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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 15:01 
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Registriert: Sonntag 12. März 2017, 17:44
Beiträge: 59
Wohnort: Liebenwalde
Wer keine Lust auf soviel Text hat, findet ganz unten das Filmchen dazu :L



Was soll ich sagen? Nach dem deprimierenden Jahr 2015, als krankheitsbedingt fernreisemäßig gar nix bei mir lief, musste in 2016 mal wieder richtig was abgehen :Bx:
Der Trip im Juni durch MNE/ALB/KOSOVO/Serbien hatte es ja schon in sich gehabt, aber die Ukraine sollte das dann nochmal toppen :Oh:


Donnerstag noch schnell´nen Ölwechsel gemacht (man glaubt ja nicht, wie schnell 10 000km vorüberfliegen), Freitag Klamotten auf die Dicke geladen und noch etwas gechillt, Samstag dann um sieben in der Früh raus aus den Federn, kurzes Frühstück, rein in die Klamotten, Frauchen nochmal ordentlich gedrückt und ab ging´s Richtung Osten über Dresden in die Slowakei.

Wetter war recht frisch in den Morgenstunden. Zum Abend hin in Slovakia zog der Himmel zu und es begann leicht zu tröpfeln. Höchste Zeit, sich ein Quartier zu suchen nach über 950km im Sattel.

In Mengusovce fuhr ich von der Autobahn ab fast in eine Rotte Wildschweine (wow, waren das viele!) und fand im zweiten Anlauf eine nette Pension einer Deutschlehrerin, die mir gleich ein paar super Tipps für die Gegend dort gab, denn ich nächtigte zwischen Hoher Tatra und Slowakischem Paradies (heißt wirklich so) :L


Am kommenden Morgen ein gutes Frühstück und weiter ging´s auf die letzten gut 250km bis zur Grenze. Unterwegs noch zu einem wenig spektakulären Geysir (es roch zumindest ordentlich nach Schwefel) abgebogen und wenig später ein martialisches Kriegerdenkmal mit zwei in Schale geworfenen alten Panzern besichtigt. Von denen standen in den folgenden Orten noch mehrere herum. Scheint damals Frontlinie gewesen zu sein :Mh:



Gegen 14Uhr gelangte ich bei Uzhhorod (Ushgorod gesprochen) an die Grenze. Mit leicht ansteigender Aufregung (die slowakische Lehrerin berichtete von Überfällen, die hier an der Tagesordnung seien), da ich zum ersten Mal in die Ukraine fuhr und keinen Blassen hatte, was mich erwartet, rollte die Dicke zum ersten Checkpoint.
Reisepass, Fahrzeugpapiere und grüner Versicherungsschein wurden in Augenschein genommen, Fahrgestellnummer penibelst genau überprüft, nach der mitgeführten Benzinmenge und dem Sinn meiner Reise gefragt und weiter ging´s zum zweiten Checker.
Nochmal ähnliche Fragen und Prozedere mit abgestempeltem Zettelchen, welches dann an der letzten Schranke wieder eingesammelt wurde als Beweis, dass ich nicht irgendwo unterm Radar durchgeflogen war :No:
Die Schranke fiel und ich betrat erstmals ukrainischen Boden.

Ein paar Meter weiter stoppte ich, um etwas Euro in Griwna zu tauschen. Seitenständer raus, Moped abgestellt (Hmm, steht ganz schön gerade?! Na egal, passt schon´) und 50m zurückgetrabt zum Money Exchange. Dort drehe ich mich nach 30s das erste Mal zur Dicken um und höre mich nur noch „Ach Du Scheiße!!!“ sagen. :Oh: Die Karre liegt auf der Seite und ich hab´s nicht mal knallen gehört. Zugegeben, es war etwas windig, aber dass eine Windböe genügt, um das Eisenschwein über den Kipppunkt zu bugsieren, wär mir nicht wirklich in den Sinn gekommen.
Vor mich hin grummelnd zurück und unterwegs noch ein paar Tschechen, die das Malheur mitbekommen hatten, aufgefordert, mir freundlicherweise zu helfen. Das Gerät stand auch gleich wieder und scheinbar war alles heile geblieben. Erst daheim sah ich, dass der rechte Koffer an den Haltern ziemlich eingedrückt ist :oops:


Na was für´n Start! Das kann ja nur noch besser werden...


