start ist erfolgt. Heute bin ich vorn und darf mit der Navigation beginnen. Das war ja ein super Einfall von mir. Meine Festplatte war noch immer auf Standby und jetzt musste ich navigieren. Es ging über eine noch feuchte Wiese und durch einen Bach, langsam Richtung bewaldete Berge. Navigation lief o.k. Nur manchmal stimmten Tripmaster und Roadbookangaben nicht. Lagen weit auseinander. O.k. Dann eben logisch weiter fahren....ha, ha...mein Gehirn lachte mich aus."Logik...der war gut. Seit wann bist du denn der Logiker? ...ich schmeiß mich weg. Man, du Heini! Du bist ein Bauchmensch, frag den und nicht mich. Ich leg mich wieder hin.“Tja, was soll man da machen, wenn selbst die Organe gegen einen sind? Richtig, man klingelt beim Bauch und fragt hier nach Rat. Ich kann schon mal sagen, der Bauch hat mich bisher nicht enttäuscht. Zum Einen hält er mich sehr gut am Leben, da er immer sparsam mit seinen Resourcen umgeht und mich nicht so leicht verhungern lassen wird. Zum Anderen hat er mich zu 75% super durchnavigiert an den Stellen, wo ich unsicher war. Allerdings scheint mein Gehirn nicht nur gehässig sondern auch nachtragend zu sein. Ab und an habe ich es dann mit Logik versucht. Und dieses eingebildete schwammige Etwas hat sich da auch bitter gerecht. So habe ich am Ende der Etappe wertvolle Plätze eingebüßt, und unsere gute Zeit versaut. Als wir nämlich nach einem Tankstop durch eine Ortschaft navigieren mussten. Zurück zum 1. Drittel der Etappe. Wir fahren wieder durch Wälder, über groben bis feinen Schotter und an Waldarbeitern vorbei. Überholen hier und da einige Teilnehmer. Überwiegend Fahrer von großen Maschinen (GS & Co) aber auch kleinere Maschinen sind dabei. Also scheint unser Tempo o.k. zu sein. So sollten wir keine Schwierigkeiten mit dem „cut off“ bekommen.

Als wir aus den Wäldern kamen, mussten wir über Felder navigieren. Das ist wirklich schwer, kaum Orientierungspunkte, vor uns keine Fahrer, die hatten wir ja überholt. Ich schlage einen Feldweg ein...ah...vor uns doch Fahrer. Hier sind wir dann wohl doch richtig. „Danke, Gehirn, für deine Hilfe“. Dann stoppen die Fahrer vor uns: „bitte lass sie jetzt nicht drehen“. Kurze Zeit später: sie drehten. „Gehirn, wir müssen mal dringend reden“!

Bei Walter klapperte nun die Verkleidung und ich musste pinkeln. Pause am Hang! Walter zog die Verkleidung an und ich den Reißverschluss wieder hoch.
Walter: kann weiter gehen.
Schlunzke: jup, aber geile Aussicht hier.

Walter übernahm danach die Navigation, ich hinter ihm. Prüfte und navigierte für mich mit. Wir kamen an einen Wachposten an einer Schranke. Er winkte aufgeregt, wir sollten durchfahren. Das ist sicher der Wachtposten vom „Sprengtal“. Aber wieso war der denn so hektisch? Der sollte die Ruhe selbst sein. Wollte der uns vielleicht in eine Falle locken?


Das Tal welches wir dann gut 30min durchqueren, ist eine Art Hochebene, und der Untergrund ein geschotterter Weg. Hier kann man das Gas mal etwas aufziehen, machten wir auch.

Am Ende des Sperrgebiets ein weiterer Wachtposten, er lies uns wieder aus dem Sperrgebiet. Weiter ging es auf einem geschotterten Weg. Ab und an vorbei an kleinen Bauernhöfen. Man, die haben hier noch richtig Arbeit vor sich. Ganz wenige Landmaschinen sahen wir, dafür viele ältere Menschen auf den Höfen oder Feldern. Wo war hier die Jugend? Schule? Oder abgewandert? Egal, die nächsten Schlaglöcher durchstießen meine Gedanken und forderten mich eindringlich zur Konzentration auf. An einer kleinen Kreuzung schoss ich übers Ziel, bzw. über die Abfahrt heraus. Bremste und blieb stehen. Abgestiegen wollte ich meine LC8 umdrehen. Warum ich das schiebend machen wollte, entzieht sich bis heute meiner Kenntnis. Ich merkte noch wie so langsam meine Beine auf dem Schotter wegrutschten und versuchte noch mit dem allgemein gültigen Zauberspruch: „Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ mein Bike zu halten aber ich rutsche weg. So, das war also mein Sturz des Tages. Zu blöd! Walter kam mir zu Hilfe und schon stand die Maschine wieder. Eigene Blödheit.