Kurz noch die Landkarte gecheckt, in welche Richtung es gehen soll. Ziel waren die Karpaten, welche hier nördlich der Stadt beginnen und sich dann nach Südosten ausbreiten, um weiter quer durch Rumänien zu ziehen.


Ich fuhr auf einer buckeligen Asphaltpiste Richtung Turka, unterwegs immer wieder langgezogene (und ich meine laaanggezogene!) Dörfer im Stile der Zarenzeit zu passieren. Die kürzesten Dörflein maßen etwa 5km, die Längsten 15 (gefühlt länger).
Überall saßen vor den Häusern alte Menschen und schauten interessiert und auch verwundert zu mir herüber. Die Häuser sahen so aus, als wären sie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut worden.
Die Straße wurde nicht besser. Unterwegs passierte ich einen Kontrollposten :Sto: Warum es den dort gab, keine Ahnung?! Ich fragte, ob ich denn noch in der Ukraine sei, was mir lachend bejaht wurde.


Als die Sonne sank, wurde es merklich kühler und ich begab mich auf die Suche nach einem Quartier. Die ersten paar Anläufe schlugen fehl, weil gewählte Hotels allesamt geschlossen waren.


Ich quatschte noch mit einem jungen Ukrainer auf seinem Motorroller, der völlig aus dem Häuschen war, jemanden wie mich hier zu treffen und mich sofort einlud, bei ihm zu nächtigen. Weitere 50km Buckelpiste wollte ich auf gar keinen Fall mehr fahren und lehnte dankend ab.


Kurze Zeit später fand ich ein Domizil. Alle Häuser dort waren aus Holz und nett anzusehen.
Im Restaurant tobte grad eine Familienparty und Frauen wie Männer in bunten Trachten liefen umher.
Ich bzw. mein Mopped waren einen Schlag die Hauptattraktion. Foto, Foto, Foto...
Wenig später beim Versuch, etwas Essbares zu bekommen in dem Trubel, hätte man äh Frau mich fast abgeschleppt, wenn ich mich nicht so erfolgreich zu wehren gewußt hätte:-)


Das Zimmer für 9€ ohne Frühstück war ganz angenehm bis auf die nicht funktionierende Heizung und das leicht riechende Klo. Zumindest heißes Wasser kam aus der Dusche. Also alles gut. Naja, da wusste ich noch nicht, dass die Party mit Livemusik direkt unter mir noch etliche Stunden toben würde :Pr:

Nach wenig Schlaf freute ich mich auf das versprochene Frühstück, welches ich, so wurde mir am Abend zuvor noch versichert, JEDERZEIT einnehmen könne. Beim ersten Versuch gegen acht war die Tür verrammelt. Ok, da momentan sowieso noch fetter Nebel im Tal hing, packte ich langsam meine Klamotten, machte noch ein paar Fotos und wagte einen zweiten Versuch gegen neun - mit demselben ernüchternden Ergebnis.
Hmm, die Party ging wohl etwas länger als vermutet. Also noch etwas rumgebummelt und gegen zehn einen weiteren verzweifelten Versuch gewagt. Wieder zu!?! Grrr, jetzt bekam ich aber einen richtigen Hals, stieg auf die Dicke und rollte verdammt ungehalten und gefährlich unterzuckert durch den immer noch ziemlich fiesen Nebel vom Gelände :Kn:
Dieser sollte sich dann erst gegen Mittag gänzlich in Wohlgefallen auflösen. Griffheizung ist schon was Feines :mrgreen:


Meinen Hunger besiegte ich dann notdürftig etwas später bei einem ersten Zwischenstop mit Proviant aus meinen Koffern. Auf dem Weg durch den Skiolivs´ky Nationalpark auf immer kaputteren Straßen durchhüpfte, denn rollen konnte man das selten nennen, ich sehr schöne, verschlafene Dörfchen mit kleinen Kathedralen, deren Dächer golden und silbern in der Sonne glänzten.
Wieder mal typisch! Wie überall prunkt das Kirchenschloss reich an Gold und Silber über den alten, teils oft baufälligen Häuschen der Anwohner, welche diese Bauten jede Woche von ihrem wenigen Ersparten mit Spenden finanzieren. Na ja, es ist, wie es ist...