Kurze Zeit später kamen wir am ersten Checkpoint an. Stefan stand mit seiner Crew bereit. Sie wischten uns die Visiere sauber und hakten uns auf der Liste ab.
Kurze Blödelei beim Stopp.

Schlunzke zu Stefan: bitte auch den Unterboden der Maschine pflegen
Stefan: ja, einmal heiß wachseln machen wir dann auch gleich mit.

Stefan dreht sich zu Walter: deine Endtöpfe sind immer noch zu laut.

Man warf sich noch ein paar Blödelein zu und dann ging es weiter richtig 1. „cut off“ Position. Diese befand sich in einer Ortschaft, in der Nähe des Naturparks. Wir lagen gut in der Zeit. Die „cut off“ Position erreichten wir, nachdem wir über eine weitere Hochebene, und einen Holzplatz fahren mussten. Hier hebelt es einen Yamahafahrer vor mir komplett aus, als er über einen großen Stein fuhr. Er konnte die Maschine zirkusreif abfangen und die Etappe weiter fahren. Sicher hatte er gerade aufs Roadbook geschaut und dabei den Stein übersehen. Später traffen wir uns an der Tankstelle wieder. Ich habe ihm berichtet, dass er die Maschine spektakulär eingefangen hat, und er wollte enttäuscht wissen warum ich keine GoPro an hatte. Niemand hat behauptet, dass die Teilnehmer einer Rallye erwachsen sind. Äußerlich vielleicht, innerlich sind sie nicht älter als 16.

Wir hatten die erste „cut off“ Position gegen 10 Uhr erreicht, also 1h eher. Wir lagen top in der Zeit und gingen den 2. „cut off“ an. Wissend, dass wir es locker schaffen sollten. Geil!

Mittwoch, 24.07.2019 gegen 11Uhr

Die Motorräder sind getankt, die Fahrer auch. Es kann weiter gehen zum Nationalpark und zum Wasserfall.

Als wir gegen 10Uhr die Ortschaft unseres ersten „cut off“ erreichten, war es schon sehr warm. In den Cafés und Bars am Straßenrand waren oft bunte Enduro- oder Rallyemaschinen zu sehen, und in den Stühlen ließen es sich die Fahrer gut gehen, erholten sich bei einem Espresso oder Eis. Walter und ich fuhren durch die Stadt, hielten unter einem schattigen Baum am Straßenrand und hielten kurz „Kriegsrat“.

Walter: wir liegen gut in der Zeit. Jetzt auftanken und weiter oder den „cut off“? Wie geht’s dir?
Schlunzke: alles o.k., ich brauch nur Wasser und einen kleinen Snack.

So bogen wir dann auf die nächste Straße ein und gleich zur Tankstelle. Die Kisten wurden betankt, dann noch Süßkram, Wasser und ein leckeres Eis gekauft und ohne großen Zeitverlust dem Körper „zugeführt“. Lecker!

An der Tankstelle gab es ein großes Hallo mit anderen Fahrern, überwiegend Einzylindermaschinen. Wir lagen alle gut in der Zeit, und die Stimmung war...naja, kleine Jungs in Erwachsenenkörpern erzählen sich gegenseitig ihre aufregenden Storys vom Vormittag. Jeder Außenstehende dachte bestimmt, die sehen in ihren bunten Klamotten nicht nur aus wie Außerirdische, sondern benehmen sich auch so. Dreckig, aufgeregt, mit Schokolade beschmierte Münder, und wild gestikulierend.

Gegen 11 Uhr hatten wir dann alle Geschichten des Vormittags ausgetauscht und die Motoren wurden wieder angeworfen. Es ging wieder auf schottrigen Pisten bergauf in die Wälder. Erstaunlich für mich war der Untergrund in Bosnien. Geschottert bedeutet, dass es ein sehr, sehr rolliger Boden ist. Ich hatte oft das Gefühl ich fahre auf Murmeln. Die Kiste dann in den Bergab-Passagen um die Spitzkehren zu fahren, das war die größte Herausforderung, und diese Passagen sollten bis zum letzten Tag anhalten.

Egal, Wetter war super! Warm aber sehr trocken, und die Camelbag war frisch aufgefüllt. 3,5l kaltes Wasser auf dem Rücken, das erfrischt und bringt neue Energie.

Gefühlt nach weniger als 1h, waren wir an der Position des 2. „cut offs“ an den Wasserfällen.