Die Karpaten stiegen nun etwas an und auf meinem Weg Richtung Südosten boten sich mir immer spektakulärere Ausblicke auf diese wunderschöne, meist wenig berührte Natur. Hier schien die Welt noch in Ordnung und von Raubbau war nichts zu sehen. Beeindruckend für mich die alte Technik, mit welcher hier noch gearbeitet wird. Am hervorstechendsten fand ich den URAL DD
in verschiedensten Variationen wie mit Ladefläche, als Holztransporter mit Anhänger oder als geschlossenen LKW. In vielen Dörfern wurde ich das Gefühl nicht los, dass jeder Zweite hier einen im Garten zu stehen hat.


Nach gut 220km, von denen ich ca. 60-70 Prozent im Stehen fuhr, reichte es mir für den Tag. In Dubove fiel mir das Golden Palace Hotel ins Auge und nach kurzer Besichtigung schlug ich zu. Die Nacht kostete um die 12€ (ohne Frühstück), aber das sollte ich ab acht einnehmen können.
Ich freute mich auf eine heiße Dusche, wurde aber herb enttäuscht, als das zunächst leicht lauwarme Wasser ins gänzlich kalte Metier abdriftete :Al: Na egal, beim Zelten hätte ich auch nur einen kalten Fluss zum Baden gehabt.

Im Restaurant dann für ca. 2€ noch etwas gegessen und ein ukrainisches Bier probiert und ab in die Falle.
Gegen halb acht wieder raus aus der Koje und aus dem Fenster geschaut (wow, mal kein Nebel!) und runter zum Restaurant getrabt. Noch geschlossen. OK, Klamotten gepackt, auf der Maschine verzurrt, in meine Kombi geschlüpft und wiederum einen Versuch gestartet. Noch immer niemand zu sehen. Nur die Putzfrau, die mir wenig Hoffnung machte, dass hier demnächst noch etwas passieren würde. Ist das hier ein Running Gag, denke ich mir noch und gehe zur Rezeption, um den Schlüssel dort abzulegen.Inzwischen ist aber die junge Ukrainerin auf dem Posten, welche mich gestern einchecken ließ. Sie spricht fließend Englisch und erklärt mir, dass heut alles wegen eines religiösen Feiertages geschlossen sei. Hab ich ein Glück!
Ihr tut das Ganze sehr leid und sie lädt mich auf einen Tee ein. Ihre Freundin gesellt sich später auch noch dazu und es wird ein geselliger Morgen mit selbst gebackenem Apfelkuchen (Daumen hoch) und irgendeiner ukrainischen Nationalspeise, eine Mischung aus Brot, Kuchen und Ei (naja, nicht so mein Fall) - dennoch bin ich überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft dieser Menschen und voller Euphorie starte ich in einen weiteren Tag in diesem faszinierenden Land.


Auf der Landkarte sind mir am Vorabend zwei Dorfnamen aufgefallen! Königsfeld und Deutsch-Mokra. Das klingt nicht sehr ukrainisch, denke ich mir :Mh: OK, anschauen! Die Distanz auf der Karte sieht nicht weit aus, aber die Strecke hat es dann sowas von in sich! Es geht nur langsam voran. Ich stoppe häufig, um an Flüssen und schiefen Hängebrücken zu pausieren und die Eindrücke von Mensch und Natur in mich aufzunehmen. Je näher ich Königsfeld komme, desto größer werden die Löcher in der Straße und an im Sitzen fahren ist längst nicht mehr zu denken.

Aber egal, die Dörfer hier in den Bergen wirken noch rustikaler, die Technik noch maroder und die Menschen noch älter (ich habe nicht wenige Hundertjährige gesehen und diese arbeiten noch täglich, weil ihnen auch gar nix anderes übrig bleibt.). Alles in Allem ein Mix, der mich in seinen Bann zieht.

Bei Fragen nach dem Weg stehen die Menschen mir sehr offen und herzlich gegenüber und mit ein paar Brocken Russisch und Händen und Füßen bekomme ich die gesuchten Antworten und folge weiter der Straße. Innerlich muss ich schmunzeln, wenn mir beim Anblick dieser löchrigen Piste das deutsche Hinweisschild ´Straßenschäden´ auf unseren Autobahnen in den Sinn kommt. Die haben ja keine Ahnung :No:


Der Fluss entlang des Weges von Königsfeld nach Deutsch Mokra wird immer wilder. Oft stehen einzelne Kühe mitten auf dem Wege, welche es zu rumkurven gilt, denn das Ledervieh denkt nicht im Traum daran, beiseite zu treten


Hinter Deutsch Mokka kommen mir ein Engländer und ein Pole auf Motorrädern entgegen. Die ersten, seit ich im Land bin!
Wir tauschen uns aus über die jeweils noch vor uns liegenden Strecken, wünschen uns Gute Reise und fünf Minuten später knattern sie davon.