Wir wurden auf die Touristen hingewiesen, und sollten auch einen Blick auf die Landschaft werfen. Ja, war alles cool. Die Wasserfälle, die Hängebrücke und Holzbrücke über den Fluß. Aber richtig genial wurde es auf den Wegen parallel zum Grenzfluss zu Kroatien, der Una. Hier war eine schnell zu befahrende Passage, wie gemacht für die LC8. Bodenwellen im richtigen Abstand ließen mich öfter die Bodenhaftung verlieren. „I believe I can fly“ brüllte mein Hirn und noch andere schnulzige Songs, ohne auch nur einmal die Melodie zu treffen. Geniale Passage. Ca.: 30 bis 45min, in Kilometer kann ich es nicht wiedergeben, aber diese Passage war fast unendlich. Dies trifft auf fast alle Passagen auf der Rallye zu. Eben nicht nur mal 2km Schotterstrecken oder Hochebenen, nein kilometerweit. Es hörte nicht auf.

So langsam kam ich in einen gewissen Rhythmus, die LC8 lief wie am Schnürchen. Tiefes Brummen aus den Endtöpfen, ein sich mehr und mehr entspannender Fahrer, der hier und da mutiger wurde. Der die Maschine besser und besser kennen und lieben lernt.

Mit der Liebe ist das so eine Sache, irgendwann hat einer der „Liebenden“ verschiedene Ansichten. So begann ich mehr und mehr der LC8 in den Kurven eine Linie „aufzudrücken“. Ich war fest der Überzeugung, ich könne nun die LC8 in den Kurven ruhig auf meine Linie „drücken“. Bis zu einem bestimmten Grad funktionierte das auch. Aber in einer Bergauf-Spitzkurve sagte dann Sissi die III.: „ Herr Schlunzke, jetzt ist mal Schluss mit deinen Experimenten!“. Ich schlug auf der linken Seite ein. Mit recht wenig Geschwindigkeit und in einer Linkskurve, die harmlos war. Ein Wink mit dem Zaunpfahl meiner LC8? Könnte sein, vielleicht einfach Zufall. Ich für meinen Teil denke, dass Sissi die III. mir an dieser einfachen und recht gut einzusehenden Stelle eine Lektion erteilt hat. Klingt blöd, und vielleicht rede ich es mir auch schön. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich hier einen Schuss vor dem Bug erhalten habe. Ich wurde kurz vor dem Sturz, oder besser vor dem Ausrutscher, doch immer mutiger, traute mich mehr und mehr und wurde sicher leichtsinniger. So sehr mich die Kratzer an Sissi der III. auch schmerzen, so sind Sie warnende Zeichen, nicht zu übermutig zu fahren.

In der besagten Kurve kam mir eine Gruppe Einzylinderfahrer zur Hilfe und richteten mit mir mein Bike auf und das Roadbook gerade. Ich bedankte mich bei Ihnen. Auch wenn es gerade erst Mittagszeit war, merkte ich beim Aufrichten der Käthe, wie fertig ich schon war. Die Hitze und die zurück gelegten Kilometer hatten Kraft gekostet. Und es lagen noch über 150km vor uns! Also Schlunzke, haushalte gut mit deinen Kräften.

Ich versprach meinen Helfern ein Kurvenbier am Abend, und jeder zog wieder am Kabel. Leider haben wir uns bis zur Abreise nur noch auf der Strecke gesehen, und ich konnte den Jungs kein Kurvenbier ausgeben. Da muss ich wohl 2020 wieder nach Bosnien, in der Hoffnung, meine Bierschulden begleichen zu können.

Die restliche Strecke blieb weiter anspruchsvoll. Es ging durch Berge und Wälder und bis auf ein wunderschönes Bergplateau mit hohem Gras, tiefen Fahrrinnen und steilen An- und Abstiegen. Für mich das Highlight des Fahrtags. Man musste höllisch aufpassen, aber die Landschaft war grandios! Der Track steuerte öfter direkt auf Büsche oder Waldpassagen, dann Kopf runter und durch. Danach oft eine steile Senke, die man runter und später wieder rauf musste. Hier trafen wir auf noch feuchten Boden der Nacht. Eine Art Rallye-Soljanka, von allem etwas. Volle Konzentration, vorausschauend fahren und Spaß haben.

Zack! Und da lag ich schon wieder auf der Schnauze. Nicht schlimm, dank Walter, der kurz nach mir fuhr, stand die LC8 schnell wieder auf den Rädern. Aber ich konnte mir nicht erklären warum ich gestürzt bin. Es war eine recht einfache, kurvige Passage, aber mit tiefen Fahrspuren, und vielleicht bin ich mit dem Vorderrad an den Rand einer Fahrspur gekommen und wollte wieder meinen Willen gegenüber Sissy der III. durchsetzen. Wer gewonnen hat, hab ich ja schon geschrieben. Im Ernst. Ich kann es mir bis heute nicht erklären.