Die folgende Strecke windet sich nun als neu angelegte Schotterpiste durch die Berge.

Ein Traum für jeden Enduro-Biker! Das Wetter hat um die 20 Grad und Sonne pur! Später erfahre ich, dass der Weg erst seit einer Woche geöffnet ist und in zwei Jahren mit einer Asphaltschicht bedeckt werden soll. Bis dahin muss sich das Straßenmaterial legen.
Im Tal fahre ich nach Kolochava hinein, halte an einem Restaurant, vor welchem mehrere tschechische GS´n parken und will mich gerade dazu gesellen, als ich von einer älteren Frau auf deutsch mit Akzent angesprochen werde. Wir kommen ins Gespräch.
Sie heißt Maria und erzählt mir, schon seit dreißig Jahren als Deutschlehrerin hier zu arbeiten (mit denen hab ich´s irgendwie diesmal). Nebenbei erfahre ich viele interessante Dinge über diese Gegend. Unter anderem, warum die Orte deutsche Namen tragen.

Die Kurzfassung: Im neunzehnten Jahrhundert machten sich etliche österreichische Familien hierher auf und gründeten eine Kolonie, um als Holzarbeiter und im Salzabbau für das Salzkammergut zu arbeiten. Einige Nachfahren leben noch heute dort.


Wenn ich versuche, mir vorzustellen, wie beschwerlich dieser Neustart damals gewesen sein muss, als dort rein gar nichts existierte! Und da sage nochmal einer, ich sei verrückt!


Eine Stunde und einen Kaffee später verabschieden wir uns voneinander, nicht ohne das Versprechen, wieder zu kommen mit etwas mehr Zeit. Unterkünfte bietet die Gute nämlich auch an.


Ein Russe aus Sibirien läuft mir dann auch noch über den Weg. Irgendwann nach einer guten halben Stunde meint er, ich wäre Superman in Wild Wild West, weil ich mich allein in diese Gegend wage. Hmm, hat irgendwas der Vergleich und wild ist es hier wahrlich :Mh:


Einen Tip gab mir Maria noch mit auf den Weg! Ich solle unbedingt nach Synevyrska Poliana fahren! Kurz vor der Ortschaft existiert ein Rehabilitationszentrum für Braunbären. Gesagt, getan. Ich fahre etwa 15km weiter, biege ab zu besagtem Ort und fahre durch ein wunderschönes Tal entlang eines wilden Flusses.

Das Gehege kommt auch bald rechter Hand in Sicht. Ich fahre zum Eingang hoch, gehe zum Ranger, bezahle umgerechnet etwa 50Cent Eintritt und denke mir: Wenn ich Glück habe, sehe ich einen Bärenhintern in 200m Entfernung.
Der hohe Absperrzaun des Geheges befindet sich 10m vor mir. Ich gehe drauf zu und erstarre beim Aufschauen! Heilige Schei..., ist der groß!!! :AlSw:

Einen guten Meter hinter dem Zaun steht einer dieser Mischkas und schaut mich leicht hungrig an. Was der wohl in diesem Moment dachte? Wie zubereitet ich am besten schmecke?:-) Ich stehe gut 5min. (wahrscheinlich) ziemlich dumm dreinschauend vor ihm, ohne auch nur ein Foto machen zu können. Mann, sind diese Tiere beeindruckend!
150m weiter tummeln sich zwei junge Bären ebenfalls direkt am Zaun, denn sie fixieren die kleine, graue Katze des Rangers. Immer, wenn sie ihnen zu nahe kommt, stellt einer der Beiden sich auf, um größer zu wirken. Ich glaube, dem ging die Düse vor dem kleinen Fellknäuel :Dy:


Da der Abend langsam hereinbricht, fahre ich weiter bis zum Ende der Straße in Synevyrs und finde dort ein schmuckes Hotel, wieder mal komplett aus massiven Holzbohlen geformt. Das hat richtig Stil und die 18€ pro Nacht erscheinen mir eigentlich viel zu billig.
Das Essen im hölzernen Restaurant mit riesiger Feuerstellenabzugshaube in der Mitte ist dann auch nicht übel und am nächsten Morgen bekomme ich dort sogar ein 1A Frühstück DD
Perfekter Start in den letzten Morgen auf ukrainischer Seite! Im sich auflösenden Frühnebel bietet sich mir ein großartiger Ausblick auf die unberührte Natur!

Gut gelaunt brummen die Dicke und ich langsam aus dem Tal Richtung Volovets und weiter über Volosianka Richtung Uzhhorod. Unterwegs besiege ich noch meine Phobie vor Flussdurchfahrten, indem ich gleich viermal durchdüse mit einem fast Umfaller. Sehr geile Sache, aber besser nächstes Mal ohne Koffer


Das Wetter ist Spitze und gegen 15Uhr erreiche ich Perechyn, den letzten größeren Ort vor der Grenzstadt. Schon recht müde vom warmen Wetter und den letzten gut 300km,, die meist stehend gefahren wurden, tuckere ich durch die letzten km des Ortes.
Plötzlich steht ein :Sto: auf der Straße und signalisiert mir, anzuhalten. Was hab ich falsch gemacht? Er zeigt mir auf seinem Handy ein Stopschild. Is´klar, sag ich. Wo soll das gewesen sein? Am Bahnübergang mitten in der Stadt. Mir fällt der dort stehende Polizeiwagen wieder ein. Aber da war kein Stopschild! Nun ja, streiten hilft nicht weiter. Ich muss blechen.
Wieviel frage ich? 850€, sagt der Polizeier :Kn: Ich starre ihn entgeistert an und erwidere, er meine bestimmt Griwna, oder?Natürlich, sagt er. Puuh, das war knapp!
Kurz gerechnet. Macht 29€. Ich frage, ob ich in Euro bezahlen kann, da gerade erst meine letzten Griwna an der Tanke verprasst. Ein seltsamer Blick huscht über das Gesicht des Polizisten. Er bespricht sich mit seinem Kollegen, nimmt mir meine Papiere ab und fordert mich auf, seinem Wagen zu folgen. Der biegt nach kurzer Fahrt in eine Seitengasse ab und hält an. Keiner sagt etwas. Geschäftiges Treiben am und imAuto. Ich habe keinen Plan, was die jetzt von mir wollen. Irgendwann latschen zwei der drei Bullen los. Ich folge ihnen um die Ecke. Der eine sagt: „Thirty Euro?“ Da fällt der Groschen bei mir. Ich sage ja, will das Geld aus der Brieftasche holen, doch er winkt sofort ab! Is´ klar, denk ich. Nicht zu offensichtlich! Ich hol die Kohle raus, verstecke sie in meiner rechten Hand und reiche diese dem Polizisten. Er schlägt ein, das Geld verschwindet, der andere Bulle schaut ein letztes Mal wichtigtuerisch in meinen Reisepass und gibt ihn mir dann zurück. Die Herren haben scheinbar Angst davor, bei solchen Sachen erwischt zu werden. Naja, irgendwie auch zu verstehen bei ´nem monatlichen Gehalt von 150-200€.
Aber einen Hals hatte ich trotzdem, nachdem das Geeiere eine Stunde kostete! Und die knapp zwei Stunden an der Grenze für die Ausreise gaben mir dann den Rest! Gegen 18Uhr verließ ich die Ukraine mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Land schreit geradezu nach einer Wiederholung!


Ich fahre zurück nach Mengusovce, um am folgenden Tag von dort aus noch das slowakische Paradies zu erkunden, finde eine Pension mit einem interessanten Typen, der mir bei mehreren Slivovitz auf nüchternen Magen erzählt, er sei Drachenflieger und 1987 mit einem Drachen aus der Tschechoslowakei über die Grenze in den goldenen Westen geflohen(oder auch geflogen).
Der Drachen ist in Berlin im Museum am Checkpoint Charlie ausgestellt. Waaahnsinn, was man unterwegs immer wieder für Geschichten hört und Typen kennenlernt.


Ein Grund, warum ich reise. Das ist quasi das Salz in der Suppe.


Eine Stunde später torkele ich auf mein Zimmer, schmeiße den Kocher an und erhitze eine Büchse mit irgendwas Essbarem, um Hunger und Alkohol in mir einigermaßen Herr zu werden. Es gelingt nur teilweise


Am darauffolgenden Morgen erwache ich mit einem dicken Kopf. Der Kater hält bis in die Nachmittagsstunden an trotz bestem Reisewetter und traumhafter Straßen in besagter Region. Ein absolutes Mekka für Motorradfans! Dreimal Daumen hoch!!!