Schlunzke zu Walter: Wieso hab ich mich gepackt???
Walter schulterzuckend: Keine Ahnung, hab es nicht gesehen. Bist du o.k.?
Schlunzke: Ja, alles o.k. Aber warum bin ich gestürzt?
Walter: Ist manchmal so. Weiter geht’s!

Ich drückte wieder den Starter, Sissi die III. sprang sofort an, es konnte weiter gehen. Noch ein, zwei Minuten machte ich mir Gedanken. Dann hatte ich es akzeptiert und es ging weiter. Wir hatten wieder Spaß im und am Gelände. Kurze Zeit später fuhren wir auf zwei African Twin Fahrer. Diese waren scheinbar weit vor uns, und einer der Beiden war richtig gut mit der schweren AT. Der 2. Fahrer tat sich auf der Hochebene schwer. Kurze Zeit später hat es auch ihn erwischt. Ich kam hinzu, als Walter ihm schon aufgeholfen hatte, und es weitergehen konnte. Aber man konnte seine Verunsicherung sehen auf den folgenden Kilometern, bis sich Kopf und Maschine wieder eingespielt hatten. So sieht das also aus, die Beobachterperspektive war bei Stürzen neu für mich.

Der Rest der Strecke verlief ereignis, aber nicht spaßlos. Irgendwann, gegen 16 Uhr, erreichten wir die nächste und letzte Tankstelle des Tages. Mann, waren wir gut in der Zeit! Nur noch etwas um die 100 km, also in 2 h sind wir im Ziel. Tja, und da schlug die Navigationsschwäche von Herrn Schlunzke gnadenlos zu. Ich habe mich in der Ortschaft „etwas“ verfranzt. Walter hinter mir hat bestimmt getobt, als ich immer wieder in eine falsche Gassen abgebogen bin. Meine Fehler müssen ziemlich offensichtlich gewesen sein. Aber er blieb ruhig, gab mir Zeichen zum umkehren und wir fanden dann den richtigen Track. Also Walter fand den Track.

Man muss sich das so vorstellen: Im ganzen Ort knattern die Rallyeteilnehmer durch die Straßen und suchen den richtigen Weg. Verfährt man sich, dreht man um und sagt sich: “ O.k., mal sehen wo die anderen sind“. Dann sind natürlich alle auf einmal weg, wie abgesprochen. Niemand mehr zu sehen und zu hören. Und du befindest dich in einem Tal. Die können doch nicht wegfliegen oder sich in Luft auflösen. Tun sie aber! Wenn du dich mal an anderen orientieren willst, gibt es zwei Grundgesetze bei einer Rallye. §1: der Fahrer, an dem du dich orientieren möchtest, zeigt durch unsicheres Fahren und verwirrendes Umherschauen, oder auch dir ins Gesicht schauen, dass er sich jetzt bitte an dir orientieren will und muss, da er offensichtlich auch die Orientierung verloren hat. §2: die Gruppe, die offensichtlich den Dreh raus hat, ist weg und nicht mehr ausfindig zu machen.

Man kann es nicht glauben, wenn man es nicht erlebt hat. Bunte Männchen, mit laut knatternden Maschinen, sind auf einmal vom Erdboden verschwunden. Wie das geht? Keine Ahnung.

Irgendwann hatten wir dann den Track und es ging Richtung Ziel. Es gab noch eine Wasserdurchfahrt, wo sich Walter etwas anstellte, was mir jetzt völlig schleierhaft war. Walter fuhr die 2 Tage absolut souverän und sicher und hat dann Manschetten. Sollte mir das zu denken geben? Nö, ich fahr mal vor. Im Zweiten und mit Zug durch den Graben...läuft.

Dann folgte noch eine lange, schottrige Bergaufpassage und ca. 30min wieder den Berg herunter. Auf rolligem Schotterboden und mit mega vielen Spitzkehren. Ich liebe es!

Kurze Zeit später war auch Tag 02 vorbei. Kurz vor dem Ziel haben wir noch schnell aufgetankt und dabei das Zielbier fest im Blick. Schnell noch die Bikes gewartet, Roadbook ausgebaut und ab unter die Dusche. Fahrtag 02 war rum, und wir waren gegen 19 Uhr im Ziel. Wie sich später zeigte, haben wir uns im hinteren mittleren Fahrerfeld eingeordnet.



Gegen 20 Uhr hatten wir die Bikes vorbereitet und 20:30 Uhr saßen wir im Briefingraum. Hatte ich schon erwähnt, dass man ständig unter Zeitdruck ist bei so einer Veranstaltung?


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Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 19. April 2020, 14:33 
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Das :Pr: habt ihr euch redlich verdient!


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