Gegen 15Uhr mache ich mich auf die Heimreise, diesmal um die Hohe Tatra herum rüber nach Zakopane. Gebirge sehr schön,

Zakopane weniger. Der Verkehr mörderisch und ich benötige 2h, um aus dem Ort herauszukommen. Bei Krakau nächtige ich ein letztes Mal. Am nächsten Morgen checke ich den Ölstand und stelle fest, dass Einiges fehlt. Also 50er Tox raus gekramt und angesetzt. Uiii, das geht aber leicht heut. Bei genauerem Hinschauen stelle ich fest, dass aus dem Torx-Muster in der Mitte des Deckels gerade ein Kreis geworden ist. Echt jetzt? Mit derZange ging dann genauso wenig. Zu wenig Angriffsfläche. Da fährt man 1l Ersatzöl 2500km durch die Gegend und kann nicht mal was davon reinkippen. Frustriert und mit leicht mulmigem Gefühl reiße ich dann am Freitag die letzten 650km bis daheim runter.


Am Ende stehen etwas über 3100km in 7 Tagen, davon knapp 900 auf teils übelsten Pisten in der Ukraine, eine defekte H7-Birne und ein daheim dann restlos zerstörter Alu-Öleinfülldeckel zu Buche, den ich nur mittels Abschrauben des gesamten Ventildeckels und unter Zuhilfenahme brachialster Gewalt entfernen konnte.

Ob ich das nochmal machen würde? Was ´ne Frage :Sl:

Gruß;
Stefan.

PS: Hier https://www.youtube.com/watch?v=akfPIwGT3L0 gibt´s das Filmchen zum Bericht :kno:

_________________
Ukraine (Waldkarpaten) 2016 https://www.youtube.com/watch?v=akfPIwGT3L0


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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 15:19 
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Hallo Stefan, Danke für Deinen klasse Bericht.
Die Straße von Deutsch Mokra weiter Richtung Westen über den Pass hat mich vor einigen Jahren in tiefste Verzweiflung getrieben.

Bild

Aber da muss ich Dir zustimmen: Das schreit nach Wiederholung!

_________________
Schöne Grüße aus Boblas
Matthias

Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um. Ernst Bloch (1885-1977)
Meine Reiseberichte


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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 15:25 
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DD DD DD

_________________
https://www.youtube.com/watch?v=qI00c7zKvh0
https://www.youtube.com/watch?v=eCYuyR-gzio
https://www.youtube.com/watch?v=ZblKN6Vrrcs
https://www.youtube.com/watch?v=ZSNFuZqU27E

GS ? Ich kann´s nimmer hör´n !


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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 17:47 
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Hallo Stefan,
danke für den interessanten Bericht und Film! DD
Die ukrainischen Karpaten fehlen uns noch in der Sammlung.
Sieht so aus, als wäre möglichst viel Federweg das wichtigste Kriterium für ein geeignetes Moped.
Also genau das richtige für die 690er! :D

_________________
Gruß Bernd

meine Reiseberichte
Unterwegs mit KTM 690 Reise-Enduro und Yamaha WR 450 F

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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 18:18 
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Wohnort: südlich v. Bremen
Tolle Reisegeschichte zum Abendbrot. :L
Danke

_________________
Schönen Gruß
Klaas


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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 18:19 
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Wohnort: Knittlingen
Hallo Stefan, ich gebe es zu, um dein Text zu lesen war ich gerade (noch) zu bequem…

Aber deinen Film habe ich mir gleich mal angesehen und bin begeistert: Nicht nur toll geschnitten und vertont, sondern man hat auch gleich das Gefühl, dabeigewesen zu sein.

DD DD DD


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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 18:43 
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Beiträge: 39
Wohnort: südlich v. Bremen
Ich nochmal ;) , der Film ist echt klasse. DD
Danach hat man richtig Lust Richtung Osten aufzubrechen.

_________________
Schönen Gruß
Klaas


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Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 13. März 2017, 19:50 
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Beiträge: 1380
Wohnort: Schweiz
So nun auch noch den Bericht zum bereits gesehenen Film gelesen. :Sl: DD

_________________
Gruss aus der Schweiz

Bruno


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